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Michelle Obamas Podcast : „Ich möchte für meine Töchter ein Land, in dem jeder respektiert wird“

Michelle Obama hat seit Mittwoch einen eigenen Podcast bei Spotify Bild: dpa

Die ehemalige First Lady hat einen eigenen Podcast. Für die erste Folge lud Michelle ihren Ehemann Barack Obama zum Gespräch. Es ging darum, was in Amerikas Gesellschaft verkehrt läuft. Auch ein kleiner Seitenhieb auf Trump blieb nicht aus.

          3 Min.

          Als Michelle Obama 2017 nach acht Jahren das Weiße Haus an der Seite ihres Mannes verließ, waren viele gespannt, was wohl aus dieser First Lady werden würde. Seither hat sie ein Buch geschrieben (bislang rund zehn Millionen verkaufte Exemplare), sich auf der Buchtour von einem Dokumentarfilmteam begleiten lassen (der Film läuft auf Netflix) und seit dem heutigen Mittwoch hat sie einen eigenen Podcast auf Spotify.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          In der ersten Folge kündigt sie an, dass persönliche Gespräche im Mittelpunkt stehen sollen. Die Mutter, der Bruder, Freunde und ehemalige Kolleginnen und Kollegen sollen zu Wort kommen. Die Gesprächsreihe eröffnete sie mit ihrem Ehemann Barack Obama. Als Themen stehen Beziehungen und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Das wird politisch, jedoch auf eine Art, die man in den vergangenen drei Jahren fast vergessen hat. Es fallen keine lauten Parolen und wenig Sätze, die in einen Tweet passen. Stattdessen führen Michelle und Barack Obama ein ruhiges Gespräch über ihre Kindheit, ihren Weg bis ins Weiße Haus und analysieren anhand eigener Beobachtungen, wie sich Gemeinschaft und die Idee einer Gesellschaft in Amerika verändert hat.

          „Meine Familie war arm“, sagt Michelle Obama und erzählt davon, wie sie als Kind von einem Haus träumte, das so groß ist, dass es sogar eine Treppe hat, die in ein weiteres Stockwerk führt – wie in den beliebten Fernsehserien jener Jahre. „Meine Eltern hatten diskutiert, ob wir einen Kredit für ein Haus in einem Vorort von Chicago aufnehmen sollten, doch mein Vater war dagegen, denn wenn er monatlich die Raten hätte zahlen müssen, wäre kein Geld für unser Studium übrig gewesen.“ Die Familie blieb in Chicago.

          Barack Obama führte seine politische Laufbahn später auch in das Viertel, in dem seine Frau aufwuchs. „Als ich nach Chicago zog, habe ich den ersten Monat nur damit verbracht, mich mit den Leuten zu unterhalten. Sie erzählten mir, dass früher die gesamte Nachbarschaft Kinder gemeinsam aufgezogen und aufeinander aufgepasst hatte. Fast wie ein Dorf“, erzählt er im Podcast und bedauert dann, dass sich der Fokus der Gesellschaft weg von der Gemeinschaft hin auf die Einzelperson verschoben habe. „Jeder denkt nur an sich selbst. Die Trennung der Gesellschaft verläuft heute nicht nur entlang der Hautfarbe, sie verläuft vor allem auf einer ökonomischen Ebene.“

          „Besessen von Konsum“

          In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren habe sich diese Veränderung in Amerika vollzogen. „Wir sind viel mehr besessen von Konsum und kümmern uns weniger um unsere Beziehungen und Familien. Als Bürger haben wir da etwas verloren“, so Obama. Seine Frau führt den Gedanken fort: „Bei Gesprächen mit jungen Müttern werde ich oft gefragt, wie man es schafft, alles zu haben. Dieser Gedanke, dass man alles haben könne, ohne Opfer bringen zu müssen, der erschreckt mich. Wir bringen den jungen Menschen bei, dass etwas in ihrem Leben verkehrt liefe, wenn sie nicht alles haben.“ Dies führe zu einer Kultur, in der jeder sich selbst der nächste sei. „Jeder gegen jeden. Wir gegen die anderen.“

          Entspanntes Gespräch: Barack und Michelle Obama bei der Aufnahme des Podcasts.
          Entspanntes Gespräch: Barack und Michelle Obama bei der Aufnahme des Podcasts. : Bild: Spotify

          Barack Obama pflichtet ihr bei: „Wir sind permanent besorgt darüber, wie wir dastehen werden. Das spiegelt sich auch in unserer Politik wieder, die dreht sich darum: Wie kann ich mich schützen, wie kann ich mein Eigentum vor „den anderen“ schützen.“ Die Kritik an der „America First“-Politik Donald Trumps hängt kurz im Raum, wird jedoch nicht explizit angesprochen. So wie der Name des amtierenden Präsidenten generell nicht fällt.  

          Michelle Obama hat einmal bei einer Veranstaltung gesagt, dass man sich niemals auf das niedrige Niveau eines Gegners begeben sollte („When they go low, we go high“). Den einzigen winzigen Seitenhieb, den sie sich erlaubt, verpackt sie daher als Kompliment an ihren Mann: „Du als früherer Präsident, der viel liest und sich mit Geschichte auskennt … Vielleicht lassen wir das mal kurz sacken …“

          Die Folge endet nach gut 45 Minuten. Am Ende drückt Barack Obama seine optimistischen Erwartungen an die junge Generation aus, die derzeit auf die Straße geht. „Wir leben nicht mehr in unseren abgeschlossenen Nachbarschaften, sondern in einer Welt, die immer kleiner wird. Da kann man entweder mit dem Nachbarn Krieg beginnen oder begreifen, dass wir alle gleich sind. Wir brauchen einander und müssen zusammenarbeiten.“

          Neben einem Aufruf, sich aktiv an den kommenden Wahlen zu beteiligen, schließt Barack Obama mit einem Satz, der seinen früheren „Yes we can“-Optimismus durchscheinen lässt: „Das Erbe, das wir (unseren Töchtern) Malia und Sasha hinterlassen wollen, ist in einem Land leben zu können, in dem jeder respektiert wird und man sich umeinander kümmert. Ein Land, das jede und jeden feiert und anerkennt.“

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