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Filme von Bau der Tesla-Fabrik : Mit dem Segen von Elon Musk

  • -Aktualisiert am

Überflieger: Dank seiner Drohne behält Silas Heineken auf dem Tesla-Baugelände in Grünheide den Überblick. Bild: dpa

Der 13 Jahre alte Silas Heineken filmt den Bau der Tesla-Fabrik. Dem Wachpersonal der Fabrik war das sauer aufgestoßen. Aber Elon Musk hat nichts dagegen.

          3 Min.

          Es braucht nur drei Klicks auf den Touchscreen, und die Kameradrohne von Silas Heineken leuchtet auf und ist startbereit. Mit einem leisen Surren steigt sie senkrecht von der Wiese in den neblig-grauen Himmel auf. Es ist acht Uhr morgens im brandenburgischen Grünheide. Vor dem Dreizehnjährigen erstreckt sich die Baustelle für die geplante Tesla-Fabrik. Man sieht Lastwagen und Bagger hin und her fahren, aber das Gelände ist so groß, dass man es aus dieser Höhe gar nicht vollständig erfassen kann.

          Von oben ist das anders. Heineken steuert seine Drohne über das Areal unmittelbar neben der Autobahn 10. Sein Blick ist konzentriert auf den Bildschirm seines Controllers gerichtet. Er sieht in Echtzeit, was die Drohne filmt. Das Grundstück, auf dem die Fabrik entstehen soll, dehnt sich über 300 Hektar aus – Silas Heineken kann es jetzt ganz überblicken. Richtung und Höhe der Drohne kontrolliert er mit zwei Joysticks. Seine Mission: den Baufortschritt für seine Youtube-Fangemeinde zu dokumentieren. Unter dem Pseudonym „TeslaKid Grünheide“ veröffentlicht er zweimal in der Woche aufwendig produzierte Videos seiner Drohnenflüge, die mit instrumentaler Musik unterlegt sind – im Auftrag von Tesla-Chef Elon Musk persönlich.

          Als Silas Heineken im Februar zum ersten Mal seine Drohne aufsteigen ließ, machte er sich wenig Gedanken um Überflugrechte. In kurzen Videos filmte er regelmäßig, was sich auf der Baustelle tat. Immer mehr Tesla-Fans aus aller Welt waren begeistert. Doch nach einem Monat musste er schlechte Nachrichten verkünden. Dem Wachpersonal der Fabrik waren die Aktivitäten des Dreizehnjährigen sauer aufgestoßen. Sie alarmierten die Polizei wegen Hausfriedensbruchs. Ohne offizielle Genehmigung von Tesla dürfe er nicht mehr über das Gelände der Baustelle fliegen, teilte man ihm mit. „Ich hatte dann zwei Möglichkeiten“, sagt Heineken, „entweder ist jetzt Schluss, oder ich mache das öffentlich.“ Er entschied sich für das Veröffentlichen, erzählte seinen rund 12.000 Fans auf Youtube, was passiert war, und bat um Hilfe. Eine Erlaubnis von Tesla zu organisieren, das sollte doch möglich sein.

          Das amerikanische Unternehmen ließ sich nicht zweimal bitten. Der Youtube-Kanal „Now You Know“, der oft über Tesla-Themen berichtet, griff Heinekens Fall auf. Am 7. April luden die Moderatoren, Zac und Jesse Cataldo, ein Video hoch, in dem sie direkt an Elon Musk appellierten: „Lassen Sie das Kind fliegen.“ Die Plattform „Third Row Podcast“ veröffentlichte den Clip auf Twitter und stilisierte Heinekens Begegnung mit der Polizei noch zu einer Beinahe-Verhaftung hoch, um auch wirklich Elon Musks Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur wenig später kam tatsächlich eine Antwort vom Tesla-Chef persönlich: „Fine by me“, twitterte er: passt für mich. Silas Heineken erinnert sich noch genau an diesen Moment. Es war spät nachts, als sein Handy dank zahlreicher Nachrichten dauerklingelte. „Als ich dann Musks Tweet gesehen habe, war ich mega euphorisch und richtig glücklich.“

          „Für einen Dreizehnjährigen ein Traum“

          Seitdem lässt Silas Heineken immer wieder seine Drohne aufsteigen und filmt, wie sich Bagger, Kräne und Lastwagen auf der Baustelle bewegen. Auf seinem Controller sieht es aus wie auf einer Spielzeuglandschaft mit lauter kleinen Figuren. Er weiß genau, was ihm die Kamera der Drohne aus 50 Metern Höhe zeigt. „In dem Bereich hier“, sagt er und zeigt auf einen großen Teil der Baustelle, „waren vergangene Woche noch Hügel.“ Jetzt ist er eingeebnet. Der Bau schreite so schnell fort, dass er manchmal gar nicht wisse, wie das eigentlich gehe.

          Das kalifornische Unternehmen legt ein hohes Tempo vor. Tesla will in Grünheide von nächstem Jahr an 500.000 Autos im Jahr bauen. Mehr als 12.000 Arbeitsplätze sollen dafür in der strukturschwachen Region geschaffen werden. Die Bauaktivitäten verlaufen bisher allerdings auf eigenes Risiko, denn Tesla hat vorerst nur eine vorgezogene Genehmigung bekommen, die endgültige steht noch aus. Gegen den ursprünglichen Bauantrag reichten Bürgerinitiativen insgesamt 370 Einwände ein, unter anderem wegen Umweltbedenken. Vor allem der hohe Wasserverbrauch der Fabrik bereitet vielen Sorge. Nach Angaben des brandenburgischen Umweltministeriums reichte Tesla am Mittwoch vergangener Woche einen überarbeiteten Antrag ein, in dem ein reduzierter Wasserverbrauch ausgewiesen wurde. Laut Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) erhöht das die Genehmigungsfähigkeit des Projekts. Der Rohbau könnte schon im September stehen.

          Silas Heineken weiß bei all den Kontroversen zu differenzieren. Wenn es um die Umweltbedenken gegen die Fabrik geht, will er Tesla auf keinen Fall einen Blankoscheck ausstellen. Doch sein Versuch, mit den Gegnern ins Gespräch zu kommen, sei gescheitert: „Zu den Demos kommen teilweise Leute, die einfach protestieren, um gegen etwas zu sein.“

          Silas Heineken lenkt seine Drohne wieder zurück. Der schwarze Punkt am Himmel wird größer, das Surren wird lauter. Sein Blick wechselt zwischen Controller und Drohne hin und her. Langsam sinkt sie nach unten und setzt vor ihm auf. Insgesamt dauert ein Rundflug eineinhalb Stunden. Einschließlich Bearbeitung des Materials investiert er pro Video sechs bis sieben Stunden. Die schulischen Leistungen leiden darunter natürlich etwas, doch das kümmert ihn wenig. Elon Musk oder Steve Jobs seien ja schließlich auch keine Genies in der Schule gewesen.

          Sein Youtube-Kanal beschert ihm mittlerweile monatlich einen mittleren dreistelligen Betrag. „Da hat sich eine Summe angesammelt, die ist für einen Dreizehnjährigen ein Traum.“ Was er mit dem Geld anfängt, weiß er noch nicht. Bis er seinen Führerschein machen darf, dauert es zwar noch ein bisschen, doch Silas Heineken weiß schon jetzt, welches Auto er danach gerne fahren würde: ein Model Y von Tesla. Vielleicht sogar eines, das in Grünheide vom Band rollt. Gut möglich, dass die Einnahmen von seinen Luftaufnahmen ihm das am Ende ermöglichen.

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