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Max von der Groeben : Es hat sich ausgeprollt

„Man hat nie ausgelernt“: Für Max von der Groeben läuft es als Schauspieler gut. Bild: Frank Röth

Der 27 Jahre alte Max von der Groeben wurde bekannt mit Doofi-Rollen wie der des Danger in „Fack ju Göhte“. In seinem neuen Kinofilm spielt er sich frei. Unsere Autorin hat ihn in Köln getroffen.

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          Laut, prollig und nicht die hellste Kerze auf der Torte – das ist die Paraderolle, die Max von der Groeben bislang gespielt hat. Mit seinen dunkelblonden Haaren und dem intensiven Blick verkörperte er einen mittelbegabten Proll von der Assischule, einen motorradfahrenden Hufschmied ohne Sinn fürs Feine oder einen durchtrainierten Pornoliebhaber, der aus Versehen Häuser anzündet. Zwar mit so viel Charme, dass er etwa mit seiner Darbietung als Schüler Danger in „Fack ju Göhte“ trotzdem zum Publikumsliebling wurde. Blitzgescheit und tiefgängig wirkte er aber sicher nicht. Doch er ist, wenn er das Zimmer betritt – Gelfrisur, grauer Wollpulli und Skinny-Jeans – das Gegenteil dieses Abziehbilds.

          Ja, er ist jung. Und wenn man nach ihm sucht, kann man irgendwo zwischen diesen Grübchen das Gesicht finden, das einen von der Leinwand herab dümmlich angegrinst hat. Doch der offene Blick, die klare Aussprache, unter die sich nur manchmal eine Spur Kölner Zungenschlag mischt, die sorgsam gewählten Worte – all das verrät, dass dieser Mann keineswegs ein Idiot ist. Sondern einer der aufstrebenden jungen Schauspieler in Deutschland. „Ich hab vielleicht eine Teenie-Komödie zu viel gemacht“, sagt er, aber ohne Bedauern.

          Denn Max von der Groeben hat sich weiterentwickelt. In Projekten wie „Mach dein Ding“, einer Udo-Lindenberg-Biographie, dem Netflix-Thriller „Kidnapping Stella“ und der österreichischen Produktion „Hinterland“, die nach dem Ersten Weltkrieg spielt, will er das allen beweisen. „Ich kann wieder eine neue Seite von mir zeigen“, sagt er. Kann er wirklich. In seinem neuen Kinofilm „Auerhaus“, der in dieser Woche in die Kinos kommt, überzeugt er mit Reife, aber auch mit jugendlicher Dynamik jenseits von bloßem Rumgeprolle.

          Dem dusseligen Danger entwachsen

          Er spielt in Neele Vollmars Adaption von Bov Bjergs erfolgreichem Roman den Frieder, einen selbstmordgefährdeten Depressiven, der mit ein paar Freunden in ein altes Haus auf dem Dorf zieht. Die Jugendlichen fahren mit dem Rad zur Schule, verspeisen Unmengen an Tsatsiki und klauen im Supermarkt. Mittendrin wirft Frieder Medikamente ein, manchmal auch die falschen, tanzt mit einer Axt und balanciert auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, nie ganz sicher, ob er das mit dem Leben schafft.

          Von der Groeben spielt diesen Frieder einfühlsam, aber auch verrückt. „Ich wollte ihn nicht als Depri darstellen, sondern ambivalent, sprunghaft, unberechenbar.“ Damit gelingt es ihm, das Problem deutlich zu machen, das viele mit Depressionen haben: Sie verstehen sie nicht. Ihnen ist nicht eingängig, dass Betroffene sich auf dieser Welt einfach fehl am Platz fühlen und auch ein netter Abend das nicht aufwiegt. „Ein gesunder Kopf kann das kaum nachvollziehen“, sagt der Schauspieler. Er erzählt, dass er sich lange mit dem Thema beschäftigt hat, um die Rolle auszufüllen.

          Ist von der Groeben damit dem dusseligen Danger entwachsen? Ja. Aber er bereut es nicht, ihn gespielt zu haben. Wenn er an alte Charaktere denkt, die er verkörpert hat, lächelt er. Bedenken, nur noch Rollen angeboten zu bekommen wie die, die ihn bekannt gemacht haben, hatte er nie. „Nee – ich bin ein positiver Mensch.“ Angst gehört nicht zum Kölner Standardgefühlsrepertoire.

          Die Affinität zum Film liegt in der Familie

          Der Siebenundzwanzigjährige scheint insgesamt ein ziemlich ruhiger und planvoller Typ. Erwachsen in jedem Sinne. Er denkt sich spätabends in irgendwelchen Clubs mittlerweile öfter mal, dass er doch lieber noch mit seinen Freunden in der gemütlichen Bar geblieben wäre, um zu quatschen, sagt er.

          Er weiß, wer er ist und was er will; Werbung macht er zum Beispiel kaum. In den sozialen Medien gibt er aus seinem Privatleben wenig preis. In seinem Geschäft bekomme man dafür nach einiger Zeit ein Bewusstsein. Klar, Max von der Groeben hat seit den großen Erfolgen einiges an Medienerfahrung gesammelt. Doch er wirkt einfach nicht wie ein Typ, der sich in den Mittelpunkt drängt.

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