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Matthew McConaughey im Gespräch : „Ich trug ein Brandzeichen“

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Den virilen, o-beinigen Western-Gang von Woodroof kennen Sie aus Ihrer Heimat Texas, oder?

Nee, den habe ich extra für Ronny erfunden. Genauso wie seine Körperhaltung. Anfangs hat er noch etwas von einem zähen Kojoten; als ihm dann die Medikamente versagt werden, hat er mich an einen hungrigen Baby-Adler erinnert, der im Nest sitzt und nichts zu futtern bekommt. Dieser leicht nach vorne gereckte Kopf. Ein guter Freund von mir ist an Krebs gestorben. Den hatte ich immer vor Augen. Er hatte den gleichen Appetit wie Ron, er wollte am Leben bleiben.

Beeindruckend, wie Sie das spielen. Irgendwie hätte ich Ihnen das nicht zugetraut.

Das haben viele nicht. Vielleicht bin ich deshalb auch so stolz auf diese Arbeit? Aber auch weil wir den großen Studios gezeigt haben, was eine Harke ist. Keiner wollte den Film machen, nun ist er insgesamt für sechs Oscars nominiert.

Und Sie selbst haben sich auch die Harke gezeigt, oder?

Es hatte damit zu tun, dass ich vierzig wurde. Die Zwanziger sind zum Rebellieren da. Die Dreißiger zum Arbeiten und Gasgeben. Gleichzeitig habe ich in dieser Phase gewisse Zweifel weggedrückt. Ich wollte vorankommen, mitmischen. Dann kommen die Vierziger, und plötzlich ging es mir um Identität. Bin ich der Mann, der ich sein will? Mir war klar: In den nächsten Jahren entscheidet sich, ob ich das Zeug zum Charakterdarsteller habe oder nicht. Gerade für uns Männer gibt es in diesem Alter verdammt interessante Rollen; du musst sie nur kriegen.

Warum bekamen Sie die Rollen nicht angeboten?

Weil ich für etwas anderes stand! Wie ein Rindvieh trug ich ein Brandzeichen, also musste ich das auslöschen und begann damit, Rollen abzusagen. Die großen Studios wollten, dass ich immer wieder eine Variation einer Rolle spiele, die Erfolg hatte. Die immer gleiche Formel: Ich sollte mein Shirt ausziehen und mit der leading lady des Films ins Bett gehen. Sie waren nicht an meiner Qualität als Schauspieler interessiert.

FRAGE: Für eine Hauptrolle in einer romantischen Komödie, hinter der ein großes Studio steht, bekommen Sie dreimal so viel wie für einen unabhängigen Arthouse-Film, oder?

Dreimal so viel? Sechsmal so viel! Mit meiner Frau Camila habe ich auch besprochen, dass ich eine Auszeit nehmen will. Und vorher Geld beiseite gelegt, um unseren Lebensstil weiter zu finanzieren.

Schlau - woher kommt Ihr Sinn fürs Geschäftliche?

Von meinem Vater. Er hat als Tankstellenbesitzer in Texas angefangen und irgendwann beschlossen, das reicht ihm nicht, also wechselte er ins Ölgeschäft, besorgte Ersatzteile für die Rohre. Er hat sich auf seine Art hochgearbeitet, genauso wie ich. Alles eine Frage der Entschlossenheit.

Wann hatten Sie genug von den romantischen Komödien, den sogenannten „rom-coms“?

Als ich merkte, dass ich zwar Spaß beim Dreh hatte, aber keinen Spaß beim Angucken.

Ihr eigenes Grinsen ging Ihnen auf die Nerven?

Und wie. Genauso wie der Ruf, dass ich ständig mein T-Shirt ausziehen würde. Das habe ich erst mitbekommen, als es schon lange ein Running Gag war. Ich genoss zeitweise auch nicht den besten Ruf in der Branche. Manche waren einfach nur neidisch drauf, dass meine Filme weltweit 100 Millionen Dollar gemacht hatten. Andere nervte meine Easy-Livin’-Attitüde. Die haben sich gesagt, ja klar, der Typ sieht ganz gut aus, kann einen Sixpack vorweisen, aber hat er einen substantiellen Film abgeliefert?

Dann ging Ihre Strategie auf?

Oh yeah, ich bekam den heißersehnten Anruf von Steven Soderbergh für den Film „Magic Mike“; obwohl ich einen Stripper spielte, hat mich die Performance auf ein anderes Level katapultiert. Die Auszeit, das Abtauchen hat sich definitiv ausgezahlt. Ich bewege mich schon so lange in Hollywood, dass ich weiß, wie das geschäftliche Spiel funktioniert. Es ist wie beim Flippern, du darfst nicht zur Kugel werden, sondern musst am Drücker sitzen, die Impulse geben.

In den Vereinigten Staaten ist gerade bei HBO Ihre Serie „True Detective“ angelaufen.

Ja, seither sind mir schon wieder Detective-Rollen angeboten worden. No, thanks. Noch weiß ich meinen nächsten Schachzug nicht. Aber keine Sorge, ich arbeite an meiner eigenen Bedeutsamkeit.

Die Fragen an Matthew McConaughey stellte Antje Wewer.

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