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„Hidden Figure“ der Raumfahrt : Mathematikerin der Nasa gestorben

Hidden Figure: Katherine Johnson 1966 im Langley Research Center Bild: Getty

Sie war ein mathematisches Ausnahmetalent und diente als Vorlage für den Film „Hidden Figures“. Die Afroamerikanerin Katherine Johnson arbeitete über 30 Jahre für die Nasa. Nun ist sie im Alter von 101 Jahren verstorben.

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          Wie kann es sein, dass die Geschichte der amerikanischen bemannten Raumfahrt nach wie vor anhand der Biographien weißer Männer erzählt wird, wenn es in ihr so herausragende Figuren wie die Mathematikerin Katherine Johnson gegeben hat? Mit dieser Frage blieb zurück, wer den im Jahr 2016 erschienenen und für drei Oscars nominierten Film „Hidden Figures“ gesehen hat. Basierend auf einem gleichnamigen Sachbuch wurde in ihm das Leben dreier afroamerikanischer Frauen nachgezeichnet, die am Langley Research Center in der „West Area Computing“-Gruppe seit Beginn des amerikanischen Raumfahrtzeitalters, in einer Zeit praktizierter Rassentrennung also, Berechnungen für die amerikanische Raumfahrtbehörde (Nasa) anstellten.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Katherine Johnson, die am 26. August 1918 in White Sulphur Springs in West Viginia geboren wurde, sticht in diesem filmischen Porträt als ein mathematisches Ausnahmetalent heraus, das sie ohne Frage auch jenseits cineastischer Dramaturgie war. Schon während ihrer Kindheit konnte ihre ungewöhnliche Begabung kaum ignoriert werden, sie übersprang zwei Klassen, ihre Familie förderte sie und zog ihretwegen in die Nähe einer afroamerikanischen Highschool. Nach Abschlüssen in Französisch und Mathematik arbeitete sie zunächst als Lehrerin, gründete dann eine Familie, bevor sie 1953 ihre Tätigkeit als Rechnerin am Langley Research Center in der Flight Research Division begann.

          Wer sich vor Augen führt, unter welch schwierigen Bedingungen die Arbeit einer afroamerikanischen Frau dort und zu dieser Zeit stattfand, kommt kaum umhin, Johnsons Leistungen mit einer Mischung aus Bewunderung und Ehrfurcht zu begegnen. Sie war eine der ersten Frauen, die als Autorin auf einem Nasa-Bericht genannt wurde, ihre mit Zettel und Stift ausgeführten Berechnungen lagen nicht nur dem ersten amerikanischen Raumflug Alan Shepards 1961 zugrunde, auch die per Computer berechnete Erdumlaufbahn John Glenns 1962 wurde von ihr per Hand gegengerechnet. Sie selbst nannte ihre Berechnungen der Flugbahn der Apollo-Mondlandefähre zum Rendezvous mit dem Mutterraumschiff als ihren wichtigsten Beitrag, betonte aber gleichzeitig, dass sie jeden einzelnen Tag ihrer insgesamt 35 Jahre währenden Tätigkeit für die Nasa genossen habe.

          Ihre Liebe zur Mathematik gab sie seitdem in zahlreichen Veranstaltungen an Schüler weiter, gleichzeitig wuchs die öffentliche Anerkennung ihrer Leistungen. Als prominenteste der Nasa-Rechnerinnen wirkte sie als wichtiges Vorbild für zahlreiche Frauen. 2015 verlieh Barack Obama der 97Jahre alten Johnson die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Am Montag ist Katherine Johnson im Alter von 101 Jahren in Newport News in Virginia gestorben.

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