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Max Riemelt im Interview : „Ich konnte mir anfangs nicht vorstellen, diese Rolle zu spielen“

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Der pädosexuelle Architekt Markus (Max Riemelt) in einer Szene des Films „Kopfplatzen“ Bild: dpa

Schauspieler Max Riemelt ist selbst Vater und spielt im Film „Kopfplatzen“ einen Mann, der unter seinen pädophilen Neigungen leidet. Ein Gespräch darüber, wie er sich auf diese außergewöhnliche Rolle vorbereitet hat.

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          Eigentlich sollte der Film „Kopfplatzen“ am 2. April in die deutschen Kinos kommen. Doch weil die nun geschlossen sind, zeigt der Filmverleih Salzgeber den Film ab dem gleichen Datum exklusiv online auf seiner Webseite, im so genannten „Salzgeber Club“. Max Riemelt wartet aktuell darauf, dass die Dreharbeiten zu „The Matrix 4“ weitergehen, für den er bereits ein paar Wochen in Amerika vor der Kamera stand. In „Kopfplatzen“ spielt der 36 Jahre alte Berliner einen Mann, der mit seinen pädophilen Neigungen ringt.

          Herr Riemelt, Sie kennen Savaş Ceviz, den Regisseur Ihres neuen Films „Kopfplatzen“, schon länger, nicht wahr?

          Wir haben uns 2007 kennen gelernt bei den Dreharbeiten zu einem Kurzfilm, der Teil des Omnibusfilms „GG 19 – Deutschland in 19 Kapiteln“ war. Da haben wir uns angefreundet, und bei einem unserer Treffen hat Savaş mir von der Idee zu „Kopfplatzen“ erzählt. Das war in einem sehr frühen Stadium, weswegen es noch Jahre dauerte, bis wirklich ein Drehbuch da war und wir eine Filmförderung bekamen.

          Eine Geschichte über einen Pädophilen, der mit seiner Neigung ringt – wie war Ihre erste Reaktion auf dieses Projekt?

          Natürlich hatte ich große Berührungsängste. Das Thema ist ja eigentlich ein so großes Tabu, das kaum wirklich darüber gesprochen wird. Deswegen musste ich mir erst einmal meine eigenen Gedanken machen. Als Kinofilm konnte ich mir die Thematik anfangs gar nicht vorstellen, geschweige denn die Hauptfigur zu spielen. Auch weil ich ja selbst Vater bin. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte – und auch danach gab es noch immer wieder Phasen, in denen ich mir unsicher war. Deswegen war es immer wichtig, unser Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren.

          Nämlich?

          Uns ging es nicht bloß darum, das Publikum zu schocken oder einfach nur abzuschrecken. Vielmehr wollten wir es mit ins Boot nehmen und dafür sorgen, dass vielleicht eine emotionale Verbindung zu diesem Mann aufgebaut wird. Damit das Thema nachvollziehbar wird. Das war sicherlich die größte Herausforderung.

          Max Riemelt als pädosexueller Architekt Markus und Isabell Gerschke als alleinerziehende Mutter Jessica mit Sohn Arthur

          Hatten Sie Angst, die Zuschauer würden Sie womöglich mit der von Ihnen gespielten Figur gleichsetzen?

          Nein, das nicht. Aber es gab halt keine Referenz für diese Rolle. Ich kenne keinen vergleichbaren Film, der mir dabei geholfen hätte, mir eine solche Geschichte auf der Leinwand vorzustellen. Und nicht einmal ein fertiges Drehbuch hilft dabei unbedingt. Denn ich weiß, wie gerade bei einem deutschen Film die Umstände sein können: da wird so mit dem Geld geknausert, dass sich manche Ideen nicht so konsequent umsetzen lassen, wie sie aufgeschrieben sind. Da ist dann die Gefahr groß, dass man missverstanden wird, gerade bei so einem Thema. Der einzige Grund, warum ich mich letzten Endes auf „Kopfplatzen“ eingelassen habe, ist Savaş, dem ich zu 100 Prozent vertraue, weil er ein Freund von mir ist.

          Wie haben Sie sich dann auf die Rolle vorbereitet?

          Savaş hatte schon viel recherchiert, weil er sich intensiv mit einem Projekt in der Charité auseinandergesetzt hat, bei dem pädophilen Menschen therapeutisch geholfen werden soll, nicht zu Tätern zu werden. Das reichte mir. Betroffene habe ich nicht getroffen, stattdessen hat mir Savaş Videos gezeigt von Menschen, die im Internet anonym darüber sprechen. Schon da habe ich gemerkt, dass ich mir diese Geschichten gar nicht so gut anhören kann, weil ich mir vielmehr meine eigene Figur „bauen“ musste, die eine eigene Geschichte und einen eigenen Umgang mit dieser Neigung hat. Denn genau das will der Film vermitteln: jeder, der davon betroffen ist, hat trotzdem noch ein ganz individuelles Leben und einen gewissen Alltag ist, der nicht ohne weiteres mit anderen vergleichbar ist. Wir erzählen von einem einzelnen Menschen, nicht generell von einer sexuellen Neigung.

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