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Mercedes in Russland : Stern des Ostens

Nach Ansicht Borodkins befördert es „ohne Zweifel“ den Verkauf, dass auch die Führung des Landes Mercedes fährt. Allen voran wird Präsident Wladimir Putin in überlangen, schwarzen Limousinen des Typs S-600 Pullman herumgefahren und dabei von einer Staffel schwarzer Geländewagen mit rundum getönten Scheiben eskortiert, der kantigen G-Klasse, in der Leibwächter vom Geheimdienst sitzen. Wenn Putin in einer solchen Kolonne von seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo westlich von Moskau ins Zentrum der Hauptstadt braust, mit hoher Geschwindigkeit über den breiten, dann für den gewöhnlichen Verkehr gesperrten Kutusowskij-Prospekt, vorbei am Luxushotel „Ukraine“ im Stalin-Stil und dem Regierungssitz im „Weißen Haus“, könnten die Bilder aus einem Werbefilm für die deutsche Marke stammen.

Zumal die schwarze Pracht noch weißblaue Mercedes-Polizeiwagen mit Blaulicht und Sirenen begleiten. Das Rundumpaket der Macht mit brachialem Charme lässt jede Bundeskanzlerin, sogar jeden bayerischen Ministerpräsidenten bescheiden aussehen. Unvorstellbar wird da, warum einst nötig gewesen sein soll, was dem Mutterkonzern Daimler in den Vereinigten Staaten vorgeworfen wurde: in Russland wie in 21 weiteren Ländern Amtsträger bestochen zu haben, um Mercedes-Benz Staatsaufträge zu verschaffen. Der amerikanische Rechtsstreit wurde 2010 mit einem Vergleich beendet, der eine Zahlung in dreistelliger Millionenhöhe vorsah. Um einen russischen Ableger des Korruptionsverfahrens ist es ruhig geworden.

„Eine ganze neue Linie vaterländischer Automobilproduktion.“

Ganz anders als in der Weltpolitik, in der selbst das Automobil unter die Räder kommt. Denn die manifeste Vorliebe der russischen Führung für die schwäbische Weltmarke widerspricht dem zuletzt forcierten Kreml-Trend zur „Importsubstitution“. 2014 hatte die Regierung unter Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew, der selbst Mercedes-Limousinen nutzt, sogar Staatsdienern verboten, ausländische Automobile für staatliche Fuhrparks zu kaufen, mit Ausnahme ausländischer Marken, die in Russland produzieren, was unter dem Stichwort der „Lokalisierung“ gefördert wird, etwa mit Steuerbegünstigungen. Aber auch, indem Russland auf Bauteile und fertige Autos hohe Einfuhrzölle erhebt. Putins gepanzerte Pullmans sind jedenfalls bislang keine russischen Patrioten.

Jüngst kam der Widerspruch zwischen Rhetorik und Realität sogar im „Direkten Draht“ zur Sprache, einer mehrstündigen Fernsehsendung, in der sich Putin einmal im Jahr ausgewählten Fragen stellt und Volksnähe demonstriert. Putin selbst verlas eine Frage an ihn: „Wann wird der Präsident Russlands in einem vaterländischen Automobil fahren?“ Und antwortete gleich selbst: „Ich hoffe, bald. Das ist keine müßige Frage. Das ist wirklich so. Ich habe den Leiter einer westlichen Autofirma gefragt, in welchem Auto er fährt, und er sagte: 'Selbstverständlich...' und nannte die Firma, für die er arbeitet. Das ist natürlich. Und ein solches Land wie Russland muss eine Automobillinie produzieren, die auch die ersten Personen des Staates benutzen. Wir arbeiten jetzt daran“, verkündete Russlands allererste Person. „Ich hoffe, dass sie schon zum Ende des Jahres 2018 erscheint.“ Putin holte weit aus: „Aber das wird nicht nur eine Automobillinie für die ersten Personen sein, nicht nur mit Limousinen, das wird eine ganze Linie: Geländewagen, Kleinbus, Hatchback und so weiter.“ (Ein Hatchback ist ein Auto mit Schrägheck.) „Das heißt, das wird eine ganze neue Linie vaterländischer Automobilproduktion.“ Soweit der Präsident.

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