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Projekt für Kinder mit ADHS : Das glaubt Mama uns nie!

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Mit anderen Kindern Abenteuerleben wie hier in Südtirol, kennt Cem nicht. Zu Hause in Hamburg verbringt er die Nachmittage mit Fernsehen und Handydaddeln. Bild: Petra Meyer-Schefe

Cem ist zehn Jahre alt und hat ADHS. Er braucht Ritalin, sagen die Lehrer. Er braucht Erfolgserlebnisse, sagt seine Mentorin Petra Meyer-Schefe – und fährt mit ihm in die Berge.

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          Sieben Jahre alt war Cem, als er zum ersten Mal seine kleine Hand in meine schob. Das Mentorprojekt „Yoldaş“ der Bürgerstiftung Hamburg, das sich um sozial benachteiligte Kinder mit türkischen Wurzeln kümmert, hatte uns zusammengebracht. „Yoldaş“ ist das türkische Wort für Weggefährte. Und das sind wir einander seit bald vier Jahren. Jeden Freitag hole ich Cem (der eigentlich anders heißt) von der Schule ab, dann gehen wir auf den Spielplatz, ins Schwimmbad, ins Museum oder auch mal zum Tierpark Hagenbeck, Elefanten füttern – alles Dinge, die sonst keiner mit ihm macht. Die alleinerziehende Mutter, jung, überfordert und schnell genervt, liebt ihren Sohn, weiß aber wenig mit ihm anzufangen. Selbst an schönen Sommertagen läuft der Fernseher, bleibt das Handy der liebste Zeitvertreib.

          Für Cem ist das eine Katastrophe. Besonders am Montag ist er in der Schule zu nichts zu gebrauchen. Lesen, Schreiben, Rechnen – alles fällt ihm schwer. Lernen überhaupt, weil in seinem Kopf immer so ein Durcheinander ist. Keine Minute kann er stillsitzen. Gefürchtet sind seine Faxen wie seine Wutausbrüche. Seit drei Jahren wird er wegen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) mit Methylphenidat behandelt, das auch unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt ist. Für seine Lehrerinnen in der Grundschule blieb er dennoch ein hoffnungsloser Fall. Ob ich mich beim Therapeuten nicht dafür stark machen könne, dass die Dosis erhöht wird, fragte mich seine Klassenlehrerin mal. Wie immer tigerte Cem allein und wie ferngesteuert auf dem Schulhof herum, gefangen in seiner eigenen Phantasiewelt. „Der Junge braucht nicht mehr Pillen, er braucht Erfolgserlebnisse“, erwiderte ich wütend. Und genau die wollte ich ihm mit einer Reise geben. Ein kleiner Schubs für mehr Selbstvertrauen, wenn er auf einer neuen Schule in die 5. Klasse kam.

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