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Michael Jackson : Das große Klagen

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Was Jackson vor seinem Tod eingenommen hat, sollte eigentlich Conrad Murray wissen. Murray ist der Kardiologe, der den Sänger betreute und am Donnerstag durch eine offenbar nicht besonders professionelle Herzmassage auf seinem Bett zu retten versuchte. Für eine erfolgversprechende Herzmassage aber braucht man eine harte Unterlage. So gab die Rettungsleitzentrale die Anweisung, man möge den Bewusstlosen für die Wiederbelebungsversuche vom Bett nehmen und auf den Fußboden legen. So ist es in dem Protokoll zu dem Notruf vermerkt, in dem ein Anrufer aus Jacksons Villa einen Rettungswagen anforderte.

Der Jackson-Clan hat aber noch weitere Fragen: Wann genau war Murray bei Michael? In welchem Zustand war der Sänger? Und hat Murray ihm etwas gespritzt? Die Polizei hatte den Kardiologen am Samstag drei Stunden lang befragt. Verdächtiges sei dabei nicht zutage getreten, berichtet die „Los Angeles Times“. Die Anwaltskanzlei, von der sich Murray mittlerweile vertreten lässt, teilte mit, der Kardiologe sei „als Zeuge“ befragt worden. Er habe „alle Fragen“ beantwortet und „einige Unstimmigkeiten“ aufgeklärt. Murray habe „hilfreiche Informationen“ geliefert, bestätigte die Polizei.

Schulden in Höhe von 500 Millionen Dollar angehäuft

Der Kardiologe gehört zur Schar von Ärzten, in deren Hände sich Jackson wegen verschiedenster Leiden begab. Der aus Texas stammende Murray behandelte den Sänger, seit dieser 2006 aus Bahrain in die Vereinigten Staaten zurückkehrte und sich in Las Vegas niederließ. Der Arzt folgte Jackson dann vor einigen Wochen auf dessen Wunsch hin nach Los Angeles, um in der Endphase der Proben für die Londoner Konzerte bei ihm zu sein. Gegenüber dem Konzertveranstalter setzte der Sänger durch, dass Murray ihn auch nach Großbritannien begleiten sollte – auf Kosten von AEG Live. Obwohl Murray angeblich in mehreren amerikanischen Bundesstaaten praktiziert, hat er offenbar erhebliche finanzielle und juristische Probleme. Nach Medienberichten wurde er in Gerichtsprozessen zur Zahlung von mehr als 400.000 Dollar verurteilt. Mindestens zwei Klagen gegen Murray seien noch anhängig. Hinzu kämen Probleme mit den Steuerbehörden.

Wie es um Jacksons eigene Finanzen bestellt ist, darüber herrscht Unklarheit. Offenbar hat der Sänger ein finanzielles Chaos hinterlassen. „Es herrscht totales Durcheinander“, stöhnte einer seiner Finanzberater. Jacksons größter Schatz sind die Rechte an seinen eigenen Musiktiteln sowie seine Beteiligung an mehr als 200 Beatles-Songs. Aber Jacksons opulenter Lebensstil und die zahlreichen Prozesse, in die der Star verstrickt war, haben Millionen verschlungen. Angeblich hat er Schulden in Höhe von 500 Millionen Dollar angehäuft.

Mit „Zähnen und Klauen“ um die Kinder kämpfen

„Er hat sich nie darum gekümmert, wie viel er ausgegeben hat“, sagt Jacksons früherer Berater Alvin Malnik aus Miami. Der Rechtsanwalt, dem der Ruf anhaftet, in dubiose Kreditgeschäfte verstrickt zu sein, könnte eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um die Regelung von Jacksons Nachlass und um das Sorgerecht für die Kinder geht. So behauptete Malnik in einem Interview, Jackson habe ihn 2004 als Nachlassverwalter eingesetzt. Außerdem sei er der Patenonkel von Blanket, Jacksons jüngstem Sohn, der von einer bislang unbekannten Leihmutter ausgetragen wurde. Auf Wunsch von Michael Jackson, so Malnik, habe er sich schriftlich verpflichtet, für Blanket zu sorgen, falls dem Sänger etwas zustoßen sollte.

Derzeit lebt der Siebenjährige, der eigentlich Prince Michael II heißt, zusammen mit seinen beiden älteren Geschwistern, dem zwölf Jahre alten Prince Michael Joseph und der elf Jahre alten Paris, bei Großmutter Katherine Jackson. So soll es nach dem Willen des Jackson-Clans auch bleiben. Angeblich wappnet sich die Familie schon gegen Jacksons frühere Frau Debbie Rowe, die Mutter der beiden älteren Kinder. Nach der Scheidung verzichtete die frühere Krankenschwester zunächst auf das Sorgerecht. Später, als Jackson wegen Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde, änderte sie ihre Meinung und zog vor Gericht. 2006 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung. Angeblich zahlte Jackson Millionen von Dollar, um das Sorgerecht zu behalten. Wenn es nun abermals zum Streit kommt, muss ein Richter entscheiden, welche Regelung im besten Interesse der Jackson-Kinder ist. Freunde von Rowe behaupten, sie werde mit „Zähnen und Klauen“ um die Kinder kämpfen.

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