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Autobiographie von Eric Idle : Was hast du zu verlieren?

Lass dich nicht hängen, mein Freund: Eric Idle (rechts) singt für Graham Chapman „Always Look on the Bright Side of Life“ beim Dreh von „Das Leben des Brian“ im November 1978. Bild: ddp Images

Monty-Python-Komiker, Freund der Stars und Schöpfer des Welthits „Always Look on the Bright Side of Life“: Eric Idle erzählt in seiner Autobiografie von seinem bewegten Leben.

          Es ist ein Tag zum Vergessen für Brian, jenen unglücklichen Zeitgenossen Jesu, der arglos in eine ganz böse Geschichte hineingestolpert ist. Gerade ist er vor den Toren Jerusalems gekreuzigt worden, und seine überraschend aufgetauchten Weggefährten aus dem Widerstand haben ihn nicht etwa gerettet, sondern dafür gelobt, dass er für ihre Bewegung einen prima Märtyrer abgebe; sie haben ihn, im Wortsinn, hängen lassen. Und nachdem sich sogar die eigene Mutter schimpfend von ihm abgewendet hat, wird Brian zu allem Überfluss von dem schrägen Vogel am Kreuz neben ihm dazu aufgefordert, doch alles nicht so schwer zu nehmen: Schau einfach stets auf die Sonnenseite des Lebens! Dann fängt der Kerl auch noch an zu pfeifen und zu singen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Normalerweise würde man einem solchen Typen eine kleben, doch dem armen Brian sind gerade die Hände gebunden. (Gnädigerweise nur das, auf Nägel haben die Exekutoren verzichtet.) Und irgendwann geht es Brian wie all den anderen Gekreuzigten hier auf dem Hügel: Sie stimmen ein in den Song mit seiner fröhlichen Melodie und der in der Lage der Sänger zumindest fragwürdigen Botschaft, dass man nie vergessen solle zu lachen und zu tanzen; selbst die Sonnenseite ist hier, in der Wüste, ja alles andere als ein Sehnsuchtsort. Den unvermittelten Auftritt des Kreuzchors im Finale von „Das Leben des Brian“ jedenfalls dürfte man als eines der überraschendsten Enden der Filmgeschichte werten – würde es sich bei den Schöpfern des Werks nicht um Monty Python handeln, jene zu fünf Sechsteln britische Komikergruppe, bei denen noch jeder Dreißig-Sekunden-Sketch eine unvorhergesehene Wendung nimmt. So oder so ist es eine der berühmtesten Monty-Python-Szenen mit dem definitiv berühmtesten aller Monty-Python-Songs.

          Ein Welthit, aufgenommen im Hotelzimmer und mit Feigenschnaps

          Gesungen und geschrieben hat ihn Eric Idle, und weil im Laufe der Jahrzehnte nicht nur „Das Leben des Brian“ vom vermeintlich blasphemischen Skandalfilm zum Klassiker avancierte, sondern auch der Song immer größer geworden ist, lag es nahe, dass Idle nun auch seine Autobiographie nach ihm benannt hat: „Always Look on the Bright Side of Life“. Seit 25 Jahren lebt der Komiker in Los Angeles, wo es heller und wärmer ist als im trüben England, und dort erreichen wir ihn auch am Telefon – fast genau vierzig Jahre nach jenen Novembertagen, als er am tunesischen Filmset am Kreuz hing und für seinen Mit-Python Graham Chapman, den Brian-Darsteller, sein bittersüßes Trostlied sang. Nostalgisch denke er daran nicht zurück, verrät Idle, aber es sei schon eine interessante Erfahrung gewesen: „Es war ganz sicher keine alltägliche Filmaufnahme. Und es ist etwas abschreckend, ein Kreuz vorzufinden, auf dem dein Name steht.“

          Dass die Aufnahme so lange nachwirkt, das ist, wie wir Idles Buch entnehmen, auch dem Boukha zu verdanken, einem hochprozentigen tunesischen Feigenschnaps. Normalerweise wäre der ein Fall für Chapman gewesen; der hatte seine Python-Kollegen bei der gemeinsamen Arbeit als schwerer Trinker jahrelang an den Rand der Verzweiflung gebracht, rechtzeitig zum „Brian“-Drehstart aber den Entzug geschafft. Nein, es war der Komponist Idle, der sich, bevor er seinen Gesangspart in einem Hotelzimmer aufnahm, mit Hilfe des Boukha in jene quietschfidele Stimmung brachte, die man dem Song bis heute anhört. „Wer hätte ahnen können“, sinniert Idle, „dass dieses Lied mit diesem Gesang vierzig Jahre überdauern würde? Es ist eigentlich unvorstellbar.“

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