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Generationen-Daten : Immer seltener unter einem Dach

Vier Generationen unter einem Dach: Dieses Wohnmodell, das hier in einer Wohngemeinschaft in Eyach noch gelebt wird, ist in Deutschland immer seltener. Bild: dpa

Drei Generationen in einem Haus – diese Konstellation gibt es in Deutschland immer seltener. Zwar wohnen vor allem auf dem Land Jung und Alt noch oft zusammen, doch auch dort ist das ein Auslaufmodell.

          Immer seltener leben in Deutschland mehrere Generationen unter einem Dach. Das zeigen die neuen Mikrozensus-Daten des Statistischen Bundesamtes. Nur in gut einem Viertel aller Haushalte (28,1 Prozent) wohnen mehrere Generationen zusammen und wirtschafteten mit einer gemeinsamen Haushaltskasse. Überwiegend lebt dabei die mittlere Generation mit ledigen Kindern zusammen (26,9 Prozent).

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Selten bestehen Haushalte aus mittlerer und älterer Generation (0,7 Prozent). Nur in 0,5 Prozent der Haushalte lebten und wirtschafteten drei oder mehr Generationen zusammen. Diese Form des Zusammenlebens verschwindet schnell: Zwischen 1995 und 2015 ist die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Generationen um 40,5 Prozent von 351000 auf 209000 gesunken. Auffällig ist hier ein hoher Anteil von Alleinerziehenden, er lag bei 39 Prozent – bei Eltern mit ledigen Kindern bei 24 Prozent. Die Statistiker vermuten, dass hier die mittlere Generation nach einer Trennung oder dem Tod des Partners wieder stärker „auf das Solidaritätsnetz der Herkunftsfamilie“ zurückgreift.

          „Haushalte mit mehreren Generationen werden insgesamt immer seltener“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Dieter Sarreither, am Donnerstag in Berlin. So sank die Zahl der Haushalte von Eltern mit ledigen Kindern von 1995 bis 2015 um 13,9 Prozent von 12,8 Millionen auf 11 Millionen. In 266 000 Haushalten lebte 2015 die mittlere Generation mit den Eltern zusammen; vor 20 Jahren waren es noch 324 000 gewesen. In diesen Fällen lebt zu 62,8 Prozent nur ein Elternteil mit im Haushalt. Die gesundheitliche Verfassung der Älteren ist oft nicht gut, 18 Prozent von ihnen erhielten 2015 Pflegegeld. Beim Zusammenleben Erwachsener mit beiden Elternteilen waren es hingegen nur 2 Prozent.

          Kaum Bildungsmobilität

          Die Statistiker haben nicht ermittelt, wie oft Erwachsene aus finanzieller Not mit der älteren Generation zusammenleben. Das Zusammenleben mit ledigen Kindern prägt auch die Arbeitssituation: In diesen Haushalten mit zwei Generationen sind drei Viertel der Frauen nicht erwerbstätig (29,7 Prozent) oder arbeiten in Teilzeit (45,9 Prozent). Dies trifft zusammen genommen aber nur auf gut jeden fünften Mann (18,3 Prozent) zu.

          Die Statistiker kommen überdies nach der Datenerhebung zu der Erkenntnis, dass „Bildungsmobilität“ in Deutschland kaum gegeben ist. 2011 hätten 42 Prozent der 25 bis 59 Jahre alten Personen mit niedrigem Bildungsabschluss auch Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss gehabt. Bei den hoch Gebildeten dieser Altersgruppe seien nur 6 Prozent aus einem niedrig gebildeten Elternhaus gekommen. Damit liege Deutschland in der EU-Statistik ganz am Ende. Gleichzeitig hätten 50 Prozent der Personen mit hohem Bildungsabschluss auch Eltern mit hoher Bildung. In der EU erreichten nur Estland und Schweden denselben Wert.

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