https://www.faz.net/-gum-7m6ek

Matthew McConaughey im Gespräch : „Ich trug ein Brandzeichen“

  • Aktualisiert am

„Hollywood, das ist wie beim Flippern, du darfst nicht zur Kugel werden“: Matthew McConaughey Bild: dpa

Er war lange nur ein weiterer Schönling aus Hollywood. Heute wird Matthew McConaughey heiß gehandelt für den Oscar. Ein Gespräch über Schauspieler auf Diät, Selbstzweifel - und warum es besser ist, das T-Shirt nicht auszuziehen.

          5 Min.

          Matthew McConaughey hat verdammt gute Laune an diesem grauen Wintertag, den er in einem Hotelzimmer im „Adlon“ mit Blick aufs Brandenburger Tor verbringt. Der 44 Jahre alte Texaner ist auf Europa-Tour, um sein Aids-Drama „Dallas Buyers Club“ vorzustellen: Rom, London, Berlin. Die Kurzhaarfrisur sitzt, das figurbetonte Hemd auch. Am Arm trägt er eins dieser Motto-Plastikarmbänder, die eigentlich schon wieder out sind; auf seinem steht: „Just keep livin’.“

          McConaughey, leicht gebräunt, ist knallwach. Sitzt vornübergebeugt auf seinem Stühlchen, Ellenbogen auf den Knien. Schnipst immer mal wieder mit den Fingern, wenn ihm danach ist. Nimmt zwischendurch seinen Kautabak aus dem Mund, „sorry, M’am“, und legt ihn auf den Beistelltisch. Der Südstaatenakzent wirkt.

          Der Schauspieler ist seit zwanzig Jahren im Geschäft, nun hat er gleich mit einer Reihe von Filmen bewiesen, dass er mehr drauf hat, als in romantischen Komödien zu spielen. Und er versucht erst gar nicht, zu verstecken, wie stolz er darauf ist. Für den Part des Ron Woodroof, die wahre Geschichte eines homophoben Rodeo-Machos, der in den Achtzigern an Aids erkrankt und zum Aktivisten wird, ist er für einen Oscar nominiert; der Film insgesamt erhielt sechs Nominierungen.

          Für diese Ihre jüngste Rolle mussten Sie 25 Kilo abnehmen, sind im Film kaum wiederzukennen. Eine bewährte Methode in Hollywood, um sich für einen Oscar zu empfehlen, oder?

          Moment, empfohlen hat mich für diese Rolle erst mal keiner, ich habe mich selbst ins Spiel gebracht. Als ich zum ersten Mal das Drehbuch las, wusste ich, diesen Typen, den will ich spielen. Das Drehbuch kursierte seit mehr als 15 Jahren in Hollywood, vor ungefähr zehn Jahren landete es zum ersten Mal bei mir. Damals wollte es keiner finanzieren, schon gar nicht mit mir in der Hauptrolle.

          Warum das, Sie zählen doch zu den Stars?

          M’am, weil ich in den Neunzigern noch der Typ mit dem Waschbrettbauch war, der damit beschäftigt war, in „Wedding Planner“ Jennifer Lopez um den Finger zu wickeln. Damals sagte ich schon zu meinem Agenten: Lass mich diesen Part nicht verlieren: Don’t let me looooose this! Lass mich nicht eines Tages im „Hollywood Reporter“ lesen, dass jemand anderes die Rolle hat.

          Leonardo diCaprio war mal eine Weile für „Dallas Buyers Club“ im Gespräch, oder?

          Ach, bei fast jedem Film fällt unter Produzenten mal der Name DiCaprio. Oder Brad Pitt. Das hat nicht viel zu sagen, außer dass bekannte Namen dabei helfen, die Finanzierung anzuschieben. Grundsätzlich hatte aber keiner Interesse an einem Aids-Drama.

          Der Film wurde in 25 Tagen und mit einem 4,9-Millionen-Budget gedreht. Ein Witz für ein historisches Drama, das in den Achtzigern spielt, oder?

          Ja, schon allein weil Kostüme und Ausstattung stimmig sein müssen. Not macht erfinderisch, es wurde zum Beispiel fast nur mit natürlichem Licht gedreht, es gab kaum Pausen.

          Video-Filmkritik : Dallas Buyers Club

          Haben Sie selbst mal einen Aids-Test gemacht?

          Ja, das war 1988, als Aids aufkam und keiner eine Ahnung hatte, was es bedeutet. Ich war 18 Jahre alt. Ich war ein heterosexueller, aktiver Mann und hatte das dringende Bedürfnis, den Test zu machen.

          Warum ist Hollywood immer wieder aufs Neue beeindruckt, wenn ein Schauspieler für eine Rolle zu- oder abnimmt?

          Weil es bedeutet, dass man sich einem Charakter verschreibt, sich einlässt, mit Leib und Seele jemanden verkörpern will. Das ist das Größte für Schauspieler, das wollen wir alle. Manche träumen nur davon, und diejenigen, die es radikal umsetzen, genießen den Respekt der Kollegen. Was Woodroof anging, war es keine exzentrische Entscheidung eines Schauspielers kurz vor der Midlifecrisis, sondern eine Notwendigkeit. Es gibt viele Fotos von dem echten „Ronny“, Videoaufzeichnungen, seine Familie in Dallas. Anfangs dachte ich, 15 Kilo würden reichen, am Ende waren es an die 25, weil ich immer noch zu gesund aussah.

          Gibt es ein Hollywood-Handbuch „How to lose weight“?

          Ha, sehr witzig. Nein, gibt’s nicht. Ich hatte einen Ernährungsberater und habe mit ihm einen Diätplan aufgestellt. Die Verwandlung passierte nicht im Hauruckverfahren, sondern im Laufe von vier Monaten. Eiweiß am Morgen, 150 g Fisch, zweimal Gemüse. Jede Woche habe ich ungefähr 1,5 Kilo verloren. Keine Sonne, kein Strand, kein Surf, weil ich blass sein musste.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Autor Timo Steppat mit seiner Oma in der Psychiatrie in Bedburg-Hau

          Von den Nazis ermordet? : Für Elise

          Über seine Ururgroßmutter wurde nie gesprochen: In der Psychiatrie war sie wohl, in der Nazizeit. Hat man sie ermordet? Und warum ist das Verbrechen zum Familiengeheimnis geworden? Unser Autor macht sich mit seiner Oma auf die Suche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.