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Melissa McCarthy im Gespräch : „Bei meinen Eltern steht eine Pappfigur von mir“

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Der Erfolg von McCarthy im künstlichen und figurbewussten Hollywood ist ein Stück Magie Bild: Warner Brothers

Seit „Brautalarm“ ist sie eine Komödien-Allzweckwaffe. Im Interview spricht Melissa McCarthy über die große Liebe, Phantasie und ihre dunkle Seite.

          7 Min.

          In Hollywood wird nichts dem Zufall überlassen, Karrieren konzipiert, Körper mit Hilfe von Diäten und der Schönheitsindustrie modelliert. Trotzdem ereignen sich alle paar Jahre diese mysteriösen Systemfehler, deren Resultat ein freies Radikal ist, das die Norm der Celebrity-Maschinerie als eine Art Antithese sabotiert. Als die 1,57 Meter große Melissa McCarthy aus Plainfield, Illinois, 2011 mit dem Überraschungserfolg „Brautalarm“ ein Star wird, ist sie beinahe vierzig Jahre alt, verheiratete Mutter zweier Kinder, zwanzig Jahre im Geschäft und hat nicht nur ein paar Pfunde zu viel auf den Hüften.

          Melissa McCarthy hat keine „Kurven“, ist nicht „vollschlank“, sondern eindeutig stark übergewichtig und gerade deswegen auf völlig unorthodoxe Weise in ihrer Welt besonders – als permanente Provokation des Body-Mass-Index. Und doch gehen nach „Brautalarm“ nicht nur die Karrieren von Hauptdarstellerin Kristen Wiig oder Kollegin Rose Byrne durch die Decke, sondern auch die von McCarthy. Seither wird sie in Filmen wie „Voll abgezockt“ oder „Hangover 3“ als Komödien-Allzweckwaffe besetzt; in „Taffe Mädels“ hoffte sogar Sandra Bullock an ihrer Seite durch Synergieeffekt die Popularität vergangener Zeiten zu reanimieren.

          McCarthys Leinwand-Präsenz ist mit den Wundermitteln durchwirkt, die vielen Veteranen im Dauerrampenlicht abhandenkommen: Empathie und Authentizität. Da treten ihre überschüssigen Pfunde dann magisch in den Hintergrund, und es bleibt eine enorm einnehmende Persönlichkeit, wie sie auch im Interview wieder beweist.

          Vor der Kamera beweisen Sie oft bewundernswerten Mut zur Unattraktivität. Wie haben Sie gelernt loszulassen?

          Ich lasse mich von den Kollegen inspirieren, die ich am komischsten finde, Teri Garr zum Beispiel. Am witzigsten wird es für mich immer dann, wenn Figuren wirklich jede Form von künstlich aufrechterhaltener Würde verloren haben und der Arsch sind – am Ende, am Boden, hilflos und peinlich. Wenn dieser Moment des Fremdschämens einsetzt und ich trotzdem lachen muss, das finde ich phantastisch. Ich liebe dieses Gefühl. Und trotzdem hat es nichts mit Schadenfreude oder Gemeinheit zu tun. Das sind nämlich zwei Dinge, die ich überhaupt nicht mag.

          Sie spielen diese Frauen auch in ihren peinlichsten Momenten immer noch mit Zärtlichkeit.

          Weil ich immer denke, ich kenne diese Person. Das könnte sogar ich sein. Ich habe immer Mitgefühl. Und ich finde es so spannend, mich dieser Situation auszusetzen. Schon als ich mit der Schauspielerei anfing, dachte ich immer: Keine falsche Eitelkeit, gib alles und zwar ohne Rücksicht auf Verluste.

          Melissa McCarthy, hier im Film „Tammy“, ist sich für keinen Schabernack zu schade
          Melissa McCarthy, hier im Film „Tammy“, ist sich für keinen Schabernack zu schade : Bild: AP

          Hat es einen Suchtfaktor, Menschen zum Lachen zu bringen?

          Unbedingt. Denn es ist die pure Freude. Ich muss gestehen, ich versuche sogar in Bars oder Restaurants Menschen zum Lachen zu bringen. Wildes Gelächter auszulösen, das ist, als ob ich es schaffe, diese Menschen für ein paar Sekunden ihren Verstand verlieren zu lassen. Ich mag den Sound von Gelächter. Mein Mann Ben und ich beobachten manchmal andere, fürchterlich ernste Paare, die kaum miteinander reden oder eine Miene verziehen. Für uns ist das so undenkbar, dass wir davon regelrecht fasziniert sind. Wir machen ständig merkwürdige Dinge. Es ist nicht so, als ob wir ständig im Spaß-Modus sind. Aber Humor macht das Leben glücklicher.

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