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Autobiographie von Eric Idle : Was hast du zu verlieren?

„Ich wäre  gern zurück in den Siebzigern“

Nur eine kleine Auswahl von Erlebnissen, die Idle in seinem Buch beschreibt: Er fliegt mit Mick Jagger auf die Westindischen Inseln, um ein Cricket-Spiel zu schauen. Er nimmt Jagger, der mit Bryan Ferrys Freundin Jerry Hall durchgebrannt ist, mit nach Barbados, damit sich das Paar dort vor der Presse verstecken kann. Er fährt mit Robin Williams und Michael J. Fox im Führungsfahrzeug der Tour de France mit. Er sitzt im Studio, während Roger Waters „Another Brick in the Wall“ einsingt. Er macht mit Art Garfunkel eine Motorradtour in der Provence und segelt mit David Bowie auf dessen Yacht durch die Karibik. Er singt mit Salman Rushdie Beatles-Songs. Er feiert eine Party mit Harrison Ford und Carrie Fisher, zu der die kompletten Rolling Stones antanzen, und kredenzt den beiden „Star Wars“-Schauspielern dermaßen viel Boukha – man erinnert sich? –, dass sie am folgenden Tag eine Szene von „Das Imperium schlägt zurück“ noch sichtlich angeschlagen drehen. Er feiert seine Hochzeit im Apartment von Paul Simon. Idle lässt es sich nicht einmal nehmen, im Buch das „Playboy“-Cover zu präsentieren, das seine spätere Ehefrau Tania ziert.

Möchten Sie, Mr Idle, dass Ihre Leser Sie hassen? „Nein“, entgegnet er lachend, „ich wäre nur einfach gern zurück in den Siebzigern.“ Und er bemüht sich, seinen illustren Freundeskreis zu relativieren: „Viele dieser Menschen wie Bowie oder Jagger stammen ebenfalls aus der Arbeiterklasse, es sind einfach sehr talentierte Leute. Und wenn du im Showgeschäft arbeitest, lernst du nun mal Leute aus dem Showgeschäft kennen. Bist du aus der Autobranche, dann Leute aus der Autobranche. Nur sind die Showbusiness-Leute ein klein wenig interessanter als die aus der Autobranche – abgesehen vielleicht von Elon Musk.“

Die achtziger und neunziger Jahre verlaufen für Idle weniger glanzvoll. Er spielt in einer Reihe schwacher Filme mit und beschließt nach den Verrissen seiner Komödie „Und ewig schleichen die Erben“, dem „Schadenfreude-Albtraum“ England den Rücken zu kehren. In Amerika blüht er neu auf und erfährt 2005 späte Genugtuung, als das von ihm und John Du Prez konzipierte Musical „Spamalot“, das inspiriert ist von den „Rittern der Kokosnuss“, ein gewaltiger Broadway-Erfolg und mit dem Tony ausgezeichnet wird.

Von Verbitterung keine Spur

Daneben reüssiert der geschäftstüchtige Idle seit langem als eine Art inoffizieller Manager von Monty Python. Bei den in Windeseile ausverkauften Reunion-Shows in London, zu denen die fünf noch lebenden Pythons 2014 zusammenkamen, hat er Regie geführt.

Während John Cleese in seiner Autobiographie dem einen oder anderen Gefährten eins mitgab, verliert Idle kein böses Wort über die anderen. „In meinem Alter ist es angemessen, weise und versöhnlich zu sein“, sagt er. „Im kommenden Jahr feiert Monty Python fünfzigjähriges Bestehen, das ist eine extrem lange Zeitspanne. Wir haben nebeneinander am Kreuz gehangen, komische Sachen geschrieben und einander zum Lachen gebracht. Das ist eine sehr schöne Sache, auf die man zurückblicken kann.“

Ein weiteres Comeback wird es nicht geben. Bei Terry Jones, der 2014 schon damit kämpfte, sich seinen Text zu merken, wurde kurz darauf Demenz diagnostiziert. „Es geht ihm nicht gut, er kann nicht mehr sprechen“, sagt Idle. „Er wird rund um die Uhr betreut. Michael Palin sieht ihn noch regelmäßig und wir anderen auch, aber er ist nicht mehr wirklich bei uns. Er ist auf einer Reise, von der niemand zurückkehrt.“

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