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Mercedes in Russland : Stern des Ostens

Die Limousine des russischen Präsidenten am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg.
Die Limousine des russischen Präsidenten am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg. : Bild: AFP

Aber Russland und das Automobil, das ist auch eine Frage der Konjunktur. Mit 2,8 Millionen verkauften neuen Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen lag das Land im Jahr 2013 im europäischen Vergleich auf dem zweiten Platz. Es galt als eine Frage der Zeit, bis Russland Deutschland als größten europäischen Absatzmarkt überholen würde. Dann aber kamen der Ölpreis- und der damit einhergehende Rubelkursverfall, kamen westliche Finanzsanktionen wegen des Ukraine-Kriegs. Im vergangenen Jahr kauften die Russen nur noch 1,4 Millionen Personenwagen, davon knapp 37.000 von Mercedes.

„Mutter Russland fährt Mercedes“

In diesem Jahr soll der Markt wieder wachsen. Beliebt sind vor allem günstige Fahrzeuge der Marken Lada, Kia oder Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern produziert selbst in Russland, fertigt in seinem Werk in Kaluga süd-westlich von Moskau auch Fahrzeuge der Eigenmarken Skoda und Audi. BMW produziert schon länger in Russlands baltischer Exklave Kaliningrad, dem früheren Königsberg. Mercedes-Benz lässt gemeinsam mit dem russischen Hersteller GAZ in Nischnij Nowgorod Kleintransporter vom Typ Sprinter fertigen - und zieht nun auch bei Personenwagen nach, mit einer neuen Fabrik rund 40 Kilometer nordwestlich von Moskau.

Birken und Nadelbäume sind dort bereits gewichen, für mehr als 250 Millionen Euro soll nun ein neues Werk mit Glasdach entstehen. Von 2019 an sollen darin Limousinen der E-Klasse und SUV-Geländewagen vom Band laufen, mehr als 20.000 im Jahr. Für eine Feierstunde zum Beginn der Arbeiten hat man auf die Ebene einen Pavillon gesetzt und davor Sportwagen, Limousinen und SUV gefahren. Fahnen mit Firmenlogo wehen im Wind, es gibt Loungemusik und Häppchen, Münchner Bier und Wurst an Stehtischen mit Blumenschmuck im Neonlicht. Der Gouverneur des Moskauer Gebiets sowie der Industrie-und Handelsminister sind mit Hubschraubern eingeflogen und lassen sich von den Unternehmensvertretern die Autos zeigen. Die Redner sprechen von einem „historischen Ereignis“, von 1000 Arbeitsplätzen, von Aus- und Weiterbildung, Qualitätskontrolle, Umweltschutz. „Wir bauen die Autos dort, wo die Kunden sind“, sagt ein Stuttgarter Manager. Im vergangenen Jahr sei man Russlands „Topseller im Premiumsegment“ gewesen, zum vierten Mal nacheinander.

Was er nicht sagt: dass insgesamt weniger Autos verkauft wurden als im Vorjahr. Und dass auch von Januar bis Mai dieses Jahres, als der Markt für Personenwagen insgesamt wieder wuchs, der Verkauf von Mercedes in Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut der Association of European Businesses um acht Prozent zurückging. Aber vielleicht ändert sich das ja, „Lokalisierung“ sei Dank. „Wir bauen die Autos, die unsere russischen Kunden lieben“, sagt der Manager und gibt als Ziel aus: „Mutter Russland fährt Mercedes.“ Minister und Gouverneur heben die Partnerschaft von Mercedes mit dem russischen Lastwagenhersteller Kamaz hervor, die das Projekt hier erst möglich mache; Kamaz gehört zur Staatstechnologieholding Rostec, deren Chef, Sergej Tschemesow, in den letzten Jahren der Sowjetunion zusammen mit Putin in Dresden geheimdienstlich tätig war. Von Stuttgarter Seite heißt es auf Nachfrage nach den Reden, das Joint-Venture führe nicht dazu, dass Kamaz auch „ins Werk“ hineinkomme. Der russische Markt, so viel wird selbst bei dem Festtermin klar, hat seine Besonderheiten.

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