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Mercedes in Russland : Stern des Ostens

Der Stern soll aus sich heraus glänzen

Doch aus Sicht des Panavto-Chefverkäufers ist in den vergangenen Jahren mehr Normalität in den russischen Automarkt eingezogen. Leonid Borodkin begann seine Karriere vor 15 Jahren bei Land Rover, wechselte zu Jaguar und kam vor drei Jahren zum Mercedes-Händler. Zu Beginn dieser Zeit, sagt er, sei Russland noch „ein Verkäufermarkt“ gewesen, in dem Händler und Importeure alles bestimmt hätten. Jetzt, mit mehr Konkurrenz, herrsche im Land längst ein Käufermarkt wie in anderen europäischen Ländern: „Der Kunde entscheidet, was er will.“ Bei ihm sind das vor allem SUV-Coupés und ein großer SUV mit dritter Sitzreihe und „sehr hohem Wiedererkennungswert auf der Straße“. Seine Konkurrenten erkennt der Verkäufer vor allem in der „deutschen Troika“, zu der noch BMW und Audi gehören. „Ich sage unseren Verkäufern immer: Es gibt keine schlechten Autos um uns herum. Wir werden die Wettbewerber nicht schlechtreden: Die sind stark.“

Der Stern soll aus sich heraus glänzen. Dabei ist das Prestige wichtig, auch für die Außenwirkung, etwa, wenn ein Geschäftsmann zu Verhandlungen ankommt. „Wenn er Erfolg im Geschäft hat, macht er es gut, und dann kann er sich einen Mercedes leisten.“ Daran ändern Krisenzeiten nichts. Borodkin sagt, seine Kunden spürten „in der Regel die Krise auf höherem Niveau“.

Auch das allerhöchste Niveau hat Panavto im Angebot. Es thront gleich hinter dem giftgrünen Rennwagen: ein gigantischer Geländewagen der G-Klasse mit deutlich erhöhtem Radstand, 2,20 Meter hoch. Mehr als zweieinhalb Tonnen soll das Gefährt wiegen und trotzdem in fünfeinhalb Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Jäger kauften so einen Wagen, sagt Borodkin, und Sammler auch: In die Autokollektion kann er für umgerechnet rund 300.000 Euro Eingang finden.

Premium-Klasse statt Prahlerei

Es scheint nur natürlich, dass der Koloss pechschwarz ist wie so viele der G-Klasse-Geländewagen, die die Straßen Moskaus prägen, nicht nur dank Putins Leibwächtern. Warum Schwarz für die Geländewagen so beliebt ist, erklärt einer von Borodkins Verkäufern mit Eleganz - „wie bei einem Smoking“. Sein Chef sagt geradeheraus: „Schwarz ist brutal, männlich, militärisch.“ Borodkin hat seine eigene Erklärung, warum ausgerechnet die G-Klasse ein „Kultauto“ ist: Es sei die „spezifische Form“, die überall erkannt wird. Ein Auto auf Grundlage eines echten Militärgeländewagens, „der jedes Jahr einige neue technische Innovationen bekommt, damit er für das zivile Leben interessanter wird“. Die G-Klasse sei „ohne Konkurrenz: Keine Marke hat etwas Vergleichbares.“

Das ist auch Russlands hedonistischer Jugend klar. Im Sommer vorigen Jahres erregte der „Gelendwagen“ (ein russisches Lehnwort aus dem Deutschen) gleich zweimal Aufsehen; in beiden Fällen ging es um demonstrative Missachtung von Verkehrsregeln, die für normale Autofahrer gelten. Eine Gruppe junger Leute um den Sohn eines Vizepräsidenten des zweitgrößten Erdölkonzerns des Landes lieferte sich in einem Wagen der G-Klasse für gut 150.000 Euro ein Wettrennen mit der Verkehrspolizei und stellte die Bilder ins Netz. Und die Absolventen der Akademie des Geheimdienstes FSB feierten ihren Abschluss mit einem Autokorso aus knapp 30 schwarzen G-Klasse-Wagen durch Moskau, ließen zu ihrer teils wilden Jagd ein professionell gefilmtes, mit elektronischer Musik unterlegtes Video im Stil amerikanischer Rapper verfertigen und veröffentlichten es im Internet. Empörung folgte. Auch Borodkin sagt, ihm habe der Film nicht gefallen, er lehne derlei „Prahlerei“ ab. Er sei vielmehr für klassisches, kultiviertes Marketing. Premium-Klasse eben.

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