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Legendärer Mercedes Roadster : Der weite Weg zurück

  • -Aktualisiert am

Rückkehrer: Michael Prym im Wagen seines Großvaters Bild: Foto privat

Das Auto seines Großvaters war nach dem Krieg verschwunden – jetzt hat sich Michael Prym den teuren Wagen zurückgeholt. Gefahren ist er auch schon.

          Der Anruf des Anwalts kommt unerwartet. Michael Prym sitzt gerade in seinem Büro im rheinländischen Stolberg und rechnet nicht mit dem, was für ihn großes Glück bedeutet. „Herr Prym, ich stehe gerade neben ihrem Auto“, sagt sein Anwalt zu ihm am Telefon. Seit 1945 war der Mercedes-Benz 500 K seines Großvaters verschwunden, heute ist er viele Millionen Euro wert. Schon lange versucht der Enkel, den Wagen in die Familie zurückzuholen. Jetzt steht das Auto auf einer Messe in Essen und damit ganz in der Nähe. Michael Prym fährt nach dem Anruf sofort los, geht in Essen durch die Hallen und findet den Oldtimer. Er fragt, ob er sich in das Auto setzen darf, verharrt mehrere Minuten auf dem Fahrersitz und fühlt sich seinem Großvater nahe. Doch bis das Auto auch tatsächlich in den Familienbesitz zurückkehrt, wird es noch dauern.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Weg dieses Fahrzeugs ist weit, und seine Historie geht lange zurück. Der Industrielle Hans-Friedrich Prym hatte im Jahr 1935 den Mercedes-Benz 500 K Spezial Roadster über eine eigene Gesellschaft erworben. Damals war er eines der teuersten Fahrzeuge der Welt. Das Auto taucht zehn Jahre später über Nacht ab und nach fast 70 Jahren wieder auf. Seine Rückkehr ist eine Geschichte von Zufällen und Glück. Der 72 Jahre alte Michael Prym berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung von Betrugsversuchen, Tricksereien und Überraschungscoups. Zum ersten Mal sprechen er und seine Frau Andrea Prym-Bruck öffentlich über den Wagen, der sie seit Jahren jeden Tag beschäftigt. An diesem Wochenende zeigt die Familie ihn in der Öffentlichkeit: In Frankreich wird er auf der Automesse „Concours d’Élégance“ im Schloss Chantilly stehen. „Wir wollen dokumentieren, dass Rechtssicherheit besteht, die Geschichte rekonstruiert ist und der Wagen uns gehört“, sagt Andrea Prym-Bruck.

          Wagen verschwindet 1945 aus Scheune

          Nach dem zweiten Weltkrieg zieht die amerikanische Armee in das Haus des Großvaters. Die Truppen nutzen das Anwesen zwischen Herbst 1944 und Sommer 1945 als Stützpunkt. Der Mercedes 500 K steht weiter auf dem Gelände in einer Scheune, bis er im September 1945 über Nacht verschwindet. Die Familie Prym gehört eines der ältesten industriellen Familienunternehmen in Deutschland, das zunächst in Aachen beheimatet war und im Jahr 1642 nach Stolberg umzog. Die William Prym Holding GmbH stellt heute Druckknöpfe, Stricknadeln und Bauteile für die Mikroelektronik her. Die Unternehmensgruppe macht 360 Millionen Euro Umsatz im Jahr und beschäftigt 3500 Mitarbeiter. Michael Prym, Jahrgang 1943, leitete das Unternehmen bis 2005.

          Den Wagen des Großvaters entdeckte Andrea Prym-Bruck. Sie kümmert sich in der Familie um das Unternehmensarchiv und sucht das Internet regelmäßig nach Produkten und Katalogen ab. Im Jahr 2011 findet sie die Vorankündigung für eine Auktion in Kalifornien und geht zu ihrem Mann: „Sag mal, kann das das Auto von deinem Großvater sein?“ Es ist die Wiederentdeckung des verschwunden geglaubten Wagens, doch es wird eine schwere Wiedergeburt. Michael Prym kontaktiert den Auktionator, doch der wiegelt ab. Für 3,8 Millionen Dollar wird der Wagen verkauft. Das Gute daran: Er geht an einen niederländischen Bieter und rückt räumlich nah. Noch näher kommt das Auto ein Jahr später: Im Jahr 2012 wird das wertvolle Stück auf einer Automesse in Essen präsentiert, wovon Prym am Telefon erfährt. Der Niederländer Frans von Haren bietet den Wagen dort für 4,9 Millionen Euro zum Verkauf an.

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