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Interview mit Jugendlichen : „Wählen mit 16 wäre eine coole Idee“

Reden im Park: Mia (links) aus Mount Airy (Maryland) und Emily aus Berlin, beide 16 Jahre alt. Bild: Nerea Lakuntza

Mia geht im amerikanischen Maryland zur Schule – Emily in Berlin. Ein Gespräch über Politik, Klimawandel, Angela Merkel und Joe Biden.

          5 Min.

          Mia, du lebst in Amerika, aber sprichst per­­fekt Deutsch, weil deine Mutter aus Deutschland kommt. Spielt das eine Rolle in deiner Schule?

          Othmara Glas
          Volontärin

          Mia: Alle wissen, dass ich eine deutsche Mutter habe, aber keiner sagt was. Manchmal erzähle ich es jemandem, und dann sagen diejenigen: „Ah, du bist mit Hitler verwandt!“ Das finde ich nicht cool. Die Leute sagen dann, dass sei nur ein Witz gewesen. Ich finde das aber nicht witzig.

          Mia und Emily, habt ihr Kontakt zu Masken- oder Impfgegnern?

          Mia: An vielen Orten muss man bei uns in Maryland schon keine Maske mehr tragen. Aber dort gibt es dann Schilder, dass man geimpft sein muss, wenn man keine Maske trägt. Dennoch gibt es auch Impfgegner. Also, ich kenne ein paar, zum Beispiel die Mutter meiner besten Freundin. Sie ist nicht geimpft, trägt aber trotzdem keine Maske. Meine beste Freundin ist nicht so – sie trägt ihre Maske. Ihre Mutter erlaubt jedoch nicht, dass sie geimpft wird.

          Emily: Tatsächlich haben wir auch ein paar Impfgegner in der Schule, zu denen ich den Kontakt zum Teil gemieden habe, weil ich keine Lust auf die tägliche Konfrontation hatte. Ich selbst habe mich früh für die Impfung ent­schieden. Und ich finde, das soll jeder selbst ­entscheiden. Wir ha­ben auch ein paar Leute, die in der Schule keine Maske tragen. Die haben eine ärztliche Befreiung. Da haben wir als ­Schülerschaft aber gefordert, dass wir dann Abstand zu der Person während des Unterrichts haben. Die sitzen immer ziemlich vereinzelt weit hinten in einer Ecke.

          Mia: In meiner Highschool haben alle eine Maske getragen. Ich habe zumindest niemanden ohne Maske gesehen. Ich gehe aber auch in eine kleine Schule, da würden die Lehrer etwas sagen. Doch es gibt bestimmt auch bei uns einige ­Impfgegner.

          Mia, was hast du von Angela Merkel als ­­ ­Kanzlerin gehalten? Und Emily, was denkst du über Trump und Biden?

          Mia: Ich denke, dass Merkel gut war, weil ich nichts von ihr mitbekommen habe. Ich höre immer nur Nachrichten aus Russland, China oder Nordkorea. Aber ich höre selten etwas aus Deutschland.

          „Ich denke, dass Merkel gut war, weil ich nichts von ihr mitbekommen habe“, sagt Mia.
          „Ich denke, dass Merkel gut war, weil ich nichts von ihr mitbekommen habe“, sagt Mia. : Bild: Imago

          Emily: Trump halte ich für eine Vollkatastrophe. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass Biden der Top-Präsident ist. Aber ich glaube, dass er einer der besten Präsidenten ist für das Amerika, das es gerade gibt. Ich glaube, er kann auch ganz viele von den Trump-Anhängern mitnehmen. Er muss ja deren Orientierung nicht ändern, aber er ist ganz gut, um dieses super gespaltene Land wenigs­tens ein bisschen näher zusammenzuführen.

          Mia: Ja, ich glaube auch, dass Biden für den Mo­ment ziemlich gut ist. Aber er ist nicht der Beste. Ich hätte Bernie Sanders besser gefunden. Allerdings sind sie alle so alt. Und keiner weiß, ob Biden die vier Jahre überleben wird.

          Sprecht ihr in der Schule auch über Wahlen und Politik?

          Mia: Wir haben darüber gesprochen, wie die Wahl funktioniert, aber nicht über Trump gegen Biden. Man weiß ja nicht, ob jemand für Trump oder Biden ist. Das würde nicht gut gehen.

          Emily: Wir haben über die Bundestagswahl ge­sprochen. Aber wir dürfen nur objektiv darauf schauen, weil manche von uns schon alt genug sind, um wählen zu gehen. Wir haben auch über Wahlbeteiligung gesprochen. Ich denke, bei dieser Wahl werden viele Menschen ihre Stimme abgeben. Vor allem, da Merkel nun nach vier Amtszeiten nicht mehr antritt. Ich bin sehr ge­spannt, wer es wird. Ein Jahr, nachdem ich ge­boren wurde, kam Merkel an die Macht. Ich ­kenne nur Angela Merkel als Bundeskanzlerin.

          Mia: Ich habe Obama, Trump und jetzt Biden als Präsident erlebt.

          Wenn es möglich wäre: Würdet ihr jetzt auch schon wählen?

          Emily: Schwierig. Ich würde immer gern ­mit­wählen, weil ich es gut finde, durch meine Stimme etwas beeinflussen zu können. Aber ich weiß nicht, ob ich mich entscheiden könnte.

          Wärst du generell für die Wahlmöglichkeit mit 16?

          Emily: Ich finde das eigentlich eine coole Idee, weil die Gesellschaft ja auch immer älter wird und ­­ da­rum immer so Alteingesessene gewählt werden. Wir Jugendlichen haben ja auch zum Beispiel bei Fridays for Future gezeigt, dass wir unsere Stimme erheben können und wollen. Aber ich kenne auch viele Menschen, die keinen Plan von Po­litik haben. Ich kann mir trotzdem gut vorstellen, dass viele wählen gehen würden, aber nicht wissen, was oder wen sie wählen und wofür die Partei eventuell steht.

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