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Maximilian Schell im Gespräch : „Ich bin ja nichts geworden“

  • Aktualisiert am

Schell vor dem Haus seiner Schwester Maria auf seiner Alm in Kärnten Bild: Anna Jockisch

Er hat deutsche Soldaten und russische Emigranten gespielt, Opern und Filme inszeniert, er war mit Marlon Brando befreundet, bezauberte Judy Garland. Doch was sagt Maximilian Schell, 81, wenn man ihn fragt, ob sein Leben vollendet ist?

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          Herr Schell, wie muss man sich Ihr Leben gerade vorstellen, was machen Sie?

          Atmen.

          Ja, Atmen - wichtig.

          Sehr wichtig. Und ich muss sagen, diese Luft hier auf der Alm, die ist unglaublich. Manchmal, wenn ich so das Fenster öffne, es ist ein Traum. Das braucht man sehr. Die Ruhe und die Weite. Dann habe ich eine Schwimmhalle bauen lassen. Ich kann um 12 Uhr nachts schwimmen gehen.

          Machen Sie das auch, oder könnten Sie es nur?

          Zwei, drei Mal habe ich es gemacht; die Halle ist erst seit drei Monaten da. Aber wenn ich zu spät schwimme, das geht nicht, dann kann ich anschließend schlecht schlafen. Es weckt mich auf. Ich habe als junger Mensch viel Sport gemacht, Fußball, Tennis, das hat mich auch sehr geprägt.

          „Was soll man denn sonst tun als träumen?“

          Waren Sie ein einfacher Teenager?

          Ich glaube, ja. Ich halte mich auch für einen einfachen Menschen. Wie alle schwierigen Menschen. Man hält sich für einen einfachen Menschen.

          Dieser Tage erscheint ein Memoiren-Band von Ihnen, weshalb Sie bei „Beckmann“ und „Markus Lanz“ auftreten. Sind Sie überhaupt viel unterwegs?

          Ja. Das ist das Einzige, was mich ermüdet.

          Sie reisen nicht gerne?

          Nein, nicht mehr.

          Haben Sie es früher genossen?

          Genossen nicht, aber es hat mir nicht viel ausgemacht. Wissen Sie, man wird ja in so eine Welt hineingeboren. In Wien in meinem Fall; na ja gut, dann ist man Wiener. Es bricht ein Krieg aus; na ja, dann bricht eben wieder ein Krieg aus. Dann bin ich eben Schweizer.

          Weil Ihre Familie - Vater Schweizer Schriftsteller, Mutter österreichische Schauspielerin, vier Kinder - 1938, nach dem „Anschluss“, aus Wien in die Schweiz ging.

          Ich hatte eine ganz normale Jugend, ging aufs Gymnasium. Danach wollte ich eigentlich nach Deutschland, nach München; dort war ich drei Jahre an der Universität. Ja, und dann nach London und New York und Hollywood. Ich dachte, das ist immer so. (lacht)

          So einfach?

          Na ja, klar. Man weiß ja nicht, wie es anderen Menschen geht. Man denkt: Da ist man halt.

          Nachdem ich Ihr Buch gelesen hatte, kam mir als erste Frage an Sie sofort in den Sinn: Wie fühlt es sich an, einer zu sein, den das Schicksal so begünstigt hat? FRAGE: Talent mitbekommen, Erfolg, interessante Leute getroffen . . . Empfanden Sie das so: begnadet zu sein?

          Eigentlich nicht.

          Man hält es für normal?

          Man weiß einfach, dass gewisse Dinge gut sind. Zum Beispiel der Montgomery Clift. Das vermisse ich sehr, diese wenigen Menschen, die wirklich Eindruck gemacht haben. Man hat ja nie genug Zeit.

          Andere Leben: Schell mit Edward Furlong in „Little Odessa“

          Wenn man ein Talent hat, denkt man dann: Ich muss das Versprechen, das darin liegt, einlösen?

          Ja, ständig.

          Eine der Geschichten in Ihrem Buch, bei der ich dachte: Was für ein Leben!, ist die mit Judy Garland. Mit ihr spielten Sie in „Das Urteil von Nürnberg“ 1961, dem Film, für den Sie den Oscar bekamen. Beim Dreh sagte sie zu Ihnen: „Be mean to me.“ - Sei gemein zu mir. Denn sie spielte eine Zeugin der Anklage, und Sie waren der deutsche Verteidiger, der Sie ins Kreuzverhör nahm.

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