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Michael Jackson : Das große Klagen

  • -Aktualisiert am

Trauer um Michael Jackson Bild: AFP

Nach Michael Jacksons Tod häufen sich die Gerüchte um seinen Gesundheitszustand, den Medikamentenkonsum und die Todesursache. War der Tod absehbarer als zugegeben wird? Dazu werden Streitigkeiten um das Sorgerecht der Kinder prophezeit.

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          Das Leben von Michael Jackson war schon reichlich bizarr, kompliziert und rätselhaft. Aber mit dem Tod der Poplegende wird alles noch schwieriger: Wie groß ist sein Vermögen? Und wie hoch sind seine Schulden? Was wird aus den Millionenklagen gegen den Sänger? Wer zieht seine drei Kinder groß? Und vor allem: Was sind die Gründe dafür, dass Jackson im Alter von nur 50 Jahren starb? Mit dem, was die Polizei von Los Angeles bislang zur Todesursache herausgefunden hat, ist die Jackson-Familie jedenfalls nicht zufrieden. „Uns gefällt nicht, was da läuft“, fasste Patriarch Joseph Jackson zusammen. „Die Wahrheit muss noch ans Licht gebracht werden.“ Hilfe verspricht sich die Familie von einer zweiten Obduktion, die ein privat beauftragter Pathologe offenbar schon abgeschlossen hat, ohne dass jedoch zunächst Ergebnisse bekannt wurden.

          Die offizielle Obduktion am Freitag endete mit dem Zwischenresultat, dass es keine Hinweise auf Gewalteinwirkung oder ein sonstiges Verbrechen gebe. Mit den Ergebnissen weiterer Untersuchungen sei in vier bis sechs Wochen zu rechnen, sagte der Sprecher der Gerichtsmedizin Craig Harvey. Dazu sollen auch toxikologische Tests gehören. Jackson habe verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen, bestätigte Harvey. Aber haben die Arzneimittel, die der Popstar offenbar über Jahrzehnte konsumierte, zum Herzstillstand geführt? Ist er in seiner Villa in Los Angeles, vor der mittlerweile Möbelwagen vorfuhren, an einer Überdosis gestorben?

          Jackson regelmäßig den Magen ausgepumpt

          Über den Gesundheitszustand Jacksons, seine Finanzen und seine persönlichen Verhältnisse hat es seit jeher die abenteuerlichsten Spekulationen gegeben. Der Nebel aus Gerüchten ist nun nur noch dichter geworden. So gibt es zum Befinden vor seinem Tod widersprüchliche Aussagen. Glaubt man Jacksons Manager Frank DiLeo, genoss der Sänger die Vorbereitungen auf die Londoner Konzerte, mit denen er sich nach zwölf Jahren Abwesenheit von der Bühne als „King of Pop“ zurückmelden wollte. Diese Woche sollten Jackson und seine Entourage nach London fliegen, um dort für das erste Konzert am 13. Juli zu üben. Auch der Direktor der geplanten Bühnenshow, Kenny Ortega, behauptet, Jackson habe bei den Proben im Staples Center in Los Angeles vor Enthusiasmus gesprüht. Überschwänglich äußert sich zudem Randy Philips, der Chef des Konzertveranstalters AEG Live. „Es war phantastisch, er war so großartig, dass ich eine Gänsehaut bekam“, beschreibt er seine Eindrücke von Jacksons Probe am Abend vor dessen Tod. Verdacht, dass Jackson Schmerzmittel und andere Medikamente nahm, um die Konzerte bewältigen zu können, schöpften Ortega und Philips angeblich nicht.

          Jacksons Kardiologe Conrad Murray: unprofessionelle Herzmassage?

          Dagegen behaupten nicht namentlich genannte Quellen, Jackson habe angeschlagen und lethargisch gewirkt. Einer der wenigen, die sich mit negativen Äußerungen zu Jacksons Befinden zitieren lassen, ist sein Freund, der Luxemburger Musiker Al Walser. Jackson habe anfangs nur fünf Auftritten in London zugestimmt. „Aber (die Veranstalter) haben mehr und mehr hinzugefügt“, sagte er dem Nachrichtensender Fox News. Jackson sei es während der Proben „sehr, sehr schlecht gegangen“. „Ich habe jeden Tag damit gerechnet, aufzuwachen und zu hören, dass er gestorben ist.“ Schon vor früheren Auftritten, so Walser, habe Michaels Medikamentenkonsum Ausmaße erreicht, die seine Familie zum Einschreiten bewogen hätten, weil sie um das Leben des Stars fürchtete. Jacksons langjährige Angestellte Grace Rwaramba berichtete in einem Interview, sie habe Jackson regelmäßig den Magen ausgepumpt, weil er Medikamentencocktails geschluckt habe. „Er hat immer so viel zusammengemischt.“

          Kardiologe als Zeuge befragt

          Seines selbstzerstörerischen Treibens war sich Jackson offenbar schon vor Jahren bewusst. „Ich fürchte, ich werde wie er (Elvis) enden“, offenbarte er in den neunziger Jahren seiner damaligen Frau Lisa Marie Presley. Sie habe auf Michael eingeredet, erinnert sich die Tochter des „King of Rock ’n’ Roll“ auf ihrem „MySpace“-Blog im Internet. Aber Michael habe nur mit den Schultern gezuckt, so, als sei er sich seines Schicksals gewiss. Elvis hatte nach jahrelangem, übermäßigem Medikamentenkonsum mit 42 Jahren einen Herzstillstand erlitten.

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