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Mickie Krause im Gespräch : „Findet ihr mich peinlich?“

Wie erklären Sie Ihren Kindern, was genau Sie beruflich machen?

Meine Kinder sind ja mit dem, was ich mache, groß geworden. Wir wohnen sehr ländlich, und die Menschen im Dorf kennen mich seit meiner Kindheit, dort lässt man uns in Ruhe. Die Kinder werden vielleicht mal in der Schule gefragt: Sag mal, bist du die Tochter von Mickie Krause? Ich sage immer: Antwortet einfach, den kennt ihr gar nicht, dann habt ihr eure Ruhe.

„Den kennt ihr gar nicht“: Mickie Krauses Ratschlag an seine Kinder
„Den kennt ihr gar nicht“: Mickie Krauses Ratschlag an seine Kinder : Bild: dpa

Was wäre, wenn Ihre Kinder eins Ihrer Konzerte besuchen wollen?

Ich wäre glücklich, wenn sie mal ein bisschen Interesse zeigen würden! Ich bin vor einigen Wochen im „Megapark“ aufgetreten, um 17 Uhr, und habe gefragt: Wollt ihr mit? Die Große wollte. Die anderen haben gesagt: Was soll ich da, ich kenn ja deine Lieder.

Spätestens in der Teenagerzeit sind vielen Kindern ihre Eltern peinlich. Wie ist das bei Ihnen?

Ich habe vor dem Interview extra meine Kinder gefragt: Findet ihr mich peinlich? Sie sagten: Nee, warum? Aber das kann natürlich irgendwann kommen.

Und wie finden Ihre Eltern das, was ihr Sohn macht?

Meine Eltern waren lange skeptisch. Ich habe zwei grundsolide Ausbildungen hinter mir, habe Filmstoffdrucker gelernt und Jugend- und Heimerzieher. Mein Vater hat immer gesagt: Bleib doch im Jugenddorf, da weißt du, was du hast. Irgendwann konnte ich meine Eltern doch überzeugen, dass das, was ich mache, das Richtige ist. Aber sie waren natürlich nicht immer einverstanden mit den Titeln, die ich gesungen habe. Bei „Geh doch zu Hause, du alte Scheiße“ sagte mein Vater: Mann, ab und zu muss man sich ja schon dafür schämen, was du da singst. Er ist achtzig und steht halt auf Schlager von den Amigos oder Andy Borg, Herzschmerz und Sülze. Mit „Schatzi, schenk mir ein Foto“ konnte ich meine Eltern das erste Mal wirklich überzeugen. Ich hatte sie aber auch mal mit ins „Riu Palace“ genommen, wo meinem Vater bewusst wurde, dass zweieinhalbtausend Leute zu meiner Musik abfeiern.

Sie haben den frühen Mickie Krause mal den „Schmuddelsänger von 1998“ genannt. Ohne die Schmuddelsongs von 1998 wäre aber auch Ihr Konzertpublikum von heute unzufrieden.

Ich habe gepostet, welche Songs ich zuletzt im „Riu Palace“ gesungen habe, und ganz viele Leute schrieben: Du hast die „Zehn nackten Friseusen“ nicht gesungen. Doch man muss sich verändern, sich musikalisch weiterentwickeln.

Kennen die Kinder die Texte Ihrer derberen Lieder?

Sie kennen „Geh doch zu Hause, du alte Scheiße“ und „Geh mal Bier holen“, aber die älteren Alben interessieren die Kinder nicht so. Denen sind diese Doppeldeutigkeiten zum Teil auch gar nicht bewusst.

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„Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“: Muss man humorlos sein, um das chauvinistisch zu finden?

Ich glaube schon. Ich finde die Nummer sensationell, es ist ein Spruch, der auf T-Shirts steht. Wir wollen damit niemanden verletzen.

Ist Ihnen gar kein Lied im Nachhinein peinlich?

Nein, mir ist generell nichts peinlich. Aus dem Alter bin ich raus.

Reden Sie mit Ihren Kindern über das Thema Alkohol?

Nein. Dazu haben meine Kinder noch überhaupt keinen Bezug.

Und was würden Sie in so einer Situation machen? Ihnen sagen: Sauft bloß nicht so viel wie meine Zuschauer?

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