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Museumspädagogik : Was will der Tiger?

Kinderferienprogramm im Städel: Die Kinder zeichnen das Gemälde „Ein Seesturm an der norwegischen Küste“ von Andreas Achenbach nach. Bild: Maria Irl

Langweilige Vorträge hören und seltsame Bilder betrachten – das war gestern. Auch Eltern und Lehrer können in die Rolle von Museumspädagogen schlüpfen.

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          Kinder vergessen nicht. Sie vergessen nicht den öden Sonntagnachmittag in der Bildergalerie, qualmende Füße, rauchende Köpfe, die langatmigen Erklärungen der ernsten Kunsthistorikerin, die sich zu Höherem als Zwergenbelustigung berufen fühlt und das ihre junge Kundschaft spüren lässt. Dabei lassen sich die meisten Kinder für Museen begeistern. Naturhistorische Sammlungen und Völkerkundemuseen samt Mitmachräumen sind ein Selbstläufer, ausgestopfte Präriehunde und gespenstische Mumien brauchen keine Moderation. Sie ziehen durch ihren Anblick in den Bann. Nicht aber Gemäldesammlungen. Dabei gibt es an Wochenenden rasante Ermäßigungen oder gar für Kinder freien Eintritt, und jedes noch so kleine Haus leistet sich ein museumspädagogisches Programm.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Das lebt naturgemäß von der Persönlichkeit der Führenden, und ob da die Chemie stimmt, das ist Glückssache. Aber auch allein lässt sich mit Kindern losziehen, vorausgesetzt, man stellt sich auf die kindliche Perspektive ein. Sich das nötige Fachwissen anzueignen ist in Zeiten von Google, Wikipedia, erschwinglichen Kunstführern und gutsortierten Büchereien so komfortabel wie nie, auch wenn die Eltern nicht zum Typ kunstbeflissener Oberstudienrat gehören.

          Im Münchener Lenbachhaus lernen Kinder spielerisch Kunstwerke kennen – und dürfen sogar selber malen.

          An diesem Sommermorgen besucht die 4e der Jahnschule in Unterhaching das Münchener Lenbachhaus. Nein, nicht alle Kühe sind lila. Es gibt auch sattgelbe, fröhliche Kühe, die durchs Bild preschen. Und es gibt ein blaues Pferd und ein schiefes Haus mit tannengrünen Bergen und tintenblauem Horizont. Die Viertklässler sind an umständlichen Definitionen über die Kunst des Expressionismus und dem Tier als Sinnbild für die Spiritualisierung der Welt nur peripher interessiert, wohl aber daran, dass Franz Marc seinen Lieblingstieren ein Rehgehege gebaut, seinen sibirischen Schäferhund Russi genannt hat und seine wuchtigen, rhythmisch angeordneten blauen Pferde beim Münchener Kunstpublikum anfangs gar nicht gut ankamen. Ganz im Gegenteil. Die Rede war von „Nichtskönnern“, „Hottentotten im Oberhemd“, „gräulichem Farbengesudel“ und „Liniengstammel“. Das war ein Skandal. Er und seine russischen Malerfreunde, die Schlawiner aus Schwabing, wurden misstrauisch beäugt.

          Geschichten erzählen, statt zu dozieren

          Die Zehnjährigen hören aufmerksam zu und betrachten intensiv die farbstarken Bilderwelten, in denen die Tiere leben und manche Menschen keine Gesichter haben. Die Kunstgruppe „Der Blaue Reiter“, die strenggenommen gar keine Gruppe war, aber die Münchner Kunstszene gründlich aufgemischt hat, schuf innerhalb kurzer Zeit in Oberbayern Werke, die heute auch Bildungsbürgern in Sydney ein Begriff sind. Gemeinsam waren sie stark. Das ist doch einmal eine Botschaft!

          Denn damit sind Museumsführer gut beraten: Eine einigermaßen klare Botschaft zu benennen, einige Kernthesen aufzustellen, sich darauf zu fokussieren, was die flämische Malerfamilie Brueghel mit dem Alltagsleben und die Ausdrucksformen des Barocks mit Herrschaftsdemonstration zu tun haben. Nicht nur Kinder lieben solche Klarheit.

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