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Michael Keaton im Gespräch : „Ich lebe das optimale Leben“

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„Ich freue mich über die Liebe des Publikums, aber ich brauche sie nicht“: Michael Keaton Bild: ddp Images

Schauspieler Michael Keaton wurde als Meister des leichten Fachs bekannt; als Batman wurde er ein Star. Nach ein paar ruhigeren Jahren ist er jetzt wieder da, gilt als ein Favorit für den Oscar. Ein Gespräch über Kunst und Leben, Twitter und Obama, Kohle und Liebe.

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          Als Ende der achtziger Jahre bekannt wurde, dass Michael Keaton in „Batman“ die Hauptrolle spielen sollte, protestierte die Fan-Gemeinde. Doch „Batman“ machte den bis dato vor allem im komödiantischen Fach bekannt gewordenen Schauspieler zum Superstar - der freilich nach zwei Auftritten als finsterer Held mit dem Cape keine Lust mehr hatte. Sämtliche Überredungsversuche des Studios nützten nichts. Der Rest der neunziger Jahre brachte ihm Filmprojekte von unterschiedlicher Qualität, als verliebter Redenschreiber in „Sprachlos“, als Klon seiner selbst in „Vier lieben dich“ oder als psychopatischer Krimineller in „Desperate Measures“. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurde es ruhiger um den Mann aus Pennsylvania.

          In seinem neuesten Drama spielt Keaton jetzt einen Schauspieler, der vor Jahren als Comicheld „Birdman“ zum Idol wurde und nun als abgehalfterter Ex-Promi am Broadway verzweifelt an seinem Comeback arbeitet. Weltpremiere hatte „Birdman“ bei den Filmfestspielen in Venedig. Schon nach der ersten Pressevorführung war klar: Diese Geschichte wird in der „award season“, der Saison um Golden Globes und Oscars, abräumen.

          Michael Keaton gibt an diesem Tag in einer Suite des Hotels „Excelsior“ auf dem Lido Interviews und wirkt etwas irritiert über so viel Lob und Aufmerksamkeit. Dabei war das nur der Anfang. Inzwischen wurde der Dreiundsechzigjährige für seine Rolle mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Und „Birdman“ geht bei der Oscar-Verleihung mit neun Nominierungen als Favorit ins Rennen. In Venedig aber interessiert sich Michael Keaton noch für etwas ganz anderes:

          Was haben Sie da für ein cooles Aufnahmegerät? Das ist die Zukunft, richtig? Ich liebe deutsche Technologie.

          Ich fürchte, das Gerät stammt aus Japan ...

          Egal. Mein Sohn und ich sind kürzlich mit einer deutschen Airline geflogen. Der Start war der geschmeidigste, den ich je erlebt habe. Die geben dir dort auch spezielle Kopfhörer, die vollkommen schallisolierend sind. Du hörst nichts! Ich sage nur: Deutsches Design ist dermaßen gut, es grenzt an Wahnsinn. Okay, skandinavisches Design ist auch toll. Aber ich fühlte mich wie in einer Science-Fiction. Das Flugzeug schien sich überhaupt nicht zu bewegen, während du durch die Wolken saust und all die Unruhe um dich herum herrscht. Die Deutschen und ihre Technologie mögen auf manche Menschen kühl wirken, ich finde euch einfach nur cool.

          In Ihrem neuen Film sehen wir eine Szene, in der Sie in Ihrer Rolle als Schauspieler von unsympathischen, ignoranten Film-Journalisten befragt werden. Sind Interviews für Hollywood-Stars der ultimative Albtraum?

          (Überlegt.) Nicht immer. Das kommt ganz auf Sie an. Nun sehen Sie mal zu, wie Sie mit dem Druck fertig werden (lacht). Aber Sie haben recht, Journalisten werden in Filmen häufig nicht sehr schmeichelhaft dargestellt.

          Gerade in Hollywood-Produktionen, die im Filmgeschäft angesiedelt sind, wirken wir wie die allerletzten Idioten.

          Seien wir ehrlich, jeder weiß doch, dass der Journalismus sich in eine verrückte Richtung entwickelt hat. Jeder kann sich jetzt „Journalist“ nennen, im Internet oder auf Twitter irgendetwas behaupten. Ob wahr oder unwahr, spielt doch überhaupt keine Rolle. Dieses ganze Geschäft ist völlig abgefuckt. Und das muss für Sie völlig frustrierend sein. Wenn ich Journalist wäre, würde ich vielleicht auch irgendwann zum korrupten Idioten. Wer weiß? Aber ich habe eben auch die Wahl, es aus genau diesen Gründen nicht zu werden. Aber wissen Sie, was ich an diesem Film mag?

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