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Meave Leakey : Die rastlose Knochenjägerin vom Rudolfsee

Dem Menschen auf der Spur: Die Paläoanthropologin Meave Leakey legt ein Kieferfragment nahe Koobi Fora frei. Bild: dapd

Wenn Meave Leakey mit ihrem jüngsten Fund den Beweis erbracht hat, dass zur gleichen Zeit drei Menschenarten in Afrika gelebt haben, wäre das eine Sensation – nicht nur unter Anthropologen.

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          Ein Blick auf die Liste der Erstbeschreiber homininer Fossilien ist vielsagend. Denn ein Name taucht immer wieder auf: Leakey. Da sind zunächst Louis und Mary Leakey, dann Jonathan und Richard sowie, als Jüngste im Bunde, Louise Leakey - nicht zu vergessen: Meave Leakey. Die soeben 70 Jahre alt gewordene Paläoanthropologin hat sich wie fast die gesamte Familie ihres berühmten Ehemanns Richard der Beantwortung einer Frage verschrieben: Woher kommen wir?

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Antworten findet Meave Leakey seit gut vier Jahrzehnten am Ufer des Turkana-Sees in Kenia, der auch Rudolfsee genannt wird. An ihm machte das Ehepaar Meave und Richard Leakey 1972 eine ihrer vielen bedeutsamen Entdeckungen - einen Schädel, allerdings ohne Unterkiefer und Zähne. Der Fund bekam die Katalognummer KNM-ER 1470, der zu ihm passende längst ausgestorbene Frühmensch den Namen Homo rudolfensis. In der vergangenen Woche fügte Meave Leakey dem Schädel ein Gebiss hinzu. Mit dem wenn auch gewiss nicht letzten Puzzlestück kann sich die Fachwelt nun fast sicher sein, dass gleich drei Menschenarten zur selben Zeit in Afrika lebten.

          Die drei von Meave Leakey und ihrem Team zwischen 2007 und 2009 bei Koobi Fora entdeckten und im aktuellen Heft von „Nature“ vorgestellten Kiefer- und Gesichtsfragmente passen weder zum Homo erectus noch zum Homo habilis. Das weiß die Wissenschaftlerin nur zu gut. Denn von einem der ersten aufrecht gehenden Menschen hatte sie 1984 mit ihrem Mann Richard ein ganzes Skelett ausgegraben, den sogenannten Turkana-Jungen. Und auch der andere Frühmensch ist eine Familienangelegenheit: Er erblickte 1963 das Licht der Welt, als ihr Schwiegervater Louis die Bruchstücke eines Schädels in Tansania entdeckte - des ersten Homo habilis. Er wurde später auf den Namen „Cindy“ getauft.

          Sie kam über den Affen zum Menschen

          Meave Leakey könnte nun endlich das an die zwei Millionen Jahre alte Rätsel um die angeblich drei Menschenarten in Afrika gelöst haben. Das wäre eine Sensation nicht nur unter Anthropologen. Es habe sich ausgezahlt, hartnäckig zu bleiben, sagt die Britin, die wie immer vorsichtig ist, auch weil sie weiß, dass ein paar Knochen alleine noch kein letztgültiger Beweis sind. Ihre drei Fossilien wollen sie und ihr Teamkollege Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig darum auch noch nicht als Homo rudolfensis bezeichnen.

          Die als Meave Epps in London geborene einstige Klosterschülerin ist trotzdem unbeirrt ihren Weg gegangen. Die Zoologin kam über den Affen zum Menschen - und in die Familie Leakey. Im TigoniPrimaten-Forschungszentrum in Nairobi traf die Doktorandin zunächst auf Louis Leakey, dem seine Liebe zu Afrika in die Wiege gelegt worden war. Er wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts als Sohn englischer Missionare in einem Kikuyu-Stamm in Kabete bei Nairobi auf. Nachdem er schon als kleiner Junge dort steinzeitliche Werkzeuge entdeckt hatte, studierte er in Cambridge Anthropologie und Archäologie. Gemeinsam mit seiner Frau Mary machte er die meisten seiner bedeutenden Funde allerdings nicht in Kenia, sondern in der Olduvai-Schlucht im heutigen Tansania. Ihren Sohn Richard - den jüngeren Bruder von Jonathan Leakey - heiratete Meave Epps 1970, Tochter Louise kam zwei Jahre später zur Welt, Samira 1974.

          Meaves Schwiegervater Louis brachte gleich mehrere junge Frauen dazu, das Verhalten frei lebender Menschenaffen zu erforschen: Jane Goodall (Schimpansen), Dian Fossey (Gorillas) und Birute Galdikas (Orang-Utans). Von ihrer Arbeit erhoffte sich Leakey Rückschlüsse auf das Verhalten der Vormenschen. Auch Meave Leakey, die bereits ihre Doktorarbeit über den Knochenbau moderner Affen verfasst hatte, stürzte sich unter seiner Anleitung auf die Primaten. Den Hominiden-Fossilien verschrieb sie sich erst, nachdem ihr Mann 1993 bei einem Flugzeugabsturz beide Beine verloren hatte. Zuvor schon hatte sie einen Teil seiner Aufgaben übernommen, weil er sich unter Präsident Daniel arap Moi zunehmend politisch engagierte.

          Während Richard Leakey vermehrt im Wild- und Naturschutz in Kenia tätig ist und unter anderem einen vielgelobten Pinot Noir auf seinem Weingut Zabibu bei Nairobi anbaut, kümmert sich Meave Leakey weiter vor allem um die menschlichen Ursprünge. Und das mit Tochter Louise in der inzwischen dritten Leakey-Generation. Louises Schwester Samira gräbt derweil außerhalb Afrikas nach ihrem Glück: Sie arbeitet für die Weltbank in Washington.

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