https://www.faz.net/-gum-70urx

Maximilian Schell im Gespräch : „Ich bin ja nichts geworden“

  • Aktualisiert am

Schell vor dem Haus seiner Schwester Maria auf seiner Alm in Kärnten Bild: Anna Jockisch

Er hat deutsche Soldaten und russische Emigranten gespielt, Opern und Filme inszeniert, er war mit Marlon Brando befreundet, bezauberte Judy Garland. Doch was sagt Maximilian Schell, 81, wenn man ihn fragt, ob sein Leben vollendet ist?

          9 Min.

          Herr Schell, wie muss man sich Ihr Leben gerade vorstellen, was machen Sie?

          Atmen.

          Ja, Atmen - wichtig.

          Sehr wichtig. Und ich muss sagen, diese Luft hier auf der Alm, die ist unglaublich. Manchmal, wenn ich so das Fenster öffne, es ist ein Traum. Das braucht man sehr. Die Ruhe und die Weite. Dann habe ich eine Schwimmhalle bauen lassen. Ich kann um 12 Uhr nachts schwimmen gehen.

          Machen Sie das auch, oder könnten Sie es nur?

          Zwei, drei Mal habe ich es gemacht; die Halle ist erst seit drei Monaten da. Aber wenn ich zu spät schwimme, das geht nicht, dann kann ich anschließend schlecht schlafen. Es weckt mich auf. Ich habe als junger Mensch viel Sport gemacht, Fußball, Tennis, das hat mich auch sehr geprägt.

          „Was soll man denn sonst tun als träumen?“
          „Was soll man denn sonst tun als träumen?“ : Bild: Anna Jockisch

          Waren Sie ein einfacher Teenager?

          Ich glaube, ja. Ich halte mich auch für einen einfachen Menschen. Wie alle schwierigen Menschen. Man hält sich für einen einfachen Menschen.

          Dieser Tage erscheint ein Memoiren-Band von Ihnen, weshalb Sie bei „Beckmann“ und „Markus Lanz“ auftreten. Sind Sie überhaupt viel unterwegs?

          Ja. Das ist das Einzige, was mich ermüdet.

          Sie reisen nicht gerne?

          Nein, nicht mehr.

          Haben Sie es früher genossen?

          Genossen nicht, aber es hat mir nicht viel ausgemacht. Wissen Sie, man wird ja in so eine Welt hineingeboren. In Wien in meinem Fall; na ja gut, dann ist man Wiener. Es bricht ein Krieg aus; na ja, dann bricht eben wieder ein Krieg aus. Dann bin ich eben Schweizer.

          Weil Ihre Familie - Vater Schweizer Schriftsteller, Mutter österreichische Schauspielerin, vier Kinder - 1938, nach dem „Anschluss“, aus Wien in die Schweiz ging.

          Ich hatte eine ganz normale Jugend, ging aufs Gymnasium. Danach wollte ich eigentlich nach Deutschland, nach München; dort war ich drei Jahre an der Universität. Ja, und dann nach London und New York und Hollywood. Ich dachte, das ist immer so. (lacht)

          So einfach?

          Na ja, klar. Man weiß ja nicht, wie es anderen Menschen geht. Man denkt: Da ist man halt.

          Nachdem ich Ihr Buch gelesen hatte, kam mir als erste Frage an Sie sofort in den Sinn: Wie fühlt es sich an, einer zu sein, den das Schicksal so begünstigt hat? FRAGE: Talent mitbekommen, Erfolg, interessante Leute getroffen . . . Empfanden Sie das so: begnadet zu sein?

          Eigentlich nicht.

          Man hält es für normal?

          Man weiß einfach, dass gewisse Dinge gut sind. Zum Beispiel der Montgomery Clift. Das vermisse ich sehr, diese wenigen Menschen, die wirklich Eindruck gemacht haben. Man hat ja nie genug Zeit.

          Andere Leben: Schell mit Edward Furlong in „Little Odessa“
          Andere Leben: Schell mit Edward Furlong in „Little Odessa“ : Bild: Fotex/Target

          Wenn man ein Talent hat, denkt man dann: Ich muss das Versprechen, das darin liegt, einlösen?

          Ja, ständig.

          Eine der Geschichten in Ihrem Buch, bei der ich dachte: Was für ein Leben!, ist die mit Judy Garland. Mit ihr spielten Sie in „Das Urteil von Nürnberg“ 1961, dem Film, für den Sie den Oscar bekamen. Beim Dreh sagte sie zu Ihnen: „Be mean to me.“ - Sei gemein zu mir. Denn sie spielte eine Zeugin der Anklage, und Sie waren der deutsche Verteidiger, der Sie ins Kreuzverhör nahm.

          Ja, als ihre Nahaufnahme gedreht wurde, in der sie weinen und schreien musste, brauchte sie off camera, hinter der Kamera, jemanden zur Ansprache. Sie sagte: „Be mean to me. More, more.“ Ich kann das ganz gut, ich bin ein guter Partner off camera. Eigentlich habe ich mir den Oscar für den Best Actor Off Camera verdient. (lacht)

          Nach dem „Be mean to me“ haben Sie, der unbekannte Kollege aus Europa, dann Judy Garland, den Inbegriff des Glamours, die Frau, die mit „Over the rainbow“ einen dieser Jahrhundertsongs gesungen hatte - die haben Sie zum Abendessen eingeladen, in Hollywood.

          Nein, außerhalb, in Malibu. Das war unheimlich romantisch. Anschließend sind wir im offenen Wagen - ich hatte einen offenen Wagen gemietet, weil ich die Sonne so mochte, typisch Europäer - gefahren, und sie saß neben mir. Im Autoradio spielte dann komischerweise „Over the Rainbow“ (er summt), aber nur das Orchester, ohne Stimme. Und sie sang mit, laut, auch als noch andere Lieder gespielt wurden, und wir fuhren so am Meer entlang. Plötzlich kamen diese entsetzlichen Commercials, McDonald’s, Beefsteaks, irgend so was, und danach kam Mozarts Jupitersinfonie. Irgendjemand hatte mir das genau erklärt mit der Sinfonieform, mein Musiklehrer vielleicht, der war wunderbar. Das habe ich ihr ein bisschen erklärt, schau, jetzt kommt die Wiederholung. (Er summt.) So sind wir bis vor ihr Hotel gefahren, das „Beverly Hills Hotel“, und sie stieg nicht aus. Wir saßen vor ihrem Bungalow, fast eine Dreiviertelstunde noch, und hörten Mozart im Radio. Irgendwann ergriff sie meine Hand, und ich spürte, die Hand war voll Tränen. Sie hatte vorher noch nie Mozart gehört.

          In so einem Moment sagt man sich sicher: Maximilian, du hast ein großes Schwein gehabt.

          Ja, manchmal schon. Aber es gab auch sehr viel Leid.

          Ja?

          Zum Beispiel die Filme, die ich als Regisseur gemacht habe. „Erste Liebe“ ging noch. Aber beim „Fußgänger“ zum Beispiel fehlten mir - ich weiß nicht mehr, wie viele - Millionen. Dann musste ich zu einem berühmten Verleiher, am Broadway, habe den Film vorgestellt und habe gebetet, dass der mir hilft. Aber er hat nicht geholfen. Es kommt immer sehr darauf an, wie sehr man etwas begehrt.

          Gibt es jemanden, den Sie beneiden?

          Ja. Hitchcock zum Beispiel. Weil der immer einen gehabt hat, der ihm die Filme finanzieren half. Ich würde einen Film nach dem anderen drehen. Jetzt zum Beispiel habe ich ein sehr, sehr schönes Drehbuch, über Napoleon und Beethoven - aber bis jetzt . . . Ich weiß gar nicht, an wen ich mich wenden kann. Meine Filme sind, obwohl sie alle ihr Geld eingespielt haben, nicht sehr kommerziell.

          Haben Sie den Eindruck, Ihr Leben ist noch unvollendet?

          Sehr.

          Aber es ist ein so reiches Leben; Sie haben so viel erreicht.

          Nein.

          Nein? Sie haben den Eindruck, es ist noch vieles unvollendet?

          Sehr viel.

          Was würden Sie gerne noch machen?

          Zum Beispiel den Film, den Friedrich Dürrenmatt und ich zusammen geschrieben haben, über Midas. Jetzt war ich gerade bei der Beerdigung von Charlotte Kerr, seiner Frau.

          Die Sie ihm einst vorstellten.

          Ja.

          Sie haben Montgomery Clift erwähnt. In „Das Urteil von Nürnberg“ ist für mich die ergreifendste Szene die zwischen Ihnen und ihm, der einen Zwangssterilisierten spielt. Wie war er?

          Er war für mich der Maßstab für Menschen. Wenn Leute gut über den Montgomery Clift gesprochen haben, waren sie in Ordnung. Wenn sie schlecht über ihn gesprochen haben, konnte man sie gleich vergessen. Ich habe ihn sehr verehrt, denn er war einfach großartig, in „Ein Platz an der Sonne“ oder „Verdammt bis in alle Ewigkeit“. Der Monty Clift war für mich immer ein Vorbild. Von ihm habe ich auch sehr viel gelernt.

          Und Marlon Brando?

          Der war ein Freund.

          In „Die jungen Löwen“, Ihrem ersten internationalen Film, 1957, spielte er einen deutschen Offizier, weswegen man ihm die Haare ganz blond gefärbt hatte.

          Ja, die Leute in Hollywood sind oft sehr primitiv. Er sollte ein sozusagen repräsentativer Deutscher sein, also machte man ihn blond.

          Sie hatten eine Nebenrolle als deutscher Offizier; hätten Sie gerne Brandos Rolle gespielt?

          Mir war das egal. Ich war froh, dass ich da überhaupt eine Rolle bekommen hatte. Immerhin schrieb die amerikanische Kritik damals, nicht die Stars des Films - neben Brando noch Clift und Dean Martin - hätten die beste Leistung geliefert, sondern: „Maximilian Schell turned a small part into a leading role.“ So gute Kritiken hatte ich in Deutschland nie.

          Wie haben Sie und Brando sich verständigt, keiner beherrschte doch die Sprache des anderen?

          Zu Beginn, als wir uns am Set kennenlernten, noch nicht, aber ich habe dann schon Englisch gelernt, durch ihn eigentlich. Es ist immer ein großer Lacher, wenn Leute fragen: Wer hat Ihnen Englisch beigebracht? Und ich antworte: Marlon Brando. Ein Riesenlacher, weil er den Ruf hatte, so undeutlich zu sprechen. Als wir den Film drehten, habe ich alles phonetisch gelernt. Wir hatten einen dialog coach, der immer betrunken war, aber wahnsinnig nett. In einer Szene verweigert Brando mir als seinem Vorgesetzten einen Befehl; er wollte nicht auf Gefangene schießen. Ich sollte zu ihm sagen: „You know I could have shot you for what you just have done.“ Tatsächlich aber sagte ich erst mal: „I should have could you for what you just have done.“ Da bekam er vor der Kamera einen Lachanfall. Das war schön. Aber auch leidvoll. Ich bin ja nicht gern Schauspieler gewesen.

          Was war daran schwer erträglich?

          Sich vor anderen Leuten zu produzieren.

          Das mögen Sie nicht?

          Nein.

          Warum sind Sie es trotzdem geworden?

          Geld verdienen.

          Sie wären eigentlich lieber Regisseur?

          Wurde ich dann ja auch.

          Was wären Sie überhaupt lieber geworden?

          Das weiß ich gar nicht. Ich bin ja nichts geworden. Ich suche immer noch nach meinem Beruf. Ich bin nichts geworden.

          Deswegen habe ich gefragt, ob Sie jemanden beneiden. Leute vielleicht, die genau wissen, was sie werden wollen?

          Schauen Sie mal, die Fichte dort drüben. Die hat ganz hellgrüne Zweige, daraus kann man wunderbaren Fichtenhonig machen. Jetzt sind sie schon fast ein bisschen zu groß, und ich überlege mir ständig: Soll ich die nehmen für den Honig, oder soll ich die nehmen ein Stück weiter den Berg hinauf? Das ist genau wie: Walderdbeeren. Wenn Sie mich fragen: Walderdbeerensucher - das wäre ich gerne geworden. Im ersten Kapitel des Buches schreibe ich ja, wie ich Ulrich Mühe . . .

          Der im Sterben lag.

          . . . noch Walderdbeerenmarmelade geschickt habe. Und die zweitsinnvollste Sache, die ich gemacht habe, war, mit Dürrenmatt im Theater des Dionysos in Athen die Atome des Sokrates zu suchen, weil er gesagt hatte, wenn ein Mensch irgendwo sitze, hinterlasse er dort Atome, und die könnten Tausende von Jahren überdauern. Es ist wunderbar, etwas zu suchen, von dem man weiß, es existiert nicht.

          Sie würden die Suche als Motiv Ihres Lebens begreifen?

          Ich kann ehrlich nicht sagen, als was ich mein Leben beschreiben kann. Ich finde es unvollkommen, manchmal glücklich, manchmal glückhaft, sicher nicht unschön, aber im Grunde doch sehr elend.

          Die Alm hier in Kärnten ist seit zwei Jahrhunderten im Besitz der Familie; hier lebte Ihre Schwester Maria bis zu ihrem Tod, Sie leben hier. Mögen Sie hier oben auch die Einsamkeit?

          Ja.

          Über Ihre Schwester haben Sie gesagt: „Sie war immer einsam. Außer wenn sie dachte, sie liebe.“ Sind Sie da robuster - ertragen Sie das Alleine-Sein besser?

          Schwierige Frage. Wenn man alleine ist, finde ich es einfacher. Es ist auch schön, aufzustehen und jetzt in den Wald zu gehen. Jede Entscheidung führt in ein anderes Leben. Wie man jedes Mal spürt: Wenn ich einen Schritt nach links mache oder nach rechts, nimmt mein Leben einen anderen Verlauf; aber ich kenne ihn nicht. Kürzlich war ich bei einer Hochzeit. Was soll das? Was die sich alles versprechen und dann nicht halten.

          Sie waren auch mal verheiratet, mit der russischen Schauspielerin Natalija Andrejtschenko.

          Ja. Das ist lange her. Nach der Hochzeit konnte ich meine Frau erst mal fünf Monate nicht sehen, weil ich einen Film drehte, die orthodoxe Kirche uns aber nur diesen einen Termin geben wollte. Aber die Frauen sind sehr erpicht aufs Heiraten.

          Verstehen Sie, warum?

          Ja, zum Versorgt-Sein.

          Aber so als Bekenntnis zu einem anderen Menschen?

          Ich finde, es braucht kein Heiraten, wenn man sich liebt. Wenn man sich aber nicht lieben kann wegen der Unterschiede in der Sprache und der Politik - man kann nur versuchen, trotzdem zusammenzuleben. Das habe ich auch getan.

          Eine Kollegin hat zu Ihrem 70. Geburtstag in der F.A.Z. geschrieben, in der deutschsprachigen Presse sei bei Artikeln über Sie „häufig ein nörgelnder Unterton vernehmbar“; im Ausland habe man mehr Sympathie. Sind Sie ein weiterer Fall eines Künstlers, der in der Heimat weniger geschätzt wird als . . .?

          Ich bin nicht in der Heimat. Das ist das Schlimme. Wenn ich was Schlechtes mache, sagen die Schweizer: der Deutsche. Die Deutschen sagen: der Österreicher. Die Österreicher sagen: der Schweizer. Wenn ich was Gutes mache, erwähnen sie es kaum. Die Deutschen interessieren sich im Grunde nicht für mich. Ich glaube, sie mögen es nicht, wenn der Haupterfolg im Ausland ist. Man geht nicht gerne da hin, wo man im Grunde keinen Erfolg hat.

          In Ihrem Film über Marlene Dietrich sagen Sie zu ihr, Sie seien immer heimatlos gewesen. Empfinden Sie noch so?

          Ja, ich fand mich immer heimatlos. Nur nicht auf der Alm, da bin ich zu Hause. Ich empfinde die deutsche Literatur als meine eigene. Ich finde den deutschen Film des Anfangs, Fritz Lang und Zeitgenossen, sehr gut und sehr klar. Die Filme der Nachkriegszeit, auch von Helmut Käutner, finde ich in Ordnung, aber auch nicht mehr. Außer „Die letzte Brücke“: ein sehr schöner Film. ANTWORT: In jüngerer Zeit fand ich „Das Leben der anderen“ sehr gut. Auch die Sachen von Michael Haneke, den ich leider nicht kenne, sind gut.

          Schauen Sie Fernsehen?

          Ja.

          Was schauen Sie? In einem Interview sagten Sie mal: „Sturm der Liebe“.

          Ja.

          Eine Telenovela aus dem Nachmittagsprogramm. Was gefällt Ihnen daran?

          Die Dummheit. Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit wie die Dummheit, sagt Horváth. Es ist sinnlos und nicht einmal unterhaltend. Aber es ist Ersatz einer Familie. Man kennt die Figuren alle. Ich muss nicht jede Sendung sehen, aber man kennt sie und findet sie nett oder gemein, und das Böse wird irgendwann gerächt, meistens zu spät.

          Sie sind jetzt 81. Erinnern Sie sich noch, wie Sie mit 21 dachten, dass Sie mit 81 mal sein würden?

          Ja. Da machte ich katholische Exerzitien in Zug auf dem Berg in einem Kloster. Das war wunderschön. Ich kniete an einer Wand in einem Betstuhl und dachte darüber nach, was ich werden will. Ich sah mich merkwürdigerweise immer wie Tizian hinter einem Bild stehen als Achtzig- oder Fünfundachtzigjähriger und malen. Dann sagte ich, also ist das die richtige Wahl. In diesem Moment bekam ich einen Schlag auf den Kopf, und ich schaute auf. Da hatte sich der Korpus vom Kreuz gelöst und war mir auf den Kopf gefallen.

          Die Jesus-Figur?

          Ja. Ich ging sofort zu dem Jesuiten, der das Kloster leitete, einem ganz vernünftigen Menschen, der schaute sich das an und sagte: Da wird ein Nagel locker gewesen sein. - Das war sehr gescheit.

          Was hat Sie am Älterwerden am meisten überrascht?

          Die Müdigkeit.

          In „Marlene“ sagt die Dietrich zu Ihnen: „Sie sind ein Träumer.“ Stimmt das? Oder kam das von der Dietrich, die sehr prosaisch reden konnte?

          Das kam von ihr. Aber ja, ich bin ein Träumer, ich bin auch immer ein Romantiker gewesen, ich kenn’ nichts anderes. Was soll man denn sonst tun als träumen? Jeder Film ist ein Traum, jedes Bild ist ein Traum, jede Bibliothek ist ein Traum, jeder Freund ist ein Traum.

          Da spricht der Hamlet aus Ihnen. Zu dem haben Sie eine besondere Beziehung, Sie haben ihn mehrfach gespielt.

          Ja, eine grandiose Figur. Ich mache auch noch einen Film über ihn. Über einen achtzigjähriger Schauspieler, der noch einmal in seinem Leben den Hamlet auf Englisch spielen will. Er nimmt seine gesamten Ersparnisse, fährt nach London oder New York, engagiert sich junge Schauspieler und fängt an zu proben. Die Proben sind der eigentliche Film. Alle sagen: Der ist doch zu alt. Und er sagt: Schau, das Alter. Shakespeare selbst hat gesagt, Hamlet kommt aus Wittenberg. Dort aber wurde das Studium mit 16 abgeschlossen; also müsste Hamlet jünger als 16 sein. Der Totengräber dagegen sagt: Ich bin seit 30 Jahren Totengräber, seit dem Tag, an dem Hamlet geboren wurde. Erst 16, dann 30: Wenn Shakespeare sich nicht darum kümmert, warum soll ich mich darum kümmern?

          Ein Mann mit vielen Passionen: Maximilian Schell

          Schell, Jahrgang 1930, kann einen noch immer mit einem Blick anschauen, der einem durch und durch geht. Und einen im nächsten Moment hemmungslos charmieren. Sein Vater war der Schweizer Schriftsteller Hermann Ferdinand Schell, seine Mutter die Wiener Schauspielerin Margarethe Noé von Nordberg.

          Schell, älterer Bruder der ebenfalls im Darstellergewerbe berühmt gewordenen Maria Schell, spielte Theater (u.a. in Hamburg unter Gustav Gründgens den Hamlet, in London, in Salzburg 1978 bis 1982 den Jedermann) und im Film (u.a. „Das Urteil von Nürnberg“, Oscar als bester Hauptdarsteller; „Topkapi“, 1964; „Die Brücke von Arnheim“, 1977; „Little Odessa“, 1994). Auch im Fernsehen war er zu sehen, etwa als „Peter der Große“, 1986, oder Präsentator der historischen Reihe „Imperium“. Als Regisseur machte er Filme wie „Erste Liebe“, 1970, „Der Fußgänger“, 1974, und „Der Richter und sein Henker“, 1975. Eine vielbeachtete Dokumentation widmete er 1984 Marlene Dietrich; 2003 folgte „Meine Schwester Maria“. Als Darsteller wie als Regisseur wurde er vielfach ausgezeichnet.

          Von 1985 bis 2005 war er mit der russischen Schauspielerin Natalja Andreitschenko verheiratet. Aus dieser Verbindung stammt Tochter Nastassja (die während des spätnachmittäglichen Besuchs ebenso bei ihm anrief wie seine Freundin, die Opernsängerin Iva Mihanovic, 34). Zu Schells Passionen gehören die Musik und seine Kunstsammlung.

          Weitere Themen

          „Das Mikro stand auf Grün“

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Topmeldungen

          Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

          Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.
          Die Seiser Alm: Unter der Woche verliert sich auf dem größten Hochplateau Europas kaum eine Menschenseele. (Symbolbild)

          Nach Lockdown wieder geöffnet : Südtiroler Sonderweg

          Nach dem Lockdown über Weihnachten und Neujahr in ganz Italien hat Südtirol seit dem 7. Januar wieder „geöffnet“ und widersetzt sich dem Lockdown.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.