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Royaler Nachwuchs angekündigt : Et in Arcadia Harry

Ein Mann wie ein Baum, Meghan wie Noahs apokryphe Frau Haikal in seinem Schoß: Gruppenbild zum Valentinstag. Bild: AFP

Ein lichtdurchfluteter Park, ein kugelrunder Bauch und zwei strahlende Royals: Die Ankündigung des zweiten Kindes von Prinz Harry und Meghan hat etwas paradiesisches – zu verdanken haben sie das dem Fotografen Misan Harriman.

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          Bilder transportieren Träume, können ihre Betrachter in Traumgefilde versetzen. So versucht es das Trio Harry und Meghan, Herzog und Herzogin von Sussex, und der Fotograf Misan Harriman mit dem Bild von Meghans Schwangerschaft. Kaum zufällig am Valentinstag über Instagram in die Welt gesandt, liegt dort Meghan in einem lichtdurchfluteten Park mit kugeligem Bauch horizontal mit dem Kopf in Harrys Schoß. Dieser senkt seinen Kopf und lächelt ihr zu.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Beide sind schlicht gewandet und barfuß. Das helle, grobe Hemd von Prinz Harry, vor allem aber das lang fallende Leinenkleid von Meghan sollen die neue Einfachheit signalisieren, das Lagern auf der Erde ein „down to earth“ jenes Paares, das sich vom englischen Königshaus losgesagt hat. Sehr unroyal wirken Harrys entblößte Füße, deren vom Barfußlaufen leicht angeschmutzte Ballen in der Tradition von Manets „Olympia“ und Menzels Fußporträts auf die Kamera zuhalten und dadurch unverhältnismäßig groß werden. Auffällig ist, dass Meghans nackte Füße wie bei einer griechischen Karyatide vom Kleid verdeckt sind, das ohnehin klassisch wirkt.

          Überwog in den letzten Jahren auf den Titelblättern der Hochglanzmagazine die Präsentation runder Bäuche im Stehen (so bei Demi Moore, Beyoncé oder Serena Williams), wird hier die harmonische Einbettung einer Kleinfamilie in Landschaft gezeigt. Harriman sah laut Interviews in den beiden „Seelenverwandte“.

          Eine quasiparadiesische Deutung

          Der Fotograf, in Nigeria geboren und in England sozialisiert, ist politisch aktiv. Er engagiert sich stark für „Black Lives Matter“ und lässt auch in seine Modefotografie Politisches einfließen. Im September vergangenen Jahres verkündete er auf Social Media, er sei stolz darauf, mit seinem Cover der britischen „Vogue“ der erste schwarze Fotograf in der 104-jährigen Geschichte des Magazins zu sein. Anders als bei seinen sonstigen Bildern, insbesondere jenen schwarzer Aktivisten, hat Harriman beim Entwickeln die Kontraste stark herausgenommen, was die beiden hell gekleideten Protagonisten teils mit den Lichtreflexen auf dem Baum und der Natur weichzeichnerisch verschmelzen lässt.

          Eine quasiparadiesische Deutung wird dadurch verstärkt, dass das Bild nicht über einen privaten Kanal, sondern über die vom Paar gegründete Wohltätigkeitsorganisation Archewell verschickt wurde, worin als Wort das biblische Schiff steckt. Wie Noah ist Harry nach der Sintflut der Arche entstiegen, um mit seiner Frau und den kommenden Kindern die Natur zu besiedeln. Zudem wirkt das Idyll wie ein Hochzeitsfoto im Sommer – das Paar drapiert im Park, leger ohne die erst kurz vor der Trauung gekauften drückenden Schuhe. Das subtilste an dieser Inszenierung ist damit, dass das Paar so die Bilder der hochoffiziellen Staatstrauung in unserem Bildgedächtnis zu überschreiben versucht: Es war damals nur ein belastender Traum, wir haben uns freigekämpft vom Königshaus und reinszenieren ein nun wirklich selbstbestimmtes Hochzeitsfoto mit kommendem Kind. Nur seltsamerweise ohne Erstgeborenen.

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