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Diskussion über Massentourismus : Venedig verbannt die Kreuzfahrschiffe – ein Stückchen

Rote Zone: Wegen der Corona-Pandemie sind der Tourismus und das öffentliche Leben in Venedig derzeit fast komplett heruntergefahren. Bild: Reuters

Kreuzfahrtschiffe sollen zukünftig nicht mehr am Markusplatz festmachen dürfen. Die Entscheidung löst eine weitere Debatte über Massentourismus in Venedig aus.

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          Die Entscheidung der Regierung in Rom vom Donnerstagabend, wonach Kreuzfahrtschiffe in Venedig vorübergehend nicht mehr durch den Giudecca-Kanal fahren und nahe dem Markusplatz festmachen dürfen, hat die hitzige Debatte über die Zukunft des Massentourismus in der Lagunenstadt nicht beruhigt. Nach dem Beschluss der vier Minister für Verkehr, Tourismus, Kultur und ökologischen Wandel müssen die riesigen Kreuzfahrtschiffe vorerst im Industriehafen von Maghera im Westen der Lagune festmachen. Damit solle „das historisch-kulturelle Erbe nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt geschützt werden“, heißt es in einer Erklärung der Minister.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Umweltschützer bezeichneten den temporären Bann der Kreuzfahrtschiffe als nicht ausreichend, weil die Minister zugleich einen Ideenwettbewerb zur Planung eines neuen Kreuzfahrtterminals ausgeschrieben hätten. Der im September 2020 mit deutlicher Mehrheit für eine zweite Amtszeit wiedergewählte Bürgermeister Luigi Brugnaro befürwortet den Bau eines Kreuzfahrtterminals bei Maghera als Teil einer „strukturellen und definitiven Lösung“ des Problems, das der Transit großer Schiffe im empfindlichen Ökosystem der Lagune sowie in der Altstadt verursacht. Bürgergruppen in Venedig sind gegen den Bau eines Kreuzfahrtterminals.

          Umsatzminus von 90 Prozent

          Viel spricht dafür, dass sich in der seit Jahren geführten Debatte über den „Übertourismus“ in Venedig vorerst jene durchsetzen werden, die nach der Pandemie eine rasche Wiederbelebung des Fremdenverkehrs vorantreiben wollen. Im Jahr 2019 zählte Venedig 13 Millionen Übernachtungen jährlich, während immer mehr Einwohner angesichts steigender Mietpreise und wachsender Touristenmassen aus der Altstadt fortzogen. Es gab Pläne, für Tagestouristen ein Eintrittsgeld zu erheben. Nach dem dramatischen Einbruch des Fremdenverkehrs wegen der Pandemie im letzten und auch in diesem Jahr, mit einem Umsatzminus von 90 Prozent, werben Bürgermeister Brugnaro und die Tourismuswirtschaft heftig für die Destination Venedig.

          Vom Eintrittsgeld für Tagesbesucher ist nicht mehr die Rede. Aus Anlass der Feierlichkeiten zum 1600. Jahrestag der legendären Gründung der Stadt vom 25. März 421 versprach Brugnaro am Donnerstag: „Von hier aus senden wir eine Botschaft der Hoffnung: Venedig lebt, Italien lebt.“ Bürgermeister Brugnaro und der gleichfalls wirtschaftsfreundliche Regionalpräsident Luca Zaia wollen die Serenissima und die gesamte Region Venetien zum Versuchsfeld für einen „intelligenten und nachhaltigen“ Tourismus machen. Was damit genau gemeint ist, außer etwa der Beschränkung von Airbnb-Vermietungen, bleibt bisher unklar.

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