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Meg Ryan im Interview : „Ich wollte einfach raus aus diesem Business“

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Amerikas Sweetheart von einst: „Ich habe mir immer wieder vor Augen geführt, dass man als Mensch aus Fleisch und Blut stets mehr ist als ein wandelnder Archetyp.“ Bild: EPA

Vor zehn Jahren hat sich Meg Ryan weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt spricht sie über ihren Abschied von der Schauspielerei, den weiblichen Blick im Film-Business und ihre eigene Zukunft.

          Zehn Jahre ist es her, dass Meg Ryan in „The Women“ und „Serious Moonlight“ ihre letzten großen Kinorollen spielte. Danach zog sich die Amerikanerin, die einst mit „Harry und Sally“ von 1989 für eine ganze Generation einen bestimmten Typus der Romantik idealtypisch verkörpert hatte, größtenteils aus der Öffentlichkeit zurück. Erschien sie dort doch einmal, gab es in sozialen und Boulevard-Medien hässliche Gerüchte über angebliche Schönheitsoperationen; ihr Regiedebüt „Ithaca“ sorgte vor drei Jahren für eher wenig Aufsehen. Nun kehrt die 56 Jahre alte Schauspielerin beim Filmfestival in Locarno kurz ins Rampenlicht zurück, um einen Ehrenpreis entgegenzunehmen – und mit der Presse zu reden, was sie legendär unwillig tut. Man muss sich nur einmal auf Youtube das katastrophale Gespräch des britischen Moderators Michael Parkinson von vor 15 Jahren mit ihr ansehen. Es überrascht also nicht weiter, dass sie an diesem sonnig-schwülen Augustmittag im Tessin besonders wenig Lust auf Pressearbeit hat; alle Einzelinterviews hat sie kurzfristig abgesagt. So sitzt dann gleich eine ganze Gruppe Journalisten im noblen Hotel „Villa Orselina“ mit Blick auf den Lago Maggiore und rechnet mit dem Schlimmsten. Doch siehe da: Meg Ryan hat gute Laune. Sie lacht viel und hört jeder einzelnen Frage konzentriert zu.

          Miss Ryan, Sie haben hier beim Filmfestival in Locarno gerade den „Leopard Club Award“ für Ihr Lebenswerk bekommen. Blicken wir also zurück auf Ihre Karriere. Gleich für Ihren ersten Film standen Sie vor der Kamera einer Kino-Legende, nicht wahr?

          Das stimmt, ich hatte 1981 eine kleine Rolle in George Cukors letztem Film „Reich und schön“. Damals habe ich mir noch nicht wirklich bewusst gemacht, mit wem ich da arbeite. Aber im Rückblick ist das schon ein erstaunlicher Zufall, schließlich war Cukor der Regisseur schlechthin für romantische Komödien in Hollywoods goldenem Zeitalter. Viele seiner berühmtesten Filme gehören zu diesem Genre – und für mich gilt ja das Gleiche. Wobei ich dazusagen muss, dass es gar nicht er war, der mich engagierte. Cukor sprang nämlich erst ein, als der ursprüngliche Regisseur ausfiel.

          Freudestrahlend: Meg Ryan mit ihrem „Leopard Club Award“ auf dem Filmfestival in Locarno.

          Cukors Karriere in Hollywood umfasste ja fünf Jahrzehnte, er drehte mit Katharine Hepburn, Clark Gable, Cary Grant, James Stewart, Greta Garbo, Marilyn Monroe, Audrey Hepburn, war Regisseur etwa von „Vom Winde verweht“. Haben Sie noch Erinnerungen an ihn?

          Er hatte, nicht zuletzt dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seinem legendären Status, eine sehr selbstverständliche Autorität. Er war der geborene Patriarch an diesem Set. Eine Eigenschaft, die ich vor allem später zu schätzen lernte, als ich mit Männern und Frauen zusammenarbeitete, die zwar auf dem Regiestuhl saßen, aber eben nicht unbedingt das Talent zum Führen eines großen Teams hatten. Das zog stets großes Chaos nach sich. Besonders hängengeblieben von Cukor ist mir allerdings seine Anweisung: „Bloß nicht schauspielen“. Das war immer sein Rat an jeden im Ensemble, um auch wirklich authentische Darstellungen zu bekommen.

          Zum Star wurden Sie später mit „Harry & Sally“, und weil auch andere Ihrer großen Erfolge wie „Schlaflos in Seattle“, „French Kiss“ oder „E-Mail für Dich“ romantische Komödien waren, galten Sie lange Jahre als „America’s Sweetheart“. Hat Sie dieses Image der Süßen sehr gestört?

          Das Label „America’s Sweetheart“ gab es auch schon vor mir. Mary Pickford beispielsweise wurde so genannt, zu Stummfilmzeiten. Und die Eltern meiner Freundin Nora Ephron, mit der ich viele Filme zusammen gemacht habe, schrieben auch schon Drehbücher, in denen es diesen Frauentyp gab. Er war nur später für viele Jahre verschwunden, bis Nora ihn in ihren Filmen für mich aus der Versenkung holte. Das war natürlich eine Ehre. Aber wie es so ist mit Labels, die man verpasst bekommt: Sie können auch einschränkend sein.

          Haben Sie dagegen rebelliert?

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