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Meg Ryan im Interview : „Ich wollte einfach raus aus diesem Business“

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Aber noch kurz zum Thema „pay gap“, also der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen, die ja auch in Hollywood gang und gäbe ist. War die je ein Thema für Sie, etwa wenn Sie mit Tom Hanks vor der Kamera standen?

Damals basierten unsere Gagen fast ausschließlich darauf, was man beim vorangegangenen Film bekommen und wie viel der eingespielt hatte. Box-office power, die Macht an der Kinokasse, so wurde das genannt. Deswegen gab es etliche Jahre, in denen ich sehr gut bezahlt wurde, einfach weil meine Filme erfolgreich waren. Ich bekam sogar mal einen Preis, weil ich die Schauspielerin war, die am meisten Geld in die Kinokassen brachte. Aber das ist es ja ohnehin, bei all diesen Themen: Wer erfolgreich ist, der hat Glück gehabt, denn Erfolg schützt dich. Finanziell, aber auch vor Übergriffen. Mich hätte niemand belästigt, schließlich war ich erfolgreich und hätte an die Presse oder zu meinen Agenten gehen können. Aber für eine junge Schauspielerin, die zum Vorsprechen geht, gilt das eben nicht. Dieses Ungleichgewicht müssen wir auffangen, denn natürlich sind die Strukturen dieselben wie immer schon. Dass sehe ich im Umfeld meines Sohnes, der auch Schauspieler ist. Er hat viele Freundinnen, die von ihren Agenten immer noch zu höchst fragwürdigen Castings geschickt werden.

Sie selbst stehen inzwischen nicht mehr vor der Kamera, sondern sind dahinter tätig. Wären Sie womöglich früher Regisseurin geworden, wenn Frauen wie Campion oder Ephron damals nicht Ausnahmen, sondern die Regel gewesen wären?

Nein, das hatte nichts damit zu tun, dass ich keine Vorbilder gehabt hätte. Ich wollte zunächst einmal einfach raus aus diesem Business. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem mich plötzlich Dinge nervten, die mich früher nie gestört hatten. Dass zum Beispiel die ganze Zeit jemand an dir herumfummelt, sei es, um das Make-up nachzubessern oder das Mikro einzurichten. Also habe ich eine Pause eingelegt, bin von L.A. nach New York gezogen und habe mich ganz neu gesammelt. Irgendwann wurde mir klar, dass ich nach wie vor gerne Geschichten erzählen will, nur eben auf eine andere Weise. Also inszenierte ich meinen ersten Film.

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Ihr häufiger Ko-Star und guter Freund Tom Hanks hat einmal über Sie gesagt, Sie seien hart im Nehmen. Würden Sie das unterschreiben?

Ich weiß natürlich nicht, was er damit meinte. Aber ich glaube, dass man auf gewisse Weise kugelsicher werden muss, wenn man berühmt wird. Man braucht einen Schutzpanzer, denn sobald man in der Öffentlichkeit steht, wird man ein wenig zum Freiwild. Plötzlich kann jeder über dich sagen und schreiben, was er will. Das muss man aushalten können.

Hat der Erfolg Sie verändert?

Er hat auf jeden Fall mein Leben verändert. Dabei hatte ich nie davon geträumt, berühmt zu werden. Ich war und bin immer schon glücklicher in der Beobachterrolle, als selbst im Mittelpunkt zu stehen. Aber das geht eben nicht, wenn man als Schauspielerin bekannt wird. Am schwierigsten war es immer, zu erleben, dass der Ruhm nicht nur auf meinen Alltag Auswirkungen hat, sondern auch auf andere. Mein Ex-Mann, mit dem ich mich gut verstehe, hat darüber erst letztens wieder gesprochen. Und unser gemeinsamer Sohn, der ja inzwischen auch Schauspieler ist, hat heute noch damit zu tun, dass seine Eltern bekannte Schauspieler sind. Gestört hat mich auch, dass man so einen guten bullshit detector entwickeln muss, weil man nie weiß, mit welchen Absichten sich das Gegenüber nähert. Mit einem Star gehen alle anders um als privat mit ihren Freunden und Familienmitgliedern. Das zieht letztlich ein Gefühl von Isolation nach sich. Und auch das war ein Grund, weswegen ich irgendwann mit diesem Leben nichts mehr zu tun haben wollte.

Klingt fast ein wenig so, als würden Sie Ihren Erfolg von damals verteufeln?

Nein, das dann doch nicht. Denn natürlich ist es auch wunderbar, zu erleben, dass man mit seiner Arbeit die Menschen berührt. Erst letztens saß ich wieder in New York in einem Taxi, als der Fahrer zu mir sagte: „Oh, Meg Ryan, Sie würde ich statt zur 23rd Street viel lieber nach Paris fahren.“ Solche Momente kann ich auch genießen!

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