https://www.faz.net/-gum-a9dq4

Unabhängig und ehrgeizig: Herzogin Meghan Bild: AP

Reaktionen in Großbritannien : Team Meghan gegen Team Queen

Vor allem für das ältere England hat Herzogin Meghan mit ihrem Interview eine Grenze überschritten. Beifall erhält sie hingegen von Gegnern der Monarchie, die ihr negatives Bild bestätigt sehen.

          2 Min.

          „Prinzessin der Herzen“ war Herzogin Meghan nie, obwohl ihr Ehemann, Prinz Harry, lange Zeit als beliebtester Royal galt und sie den Ehrentitel ihrer verstorbenen Schwiegermutter Diana vermutlich nur zu gerne übernommen hätte. Meghan hatte Bewunderer, als sie vor vier Jahren die royale Bühne betrat, aber eine warme Beziehung zu den Untertanen der Königin konnte die Herzogin von Sussex nie herstellen. Jetzt gehört sie, höflich ausgedrückt, zu den umstritteneren Mitgliedern der Familie, übertroffen wohl nur noch von Harrys Onkel, Prinz Andrew.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Vor allem für das ältere, konservative England hat Meghan mit ihrem Interview in Amerika eine Grenze überschritten. Der „gemeine, destruktive und eigennützige Unsinn“, den sie in dem Gespräch mit Oprah Winfrey von sich gegeben habe, sei nichts anderes als ein „infamer Verrat an der Queen“, kochte Piers Morgan, der in seiner täglichen Frühstücksshow „Good Morning Britain“ höchste Einschaltquoten erzielt. Beifall erhielt Meghan hingegen von Gegnern der Monarchie, die ihr negatives Bild der Windsors bestätigt sehen, und von Aktivisten, die an einen systemischen Rassismus in England glauben.

          Davon war nicht viel zu spüren gewesen, als die in Los Angeles geborene Meghan in die Familie aufgenommen wurde und bald darauf ihr erstes Kind erwartete; im Gegenteil. Der größte Teil der Öffentlichkeit bejubelte die Aussicht, dass die Royals sich nun öffneten und die multikultureller gewordene Gesellschaft im Königreich, ja im Commonwealth überhaupt, besser widerspiegeln konnten. Aber die 39 Jahre alte Meghan wollte nicht spiegeln oder repräsentieren, sie wollte sich politisch einmischen. Sie hatte kein Interesse daran, sich einzuordnen, sondern beanspruchte eine eigene Show.

          Ihre Kritikerinnen – Kritikern wäre das nicht durchgegangen – hatten vorausgesagt, dass die unabhängige, ehrgeizige Schauspielerin die royale Bühne nutzen würde, um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und dann weiterzuziehen. Nur wenige hatten indes vermutet, dass Meghan beim Abschied ihren Mann unterhaken würde. Nun schwinden auch Sympathien für Harry, der für viele vom Verführten zum Komplizen geworden ist.

          In verblüffend kurzer Zeit gelang es Meghan, die Royals, die sich noch vor wenigen Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit befanden, wieder ins Gerede zu bringen. Gleichzeitig spaltete sie die Klatschgesellschaft und nicht nur sie. Laut Umfragen zählen sich in Großbritannien die Jüngeren tendenziell zum „Team Meghan“, die Älteren zum „Team Queen“. Sogar ein nationaler Graben tut sich zwischen den Zuschauermehrheiten in Großbritannien und in Amerika auf. Dort, in ihrer Heimat, steht Meghan für die Noblesse der Meritokratie.

          Weitere Themen

          Versöhnung zwischen den Brüdern in Sicht?

          Prinz William und Harry : Versöhnung zwischen den Brüdern in Sicht?

          Nach dem Interview mit Oprah Winfrey kriselt es in der britischen Königsfamilie. Anlässlich der Trauerfeier für seinen Großvater kehrte Prinz Harry in die Heimat zurück – kam es danach zur Versöhnung mit Bruder und Vater?

          Topmeldungen

          Bedankt sich für die Unterstützung in den vergangenen Tagen: der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Dienstag in München

          Nach Rückzug in der K-Frage : Als Verlierer wird Söder in der CSU nicht gesehen

          Markus Söder zieht seine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur der Union zurück – und zählt dabei auf, wie viele in der CDU sich für ihn ausgesprochen haben. Für CSU-Generalsekretär Blume ist er gar „erkennbar der Kandidat der Herzen“.
          Hubertus Heil

          Corona-Krise : Heil will neue Testpflicht für Betriebe schon verschärfen

          Gerade erst ist die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft getreten, da kündigt die SPD eine Verschärfung der umstrittenen Testangebotspflicht an. Sie wettert dabei gegen „Profitimaximierung“ in der Wirtschaft.
          Die Kuppel des Reichstagsgebäudes am 26. Juli 2008.

          F.A.Z. Einspruch : Das Parlament als Polizeibehörde

          Angeblich verfrachtet die „Notbremse“ nur in Bundesrecht, was auf Landesebene so oder ähnlich oft ohnehin schon galt. Doch dieser Formwechsel ist für den Einzelnen und auch für die Demokratie bedrohlicher, als es zunächst scheinen mag. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.