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Autor Michael Nast : Woher rührt die Begeisterung für diesen Mann?

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Aber was ist das Erfolgsrezept des Ur-Berliners? Sein Buch wurde zum Bestseller, kleine Lesungen wurden zu Auftritten mit Konzertcharakter. Aus Südkorea und der Tschechischen Republik fragten Verlage schon im ersten Monat nach Erscheinen nach Lizenzen. Dabei enthält „Generation Beziehungsunfähig“, das im Februar herauskam, keine neuen Weisheiten. Michael Nast gibt längst bekannten Figuren neue Namen. Der Plot bleibt gleich: Früher war alles anders. Trotzdem feiert die Generation Y den Mann wie ihre Mütter in den Neunzigern Carry Bradshaw.

Mit seinen Kolumnen über die Liebe und das Leben trifft Michael Nast den Nerv der Zeit.
Mit seinen Kolumnen über die Liebe und das Leben trifft Michael Nast den Nerv der Zeit. : Bild: dpa

Aber warum? Eigentlich müssten sie ihn sogar hassen. Kapitelüberschriften lauten „Männer reifen, Frauen welken“ oder „Illusion perfekte Liebe“. Auf Seite 21 heißt es ausdrücklich, der Mann sei für Monogamie nicht gemacht. Dates findet er langweilig, Zurückschreiben ermüdend, Partnerschaft narzisstisch.

Wieso hängen Tausende junger Frauen dennoch an seinen Lippen? Es muss am persönlichen Eindruck liegen. In die Hotellobby spaziert ein Mann, der weder eingebildet noch selbstbezogen ist. Michael Nast trägt Fünftagebart, Schwarz, Jeans und keinen Ehering. Er ist so sympathisch wie adrett, löffelt munter Milchschaum vom Kaffee und kann sich seinen Erfolg selbst nicht so recht erklären: „Die Texte sind womöglich klüger als der Autor?“ Überraschend schwermütig wirkt er, als er von Verflossenen erzählt. Seine längste Beziehung hielt drei Jahre. Aber er glaubt noch an die große Liebe.

So wie er sein Buch mit Geschichten alter Freunde füllt, so schweift er auch im Gespräch dauernd ab: „Da fällt mir ein, mein Freund Christoph hat da mal zu mir jesacht.“ Oft schwelgt er in Erinnerungen, spricht über seine Kindheit in der DDR, seine abgebrochene Buchhandelslehre, wie er einmal Christa Wolf Bücherstapel in die Wohnung trug und stundenlang mit ihr Tee trank. Vor allem aber: Die moderne Gesellschaft müsse ihren Lebensstil hinterfragen, „und zwar dringend“.

Sein Geheimnis

Michael Nast nimmt der Generation Y, so es sie denn gibt, die rosa-rote Brille ab und hält ihr einen Spiegel vor. Seinen Zeigefinger hat er nicht erhoben, sondern richtet ihn auf sich selbst. Der Langzeit-Single ist, darauf kommt es an, Teil dieser Ära, ein Prototyp der Generation, trotz seiner 40 Jahre. „Beziehungsunfähigkeit hat nichts mit dem Alter zu tun“, sagt er stoisch. „Das ist eine Haltung.“

Deswegen also scheinen ihn die Frauen zu vergöttern: So wie seine Fans ist auch der Autor auf der Suche. „Natürlich will ich eine Beziehung, alle wollen eine.“ Nast schaut nicht auf seine Leser herab. Er gibt ihren Sorgen ein Zuhause, als einer von ihnen. Gemeinsam blicken sie ratlos in die Zukunft. „Eigentlich schreibe ich doch total die Männertexte“, sagt Nast, zieht die Schultern hoch und kippt den letzten Schluck kalten Kaffee hinunter. Dass er zu weit mehr als 90 Prozent weibliche Zuhörer hat, überrascht ihn noch immer.

Dabei liegt es auf der Hand. Michael Nast, der auch schon in der Werbung gearbeitet hat und sich mit Gefühlen auskennt, erfüllt den Wunsch vieler Mädchen: Er offenbart, was Männer denken, und das ehrlich, bis an die Schmerzgrenze.

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