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#MeTwo gegen Alltagsrassismus : „Solche wie dich hat mein Opa früher erschossen“

  • Aktualisiert am

Ali Can vor dem Kebaphaus seiner Eltern in Pohlheim. Bild: Maria Klenner

Tausende von Nutzern sprechen sich derzeit unter #MeTwo auf Twitter gegen Rassismus aus und zeigen: Diskriminierung ist für viele Menschen mit Migrationshintergrund Alltag.

          In die Disko nicht reingelassen, bei der Wohnungssuche direkt abgelehnt oder gar nicht erst geantwortet, in sozialen Medien beleidigt: Ali Can hat schon oft mit rassistischen und diskriminierenden Situationen zu kämpfen gehabt. Er ist ein kurdischer Alevit aus der Türkei, der 1995 mit seiner Familie nach Deutschland gezogen ist – um der Diskriminierung gegen Kurden in seiner Heimat zu entgehen. Mit dem Hashtag #MeTwo macht er auf Twitter jetzt auf den Rassismus gegen Menschen mit Migrationshintergrund im Alltag aufmerksam.

          Vor drei Tagen startete er den Hashtag mit einem Erklärungsvideo über den Twitter-Account des Online-Magazins „Perspective Daily“. Can fordert, angestoßen durch die Diskussion um Mesut Özil, eine neue Debatte über Alltagsrassismus. #MeTwo ist angelehnt an den Hashtag #MeToo, über den seit Herbst letzten Jahres Frauen ihre Sexismus-Erfahrungen teilen. „Two“, also Zwei, stehe für zwei Seiten, die verschmelzen. „Ich bin mehr als nur eine Identität“, sagt Can, Gründer der „Hotline für besorgte Bürger“. Deutscher sein und zugleich Türke, das ist für den 24 Jahre alten Can kein Widerspruch.

          Mehr als 40.000 Menschen haben laut Twitter bereits ihre Erfahrungen geteilt und es werden immer mehr. Rassismus auf der Arbeit, unter Freunden, bei neuen Bekanntschaften: Vermeintlich harmlose Aussagen können eine verletzende Wirkung bei dem Gegenüber auslösen, wie die Nutzer beweisen.

          Teilweise gibt es Sätze, die wohl ein Kompliment darstellen sollen, wie „Für eine schwarze Frau siehst du doch ganz gut aus“. Bei manchen Tweets bleibt einem der Mund offen stehen, wie bei der Äußerung: „Solche wie dich hat mein Opa früher erschossen“, die gegenüber einer Nutzerin getroffen wurde.

          Hier eine Auswahl von Tweets:

          Auch die Politik wird langsam auf den Hashtag aufmerksam. Außenminister Heiko Maas, der zuletzt von Altkanzler Schröder wegen seiner Stellungnahme zu Özil kritisiert wurde, twitterte: „Wer glaubt, Rassismus in Deutschland sei kein Problem mehr, dem empfehle ich, sich sämtliche #MeTwo-Tweets durchzulesen“, und er appeliert „gegen Rassismus, jederzeit, überall“ zu sein. Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter der Grünen, erzählt auf Twitter von einer eigenen Erfahrung, als er in der vierten Klasse sagte, er wolle aufs Gymnasium: „Der Lehrer lachte, dann stimmte die ganze Klasse mit ein“.

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