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Initiativen fürAnalphabeten : „Dekade für Grundbildung“

Eine Schülerin der zweiten Klasse schreibt das ABC an Tafel. In Deutschland sind mehr als sieben Millionen Menschen Analphabeten. Bild: dpa

Analphabeten sollen mit neuen Schulungsangeboten dazu angeregt werden, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Die Initiativen appellieren auch an die Unterstützung von Arbeitgebern.

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          Die mehr als sieben Millionen Analphabeten in Deutschland, die gar nicht oder nur eingeschränkt lesen und schreiben können, sollen mit neuen Vorhaben und Schulungsangeboten ermuntert werden, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka rief am Montag in Berlin eine „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ aus, für die der Bund im Zeitraum von zehn Jahren 180 Millionen Euro aufwenden will. Die Bundesländer werden sich mit weiteren Mitteln beteiligen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die hohe Zahl von Analphabeten war vor fünf Jahren in einer Studie ermittelt worden. Damals lauteten die Ergebnisse, dass 14 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nicht oder stark eingeschränkt lesen und schreiben können. 4,5 Millionen dieser „funktionalen Analphabeten“ sind erwerbstätig, die Mehrheit (60 Prozent) sind Männer. Die Muttersprachler überwiegen mit einem Anteil von 58 Prozent; rund ein Fünftel der Analphabeten hat die Schule erst kürzlich verlassen (Alter zwischen 19 und 28 Jahren). Wanka sagte, die Initiativen zum Lesen- und Schreibenlernen appellierten auch an die Unterstützung von Arbeitgebern: Sie sollten ihre Arbeitskräfte ermutigen, diesen Schritt zu tun, und sich bewusst sein, dass sie von den Fortschritten profitierten.

          Zwar neigten Analphabeten dazu, ihr Manko zu verbergen, doch hätten die ersten Studien über Ursachen und Erscheinungsformen des Analphabetismus, die seit 2011 verfertigt worden seien, auch gezeigt, dass die Zahl von Mitwissern recht groß sei. In Umfragen gäben 40 Prozent der Befragten an, ihnen seien Analphabeten in ihrer Umgebung bekannt. Diese Mitwisser seien wichtige Ansprechpartner für die neuen Kampagnen und Lernangebote.

          „Die Anstrengung, Lesen und Schreiben zu lernen, ist geringer als die Anstrengung, jahrzehntelang zu verbergen, dass man es nicht kann“, sagte Wanka. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz der Länder, die Bremer Senatorin Claudia Bogedan, bedauerte, dass Alphabetisierung „nicht eines der bildungspolitischen Top-Themen“ sei. Mit den zusätzlichen Mitteln wollten die Länder auch die Anbieter der Lese- und Schreiblernkurse für Erwachsene „professionalisieren“.

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