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Mike Krüger im Gespräch : „Ich neige wohl zum Verdrängen“

„Als Komiker ist es sehr hilfreich, wenn man irgendein Merkmal hat, das erstens komisch ist und an das sich zweitens jeder sofort erinnert“: Mike Krüger, Charakterkopf. Bild: Henning Bode

Mike Krüger hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Ein Gespräch über wahre Liebe und böse Kritik, Alkohol im Showbusiness und sein unverwechselbares Äußeres.

          7 Min.

          Ihr Buch heißt „Mein Gott, Walther“, nach Ihrem Hit von 1975. Ist Ihnen nichts Neueres eingefallen?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch, aber das war der Lieblingstitel meines Verlages. Ich habe ja viele Werber in meiner Familie – meine Tochter, mein Schwiegersohn – und mich auch selbst viel mit Werbung beschäftigt, und ich weiß natürlich, was der Zweck hinter dieser Überschrift ist.

          „Walther“ schrieben Sie mit 15. Warum schreibt man mit 15 so ein Lied?

          So ein trauriges?

          Ein bisschen traurig ist es ja schon, zumindest die Melodie.

          Ich war damals eher gelangweilt. Ich war mit meinen Eltern im Urlaub in Garmisch-Partenkirchen und hatte gerade angefangen, Gitarre zu lernen. Deshalb hatte das Lied nur zwei Griffe, A-Moll und G. Ich weiß nicht, ob der Song heute bei mir noch Bestand hätte.

          Walther behauptet, unter den Kleineren einer der Größten zu sein. Ist Mike Krüger, rein künstlerisch, einer der Größten unter den Kleinen oder ein Kleinerer unter den Großen?

          Die Formulierung „einer der Größeren unter den Kleinen“ gefällt mir persönlich besser, weil es optimistischer klingt.

          Mit „Walther“ sind Sie praktisch über Nacht berühmt geworden. Was hat sich damit für Sie verändert?

          Das hat mein ganzes Leben verändert. Durch den großen Erfolg der LP habe ich überhaupt in Erwägung gezogen, ins Showgeschäft zu gehen. Ich wollte damit ja nicht Komiker oder Star werden, sondern mein Studium finanzieren und es in den Semesterferien angenehmer haben, als auf dem Bau zu arbeiten. Wenn ich von der LP statt 800.000 Stück 100.000 verkauft hätte, wäre ich heute, denke ich mal, Architekt.

          Vor dem Interview habe ich nochmal in Ihre Platte „Der Nippel“ von 1980 reingehört, die ich als Kind besaß, aber sicher dreißig Jahre nicht gehört habe. Ich habe festgestellt, dass ich viele Texte noch auswendig kannte, und mich ein bisschen erschreckt.

          (Lacht) Warum? Über Ihr tolles Gedächtnis?

          Darüber, dass ein Teil des Hirns jahrzehntelang damit belegt ist, dass die Ente Didi heißt und der Papa einen Schniedi hat. Das ist ja nicht unbedingt lebensnotwendig.

          Ja, aber dann hat der, der das Lied geschrieben hat, eine Menge richtig gemacht. Das war das Lied „Meine Tochter lernt jetzt sprechen“, wo ich aufgegriffen habe, dass viele Menschen vor dem Kinderwagen meiner neugeborenen Tochter stehen blieben und nicht normal mit ihr sprachen, sondern in einer Babysprache: „Didi, dudu, dada.“ Meine Tochter fand das Lied, nachdem sie es verstanden hatte, sehr lustig.

          Vieler Ihrer Werke finden sich heute bei Youtube. Unter einem Clip von 1984, in dem Sie mit gelbem Helm „Bodo mit dem Bagger“ singen, wirft ein Kommentator die Frage auf: „Haben die Menschen damals zu viele oder zu wenige Drogen genommen?“ Sie sollten das beantworten können.

          Das Lied hatte mit Drogen nichts zu tun. Ich möchte jetzt nicht sagen, es sei eines meiner intellektuell anspruchsvolleren Werke. Es ist eher aus reim- und silbentechnischer Form entstanden, im Vordergrund standen die Zeilen: „Wer baggert da so spät noch am Baggerloch? Das ist Bodo mit dem Bagger und der baggert noch.“

          Drogen waren nicht Ihr Thema. Im Buch beschreiben Sie aber den enormen Alkoholkonsum in der Showbranche der Siebziger und Achtziger.

          Das hat sich zum Glück sehr gewandelt. Heute haben die Menschen eine ganz andere Einstellung zu ihrer Gesundheit, und im Hotel gibt es Wasser-Sommeliers, zu denen man sagt: Könnten Sie mir eines Ihrer 24 Wasser erläutern? Da hätte man sich in den Siebzigern an den Kopf gefasst. Wenn man damals zu einer Sitzung der Schallplattenfirma kam, war es üblich, dass man gefragt wurde: Wer möchte Wein? Whisky? Cognac? Eric Clapton hat in den Siebzigern ganz viele Konzerte im Liegen gespielt, weil er einfach nicht mehr stehen konnte. Das war aber nicht schlimm, weil’s dem Publikum ähnlich ging.

          Was hat Sie davor bewahrt, im Liegen zu spielen?

          Comedy lebt ja davon, dass man die Leute schnell in den Griff kriegt, indem man lustige Geschichten erzählt. Wenn man da nicht bei klarem Verstand ist, dann wird das ganz schwierig.

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