https://www.faz.net/-gum-70urx

Maximilian Schell im Gespräch : „Ich bin ja nichts geworden“

  • Aktualisiert am

Der im Sterben lag.

. . . noch Walderdbeerenmarmelade geschickt habe. Und die zweitsinnvollste Sache, die ich gemacht habe, war, mit Dürrenmatt im Theater des Dionysos in Athen die Atome des Sokrates zu suchen, weil er gesagt hatte, wenn ein Mensch irgendwo sitze, hinterlasse er dort Atome, und die könnten Tausende von Jahren überdauern. Es ist wunderbar, etwas zu suchen, von dem man weiß, es existiert nicht.

Sie würden die Suche als Motiv Ihres Lebens begreifen?

Ich kann ehrlich nicht sagen, als was ich mein Leben beschreiben kann. Ich finde es unvollkommen, manchmal glücklich, manchmal glückhaft, sicher nicht unschön, aber im Grunde doch sehr elend.

Die Alm hier in Kärnten ist seit zwei Jahrhunderten im Besitz der Familie; hier lebte Ihre Schwester Maria bis zu ihrem Tod, Sie leben hier. Mögen Sie hier oben auch die Einsamkeit?

Ja.

Über Ihre Schwester haben Sie gesagt: „Sie war immer einsam. Außer wenn sie dachte, sie liebe.“ Sind Sie da robuster - ertragen Sie das Alleine-Sein besser?

Schwierige Frage. Wenn man alleine ist, finde ich es einfacher. Es ist auch schön, aufzustehen und jetzt in den Wald zu gehen. Jede Entscheidung führt in ein anderes Leben. Wie man jedes Mal spürt: Wenn ich einen Schritt nach links mache oder nach rechts, nimmt mein Leben einen anderen Verlauf; aber ich kenne ihn nicht. Kürzlich war ich bei einer Hochzeit. Was soll das? Was die sich alles versprechen und dann nicht halten.

Sie waren auch mal verheiratet, mit der russischen Schauspielerin Natalija Andrejtschenko.

Ja. Das ist lange her. Nach der Hochzeit konnte ich meine Frau erst mal fünf Monate nicht sehen, weil ich einen Film drehte, die orthodoxe Kirche uns aber nur diesen einen Termin geben wollte. Aber die Frauen sind sehr erpicht aufs Heiraten.

Verstehen Sie, warum?

Ja, zum Versorgt-Sein.

Aber so als Bekenntnis zu einem anderen Menschen?

Ich finde, es braucht kein Heiraten, wenn man sich liebt. Wenn man sich aber nicht lieben kann wegen der Unterschiede in der Sprache und der Politik - man kann nur versuchen, trotzdem zusammenzuleben. Das habe ich auch getan.

Eine Kollegin hat zu Ihrem 70. Geburtstag in der F.A.Z. geschrieben, in der deutschsprachigen Presse sei bei Artikeln über Sie „häufig ein nörgelnder Unterton vernehmbar“; im Ausland habe man mehr Sympathie. Sind Sie ein weiterer Fall eines Künstlers, der in der Heimat weniger geschätzt wird als . . .?

Ich bin nicht in der Heimat. Das ist das Schlimme. Wenn ich was Schlechtes mache, sagen die Schweizer: der Deutsche. Die Deutschen sagen: der Österreicher. Die Österreicher sagen: der Schweizer. Wenn ich was Gutes mache, erwähnen sie es kaum. Die Deutschen interessieren sich im Grunde nicht für mich. Ich glaube, sie mögen es nicht, wenn der Haupterfolg im Ausland ist. Man geht nicht gerne da hin, wo man im Grunde keinen Erfolg hat.

In Ihrem Film über Marlene Dietrich sagen Sie zu ihr, Sie seien immer heimatlos gewesen. Empfinden Sie noch so?

Weitere Themen

Topmeldungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
Trauer allerorten: In Brasielien nehmen die Totenzahlen zu.

Chaos in Manaus : Brasilien von tödlicher Corona-Welle getroffen

Den Krankenhäusern in Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht der Sauerstoff aus. Schwerkranke Patienten werden nun per Charter-Maschine ausgeflogen. Und auch landesweit schnellen die Todeszahlen in die Höhe.
Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.