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Middleton trägt Teekleider : Ein Modetrend zum Grenzensetzen

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Die Designerin Lena Hoschek aus Wien zeigte im Juli auf der Berliner Fashion Week neben Tea-Dresses auch knielange, mit leuchtend gelben Bananenstauden bedruckte Blusenkleider. Hoschek ist für einen von den vierziger und fünfziger Jahren inspirierten Stil und die Betonung weiblicher Kurven bekannt. „Die Sanduhr-Silhouette ist einfach die schmeichelhafteste für Frauen, und das in jeder Größe“, findet Hoschek, die ihr Label 2005 gründete.

Bequem und schön kein Widerspruch

Dass sie sich mit ihren Entwürfen, die den Körper eher umschmeicheln als ihn zur Schau zu stellen, mit jeder Saison in größerer Gesellschaft befindet, überrascht die Designerin nicht. „Dass bequeme Mode durchaus schön sein kann, lange Kleider auch zu Turnschuhen gut aussehen können und High-Fashion auch auf der Straße getragen werden kann, haben der breiten Masse vor allem Bloggerinnen gezeigt.

Wer tagsüber ein langes Kleid trägt, wird schon lange nicht mehr schief angeschaut. Heute ist modisch alles möglich. Und das ist wunderbar.“ Frauen fühlten sich von diesem Stil weniger unter Druck gesetzt, den eigenen Körper ständig auf Minirock-Tauglichkeit zu konditionieren. Und Männer gefalle die klassische Silhouette auch noch. „Das ist ja nicht bei jedem Mode-Phänomen der Fall“, sagt Hoschek und lacht.

Stellt der Körper nicht zur Schau: Kleid von Lena Hoschek

Auch Steffen Schraut setzt nicht erst seit dieser Saison auf Midi statt Mini. „Meine Kundinnen möchten city- und bürotaugliche Kleider, mit denen sie abends auch noch auf eine Party gehen können“, sagt der Designer, der seine Entwürfe grundsätzlich von Größe 34 bis 46 produzieren lässt – und sie am liebsten an Frauen aller Altersklassen sieht.

„Das Alter wird zu einer immer unwichtigeren Kategorie, die Grenzen sind heute fließend“, findet Schraut. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wirkt der aktuelle Trend, der Schultern, Oberarme und Oberschenkel ganz nonchalant verhüllt, wie eine textilgewordene Win-win-Situation: Die Anbieter erweitern ihre Zielgruppe, Kundinnen jenseits der sechzig haben endlich mehr Auswahl, Mütter und Töchter können Kleider tauschen.

Geadelte Tee-Kleider

Hemdblusen- und Teekleider erobern vehement die sommerlichen Straßen, da können Modemagazine sie noch so oft augenzwinkernd als „Spießer-Kleider“ und „Granny-Look“ bezeichnen. Kein Wunder, gilt doch ein Hauch von Vintage spätestens seit Kate Moss ganz offiziell als cool. Sie war es, die 2007 den Begriff des Tea-Dresses langsam ins öffentliche Bewusstsein zurückholte, als sie für die britische Kette Topshop eine Kollektion entwarf. Zu der gehörte auch eine ultrakurze Variante des Teekleides. Doch den Weg für die aktuelle Wiederbelebung der Silhouette und der Midi-Länge bahnte eine andere Kate: die Herzogin von Cambridge.

Was Kate Middleton trägt, ist innerhalb von Minuten ausverkauft. Der sogenannte „Kate-Effekt“ ist auch deshalb so groß, weil die Herzogin sich oft in Kleidern zeigt, die in ein ganz bürgerliches Budget passen. So wie das blau-weiß gestreifte Midi-Kleid mit Knopfleiste, Gürtel und kurzen Flatterärmeln von Zara, das sie im Juni bei einem Polo-Turnier trug. Und so wie das gepunktete Kleid mit Dreiviertelärmeln des britischen Online-Shops Asos für rund 50 Euro. Mit rund 540 Euro war ihr grünes, mit weißen Blumen übersätes Teekleid des britischen Labels Suzannah teurer, dafür trug Kate es allein im Jahr 2014 immerhin bei drei Anlässen.

Mit Grenzen Souveränität ausstrahlen

Zum femininen, aber nie aufreizenden, die Etikette wahrenden und immer auch ein bisschen pragmatisch anmutenden Stil der mittlerweile dreifachen Mutter gehören Blusen- und Teekleider so selbstverständlich wie die stets perfekt geföhnte Haarpracht. Bei der Begrüßung von Staatsoberhäuptern kann eine zukünftige Königin schließlich nicht Spaghetti-Träger oder Miniröcke zurechtzupfen.

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