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Meryem Uzerli : Einmal Istanbul – und zurück

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Ehemalige Kollegen diskutierten in Talkshows über ihre Zukunft. Medien schrieben, sie sei abgehauen, es gehe um Geld, sie habe Bedingungen gestellt. Dabei begann Meryem nach drei Jahren, am Burnout-Syndrom zu leiden. Man hätte ihr eine Million vor die Füße legen können – sie konnte nicht mehr. Das habe sie schon Monate zuvor zu verstehen gegeben. Die Produktion kam ihr in den Arbeitszeiten weit entgegen. Was bis Sonntag gedreht wurde, war als 120-Minüter schon am Mittwoch im Fernsehen zu sehen. Man hatte nicht – wie in Deutschland – weitere Folgen zur Sicherheit bereits abgedreht. „Das ist ein Druck, den man in Deutschland gar nicht kennt, weil hier alles geplant und systematisch ist.“

Sie wollte also nach Deutschland, um sich behandeln zu lassen. Aus einem dreiwöchigen Urlaub in Berlin wurde eine Heimkehr. Sie sei nicht mehr arbeitsfähig gewesen, habe an psychosomatischem Schwindel gelitten und konnte in den ersten Wochen nur noch im Bett liegen.

„Wir arbeiten doch auch 18 Stunden und müssen eine Familie ernähren“, entgegneten ihr andere, wie sie erzählt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Burnout noch kein Thema in der Türkei. Nun dringt das Syndrom sogar bis in die Werbung für Chips vor. Die gesellschaftskritische Comedy-Serie „Yalan Dünya“ („Falsche Welt“) machte es zum Thema einer Folge. Und als Meryem bei den „Antalya Televizyon Awards“ in der Kategorie „Beste weibliche Schauspielerin – Drama-Serie“ ausgezeichnet wurde, machte sie in ihrer Rede in gebrochenem Türkisch auf die Situation türkischer Schauspieler aufmerksam. Sie kritisierte die Länge der Serienfolgen von meist mehr als 100 Minuten und bat um Verkürzung für menschlichere Arbeitsbedingungen. Sie hatte den Mut und die Macht, offen auszusprechen, was viele belastet, aber in Kauf nehmen.

Die neue Besetzung wirkt wie eine Mutter statt einer Geliebten

Ihr Ersatz in der Serie ist die Schauspielerin Vahide Perçin. Nachdem Meryem die Hürrem Sultan von deren 17. bis zum 40. Lebensjahr gespielt hatte, begann die Saison nach dem Sommer mit einer Zeitverschiebung von 15 Jahren. Neben dem Hauptdarsteller Halit Ergenç wirkt die 48 Jahre alte Neubesetzung nicht wie eine Geliebte des Sultans, sondern wie seine Mutter. Die stark gesunkenen Einschaltquoten sprechen für sich und für sie.

Das Talent von Meryem wird sich die Türkei nicht entgehen lassen. Fans aus aller Welt flehen bereits über Youtube und Facebook nach ihrem Comeback. Die Produktionsfirma Tims will wieder mit ihr zusammenarbeiten. Produzent Timur Savci besuchte sie sogar in Berlin. Für den Sommer steht ein Projekt in der Türkei an.

Im August gab sie der Zeitung „Hürriyet“ nach langem Schweigen ein Interview und verkündete, sie werde das Kind, das sie erwarte, ohne Vater erziehen. Das rief wieder Debatten hervor, dieses Mal über alleinerziehende Mütter, Abtreibung, Verhütung. Wieder füllte Meryem die Schlagzeilen. „Dabei bin ich glücklich, wenn sich kein Mensch nach mir umdreht. Ich bin doch ganz normal“, sagt sie lachend. Meryem ist hochschwanger. Ihr Kind soll im Februar zur Welt kommen, „als Geschenk Gottes“.

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