https://www.faz.net/-gum-72y0g

Model Johannes Hübl : Ein Mann fürs 360-Grad-Video

Allein in Manhattan: Johannes Hübl in SoHo Bild: Helmut Fricke

Männer-Model Johannes Hübl spricht im F.A.Z.-Interview über seine Arbeit, Shootings in Zeiten des Sparens, seine neue Karriere als Fotograf und nervige Paparazzi.

          Hotel Crosby an der Crosby Street, das kann man sich merken. Johannes Hübl, der in Brooklyn lebt, mit Blick auf Manhattan, ist schon da. Er ist oft in der Stadt. Aber auf der New Yorker Modewoche ist er gar nicht so oft zu sehen. Auftritte in der ersten Reihe überlässt er seiner Freundin Olivia Palermo, die als Model, Bloggerin und Socialite in der Szene unterwegs ist. Er geht nicht immer mit.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          „Ich müsste schon eine echte Verbindung zum Designer haben, damit meine Integrität gewahrt bleibt.“

          Integrität! Dieser Mann redet nicht einfach so daher. Er überlegt sich, was er macht und sagt. Zu Marchesa zum Beispiel ist er mal mitgekommen, weil die beiden mit Designerin Georgina Chapman, der Frau von Harvey Weinstein, privat bekannt sind. Ansonsten scheint er nicht ins Rampenlicht zu drängen. Ohnehin muss er in dieser Woche viel arbeiten. Während der Schauen ist der Modebetrieb zwar lahmgelegt. Aber die Katalogarbeit zum Beispiel für die Department Stores Neiman Marcus, Barneys oder Bergdorf Goodman geht weiter.

          Er fährt meist Fahrrad

          Nach der Schauensaison beginnt dann die Arbeit an den Kampagnen. Die Anzeigen für Donna Karan zum Beispiel, in denen er gerade zu sehen ist, wurden nach den Schauen im April fotografiert. Dem Donna-Karan-Werbefilm entgeht man nicht in New York, weil er dauernd auf den Bildschirmen im Taxi läuft. Hübl hat davon gehört. Gesehen hat er es noch nicht - er fährt meist Fahrrad. Und wie ist das nun bei solchen Shootings? Was er auf den Werbefotos trägt, das stammt doch aus der Schauenkollektion?

          „Ja, die Kleidungsstücke kommen quasi direkt vom Laufsteg, sind also gedacht für die sehr jungen und manchmal sehr schmalen Männer-Models. Ich bin jetzt 34 Jahre alt und habe Kleidergröße 48, während auf dem Laufsteg Größe 46 die ,sample size‘ ist. Also ist bei den Shootings immer eine Schneiderin dabei, die das Hemd hinten aufschlitzen kann. Oder die zum Beispiel die Ärmel absteckt, weil die Jacketts meistens nicht so gut anliegen. Ich darf also gar nicht so viel Sport machen, um nicht mehr Muskeln zu bekommen. Aber ich spiele zum Beispiel Tennis und Basketball und laufe am East River entlang. Leider habe ich so viel zu tun, dass ich es in den letzten drei Wochen nicht mal ins Fitnessstudio in unserem Haus geschafft habe, obwohl ich nur in den Aufzug steigen und in die 13. Etage hochfahren müsste.“

          Zu zweit in Hamburg: Hübl mit Freundin Olivia Palermo

          Er ist jetzt die Hälfte seines Lebens im Geschäft, eine in der Modelszene unglaublich lange Zeit. Mehr als in redaktionellen Modestrecken ist er auf Werbeaufnahmen zu sehen. Aber klassische Werbung für Cornflakes oder Milch macht er nicht. Mercedes-Benz ist sein einziger Nicht-Mode-Kunde. Er sucht sich die Aufträge schon genau aus. Bevor wir das Thema allzu lange rausschieben, fangen wir gleich mal mit den Model-Klischees an. Sind die eigentlich wirklich alle dumm, magersüchtig und feierfreudig? Er lacht - und antwortet dann analytisch kühl.

          „Die formale Ausbildung kommt bei weiblichen, jüngeren Models vielleicht manchmal zu kurz. Manche haben nicht mal einen Schulabschluss. Als Mann hat man es auch da etwas leichter, weil man problemlos nach der Schule mit dem Job anfangen und länger arbeiten kann. Magersucht ist vielleicht auch eher bei Frauen ein Thema. Deswegen finde ich die ,Vogue‘-Aktion auch notwendig, nicht zu junge und nicht zu dünne Mädchen auszusuchen. Meine Agentur Promod achtet glücklicherweise sehr darauf. Und was das Glamour-Leben angeht: Wenn es so wild wäre! Am glamourösesten sind noch die Partys zur Modewoche.“

          Weitere Themen

          Sex after Cigarettes

          Kolumne „Bild der Woche“ : Sex after Cigarettes

          Eine Intimität, die mir aufgezwungen wird: Als Warnung, als Antiwerbung. Über den nackten Mann von der Zigarettenpackung – und die Illusion, dass man unsterblich wird, wenn man nur aufhört zu rauchen.

          Topmeldungen

          Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.