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Autobiographie von Eric Idle : Was hast du zu verlieren?

Fragt man Menschen, ob sie die Namen der sechs Monty-Python-Männer zusammenkriegen, dann wird Eric Idle in der Regel erst an zweiter, dritter oder vierter Stelle genannt, nach John Cleese, dem unbestrittenen Star der Gruppe, oder auch nach Terry Gilliam, dem einzigen Amerikaner und großen Hollywood-Exzentriker. Für die Breitenwirkung und den langanhaltenden Erfolg Monty Pythons aber ist Idles Rolle essentiell. Der zweitjüngste Python war das Bindeglied der Akademikertruppe zur jugendbewegten Popkultur, er brachte nicht nur das musikalische Element, sondern auch einen zeitgeistigen, mitunter schlüpfrigen Humor ein. Und Idles guten Kontakten in die Popwelt hatte Monty Python es letztlich zu verdanken, dass „Das Leben des Brian“ überhaupt entstehen konnte: Sein enger Freund George Harrison hatte, um die Finanzierung des Projekts zu retten, sein hochherrschaftliches Anwesen belastet.

Der Nachname ist nicht Programm

Den ehemaligen Beatle hatte Idle bei der Vorführung des Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“ kennengelernt, bei der Harrison ihm vorschlug, im Projektorraum einen Joint zu rauchen. Es entwickelte sich eine innige Freundschaft zwischen zwei Männern, die das nicht immer leichte Los teilten, Teil einer berühmten Gruppe zu sein: „Wie war John denn so?“ – „Wie war es so mit deinem John?“ Mit Harrison hatte Idle überdies nicht nur das Geburtsjahr 1943 gemein, sondern die Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen. In seinen jungen Jahren hatte der Komiker lange genug auf die dunkle Seite des Lebens blicken müssen.

Als er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu seiner Familie zurückkehren wollte, starb Idles Vater, ein Soldat, nach einem Autounfall, genau an Heiligabend; der kleine Eric war da keine drei Jahre alt. Weihnachten, schreibt Idle nun in seinem Buch, sei daheim folglich „nie so der ganz große Spaß“ gewesen. Die Mutter litt zeitweilig an Depressionen, und Eric landete im Alter von sieben in einem Internat, wo er „ein von körperlichem Missbrauch, Schikanen und Strenge bestimmtes Milieu“ erlebte. Sein Familienname machte die Lage nicht einfacher, denn Idle, schreibt er selbst, bedeutet „faul, träge, eitel. Unbrauchbar.“ In seiner langen Karriere hat Idle hart und erfolgreich daran gearbeitet, diesen Namen Lügen zu strafen; allein ein gewisses Maß an Eitelkeit kann man ihm, wie freilich vielen in der Unterhaltungsbranche, schwerlich absprechen.

Vom Glück, eine intelligente Lebensform sein zu dürfen: Eric Idle im September in Kalifornien.

Mit dem Fernsehfilm „The Rutles“ hat Eric Idle 1978 die ultimative Beatles-Satire produziert, in der er einen phantastisch schnöseligen McCartney-Klon gibt. Wäre Idle selbst gern ein Rockstar geworden, so wie sein Freund George? Vom Talent, dem Aussehen und der Stimme her hätte das im Bereich des Möglichen gelegen. Idle selbst glaubt das nicht; zum einen habe er auf der Gitarre stets nur Jazz- und keine Rock-Akkorde gespielt, zum anderen habe ihn dieser Weg gar nicht interessiert. Stattdessen ging er mit Anfang zwanzig zum Fernsehen, lernte dort nach und nach seine späteren Python-Kumpel kennen und startete mit ihnen 1969 die Show „Monty Python’s Flying Circus“, deren Erfolgsrezept er wie folgt beschreibt: „Wir wussten nicht, was wir taten, bestanden aber darauf, es zu tun.“ Und obzwar Eric Idle selbst kein Rockstar war, ermöglichte es ihm der Python-Ruhm, das Leben eines Rockstars zu führen.

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