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Autobiographie von Eric Idle : Was hast du zu verlieren?

Je älter der Mensch wird, desto häufiger muss er sich zwingen, den Blick von der dunklen Seite des Lebens abzuwenden. Elf Jahre nach dem Dreh in Tunesien hat Eric Idle „Always Look on the Bright Side of Life“ noch einmal für Graham Chapman gesungen – auf dessen Trauerfeier. Und noch von anderen engen Weggefährten hat Idle sich verabschieden müssen: von George Harrison, Mike Nichols, Robin Williams; mit Williams’ Tod, schreibt Idle, werde er sich nie versöhnen können. Mit seinen 75 Jahren ist Idle trotzdem alles andere als ein verbitterter alter Mann. „Ich wäre immer noch gern auf den Westindischen Inseln, um Cricket zu schauen“, sagt er am Telefon. „Aber in diesem Moment bin ich ebenfalls ein sehr glücklicher Kerl: Ich habe eine wunderbare Frau, zwei Kinder, ich führe ein interessantes Leben, kann schreiben, was ich schreiben möchte – und das alles vor allem durch die Entscheidungen, die ich selbst getroffen habe. Aber statt in Rente zu gehen und zu meckern, wie es die Briten mit 65 Jahren tun, lebe ich noch immer in Amerika und arbeite.“

Das am häufigsten gewünschte Lied auf Beerdigungen

Und auch „Always Look on the Bright Side of Life“ wird er weiterhin singen. Er hat es vor der Queen getan, kostümiert als japanische Kammerzofe, und vor Prinz Charles bei einem Konzert zu dessen sechzigstem Geburtstag, als Ballerina im Tutu. Wäre es nicht mal nett, solche Auftritte nicht in alberner Verkleidung absolvieren zu müssen? „Ich denke, das gehört dazu. Ich mag es, die Leute damit zu überraschen“, sagt Idle. 2012 bei der Abschluss-Zeremonie der Olympischen Spiele von London trug er immerhin nur eine Phantasieuniform, als er vor 90.000 Gästen im Stadion und vor Hunderten Millionen Fernsehzuschauern auftrat. Es war der letzte Beweis dafür, dass der Song eine Hymne und sein Interpret eine nationale Ikone geworden ist.

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Seit 2009 ist „Always Look on the Bright Side of Life“ das am häufigsten gewünschte Stück bei britischen Beerdigungen. „Für mich ist es ein großes Kompliment, die Leute am Ende zum Kichern zu bringen, und es zeigt, dass die Briten noch unter schlimmsten Umständen lachen können“, sagt Idle, der gleichwohl staunt über die Umdeutung, die das Lied erfahren hat: „Es sollte ironisch sein. Wenn du gekreuzigt wirst, dann gibt es keine helle Seite, der du dich zuwenden kannst.“ Ganz unironisch aber singen nun Jahr für Jahr Tausende trauernde Engländer davon, dass das Leben, wir zitieren hier nur, a piece of shit sei: Du kommst aus dem Nichts, du wirst zu nichts. Was hast du zu verlieren? Gar nichts! Das ist eine recht nihilistische, auf gar keinen Fall religiöse Botschaft. Für Idle aber ist es vor allem ein großer Spaß: „Die Tatsache, dass wir sterben, macht uns komisch. Wir nehmen uns allesamt so ernst, und peng!, sind wir weg.“

Auf die unvermeidliche Frage, ob der unvermeidliche Song auch bei seiner eigenen Beerdigung laufen wird, hat Idle sich eine pointierte Standardantwort zurechtgelegt: „Ich weiß es nicht, ich werde nicht anwesend sein.“ Als dem Anlass angemessener empfindet er jedenfalls ein anderes seiner Lieder, den „Galaxy Song“ aus dem Python-Film „Der Sinn des Lebens“. Dieser Song, sagt er, sei philosophischer und besser dazu geeignet, uns aufzuheitern, denn „er erinnert uns daran, dass wir auf einem Planeten stehen – und wie außergewöhnlich es ist, sich in dieser Position zu befinden. Eine intelligente Lebensform sein zu dürfen für eine ganze Anzahl von Jahren: Das finde ich viel erhebender.“

Das Buch

Eric Idle: „Always Look on the Bright Side of Life. Eine Art Autobiografie“. Hannibal Verlag, 324 Seiten, geb., 23 Euro.

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