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Mord an Freiburger Studentin : Wie die Eltern an den Optimismus ihrer Tochter erinnern wollen

An der Dreisam: Der Tatort in Freiburg Bild: dpa

Vor zwei Jahren ermordete Hussein K. die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria Ladenburger in Freiburg. Ihre Eltern haben jetzt eine Stiftung gegründet, um an das Leben der Tochter zu erinnern – und Katastrophenhilfe im Ausland zu leisten.

          In diesem Monat war ein trauriges Jubiläum: Vor zwei Jahren, am 16. Oktober 2016, vergewaltigte und ermordete der afghanische Flüchtling Hussein K. die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria Ladenburger in Freiburg. Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen, im März verurteilte eine Jugendkammer des Freiburger Landgerichts den Täter nach einem siebenmonatigen Prozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und ordnete zusätzlich die Sicherungsverwahrung an. Am Tag der Urteilsverkündung kündigten Marias Eltern, Friederike und Clemens Ladenburger, an, dass sie mit einer Stiftung an ihre Tochter erinnern wollen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zum Wintersemester hat die „Maria-Ladenburger-Stiftung“ nun ihre Arbeit aufgenommen. Die Eltern statteten die Stiftung mit 100.000 Euro aus ihrem privaten Vermögen aus, mittlerweile verfügt sie über ein Vermögen von 320.000 Euro, das durch weitere Spenden zustande kam.

          Weil die Familie nach dem Tod ihrer Tochter von der AfD politisch angefeindet wurde und Clemens Ladenburger sich sogar den Vorwurf gefallen lassen musste, als hoher EU-Beamter eine Mitverantwortung für die Flüchtlingskrise zu haben, soll die Stiftung nun bewusst kein politisches Signal setzen. „Die Familie will nicht, dass Marias Tod politisch instrumentalisiert wird. Sie wollen an das Leben ihrer Tochter erinnern, ihren Optimismus und ihre Lebenshaltung, die gezeigt hat, dass man im Leben etwas Positives bewegen kann“, sagt Michael Lauk, der Vorsitzende des „Verbands der Freunde der Universität Freiburg“, in dem die neue Stiftung organisiert ist; sie ist nicht selbständig, damit ihre Führung weniger aufwendig ist. Lauk ist der erste Vorsitzende der Stiftung. Auch der Dekan der medizinischen Fakultät wird dem Stiftungsvorstand angehören.

          Schwerpunkt auf medizinischen Projekten

          Zweck der Stiftung ist es, „Bildung und Erziehung“ von Studierenden, vor allem an der medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, zu fördern. Konkret soll es drei Förderschwerpunkte geben: erstens die Vergabe von Stipendien an Studierende, die in einer schwierigen Lebenssituation sind – etwa aufgrund einer schweren Erkrankung oder einer Körperbehinderung. Zweitens sollen Projekte der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe im Ausland unterstützt werden. Es ist zum Beispiel vorgesehen, Famulaturen von Medizinstudenten in Entwicklungsländern zu fördern. Drittens sollen Stipendien an ausländische Studierende vergeben werden, damit diese besser in den universitären Alltag finden können, etwa mithilfe von Sprachkursen.

          Die Familie hat sich beim Stiftungszweck am gesellschaftlichen Engagement ihrer Tochter orientiert. Sie war Mitglied im Verein „Weitblick“, einer von Studenten gegründeten Organisation, die zum Beispiel Schulprojekte in Afrika fördert. Maria selbst arbeitete in dem Projekt zum Aufbau von Schulen in Ghana mit.

          Zu den geförderten Studierenden können auch Flüchtlinge oder Asylbewerber gehören, die wegen eines noch nicht abgeschlossenen Asylverfahrens kein Bafög erhalten. Integrations- oder Flüchtlingsprojekte an sich soll die Stiftung nicht fördern. Maria Ladenburger engagierte sich zwar beim Verein Weitblick, aber nicht in Projekten, in denen Geflüchtete im Mittelpunkt standen. Mit 10.000 Euro fördert die Stiftung das Projekt Studienstarthilfe, aus diesem Programm erhalten Studenten, deren Bafög-Antrag noch nicht bewilligt ist oder die im Rollstuhl sitzen, eine monatliche Unterstützung in Höhe von 750 Euro.

          Bei der Entwicklungshilfe dürfte der Schwerpunkt auf medizinischen Projekten liegen. Mit 5000 Euro unterstützt die Ladenburger-Stiftung zum Beispiel das „Noor-Medical-Projekt“. In dem Projekt haben junge Wissenschaftler ein Gerät zur Sterilisation von OP-Instrumenten entwickelt, das unter widrigsten Bedingungen in Entwicklungsländern eingesetzt werden kann. Wegen mangelhafter OP-Hygiene führen in vielen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens schon chirurgische Bagatelleingriffe zu Infektionen mit Todesfolge. Das von den Projektmitarbeitern entwickelte Sterilisationsgerät erzeugt mit einem Sonnenspiegel die notwendige Temperatur, der ebenfalls erforderliche Unterdruck wird über einen per Solarzelle angetriebenen Motor produziert. Aus Sicht der Stiftung ist dieses Projekt ein gutes Beispiel für künftige Förderungen. Hans-Jochen Schiewer, der Rektor der Freiburger Universität, nennt die Gründung der Stiftung „eine bewegende und großartige Geste“ der Familie Ladenburger.

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