https://www.faz.net/-gum-70urx

Maximilian Schell im Gespräch : „Ich bin ja nichts geworden“

  • Aktualisiert am

Ja, als ihre Nahaufnahme gedreht wurde, in der sie weinen und schreien musste, brauchte sie off camera, hinter der Kamera, jemanden zur Ansprache. Sie sagte: „Be mean to me. More, more.“ Ich kann das ganz gut, ich bin ein guter Partner off camera. Eigentlich habe ich mir den Oscar für den Best Actor Off Camera verdient. (lacht)

Nach dem „Be mean to me“ haben Sie, der unbekannte Kollege aus Europa, dann Judy Garland, den Inbegriff des Glamours, die Frau, die mit „Over the rainbow“ einen dieser Jahrhundertsongs gesungen hatte - die haben Sie zum Abendessen eingeladen, in Hollywood.

Nein, außerhalb, in Malibu. Das war unheimlich romantisch. Anschließend sind wir im offenen Wagen - ich hatte einen offenen Wagen gemietet, weil ich die Sonne so mochte, typisch Europäer - gefahren, und sie saß neben mir. Im Autoradio spielte dann komischerweise „Over the Rainbow“ (er summt), aber nur das Orchester, ohne Stimme. Und sie sang mit, laut, auch als noch andere Lieder gespielt wurden, und wir fuhren so am Meer entlang. Plötzlich kamen diese entsetzlichen Commercials, McDonald’s, Beefsteaks, irgend so was, und danach kam Mozarts Jupitersinfonie. Irgendjemand hatte mir das genau erklärt mit der Sinfonieform, mein Musiklehrer vielleicht, der war wunderbar. Das habe ich ihr ein bisschen erklärt, schau, jetzt kommt die Wiederholung. (Er summt.) So sind wir bis vor ihr Hotel gefahren, das „Beverly Hills Hotel“, und sie stieg nicht aus. Wir saßen vor ihrem Bungalow, fast eine Dreiviertelstunde noch, und hörten Mozart im Radio. Irgendwann ergriff sie meine Hand, und ich spürte, die Hand war voll Tränen. Sie hatte vorher noch nie Mozart gehört.

In so einem Moment sagt man sich sicher: Maximilian, du hast ein großes Schwein gehabt.

Ja, manchmal schon. Aber es gab auch sehr viel Leid.

Ja?

Zum Beispiel die Filme, die ich als Regisseur gemacht habe. „Erste Liebe“ ging noch. Aber beim „Fußgänger“ zum Beispiel fehlten mir - ich weiß nicht mehr, wie viele - Millionen. Dann musste ich zu einem berühmten Verleiher, am Broadway, habe den Film vorgestellt und habe gebetet, dass der mir hilft. Aber er hat nicht geholfen. Es kommt immer sehr darauf an, wie sehr man etwas begehrt.

Gibt es jemanden, den Sie beneiden?

Ja. Hitchcock zum Beispiel. Weil der immer einen gehabt hat, der ihm die Filme finanzieren half. Ich würde einen Film nach dem anderen drehen. Jetzt zum Beispiel habe ich ein sehr, sehr schönes Drehbuch, über Napoleon und Beethoven - aber bis jetzt . . . Ich weiß gar nicht, an wen ich mich wenden kann. Meine Filme sind, obwohl sie alle ihr Geld eingespielt haben, nicht sehr kommerziell.

Haben Sie den Eindruck, Ihr Leben ist noch unvollendet?

Sehr.

Aber es ist ein so reiches Leben; Sie haben so viel erreicht.

Nein.

Nein? Sie haben den Eindruck, es ist noch vieles unvollendet?

Sehr viel.

Was würden Sie gerne noch machen?

Zum Beispiel den Film, den Friedrich Dürrenmatt und ich zusammen geschrieben haben, über Midas. Jetzt war ich gerade bei der Beerdigung von Charlotte Kerr, seiner Frau.

Die Sie ihm einst vorstellten.

Ja.

Weitere Themen

Topmeldungen

Hat sich am Ende durchgesetzt: Armin Laschet (Mitte) mit der bisherigen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und seinem unterlegenen Konkurrenten Friedrich Merz

Neuer CDU-Vorsitzender : Mit Laschet auf Nummer Sicher

So eindeutig Armin Laschet sich gegen Friedrich Merz durchsetzen konnte, so gespalten bleibt die Partei. Laschet wird die Kanzlerkandidatur ansteuern. Die Entscheidung darüber fällt in den Landtagswahlen.
Hohes Bedrohungspotential: Mitglieder der Nationalgarde am 13. Januar im Kapitol

Vor der Amtseinführung Bidens : Der Aufstand dauert an

Das FBI ist vor der Zeremonie zur Amtseinführung Joe Bidens besorgt über das Gewaltpotential. Nach der Blamage am 6. Januar im Kapitol wollen die amerikanischen Sicherheitsbehörden am Mittwoch auf Nummer Sicher gehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.