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Mit neun Grammys ausgezeichnet: Mary J. Blige, 1971 in New York geboren, ist eine der erfolgreichsten R&B-Sängerinnen. Sie arbeitet auch als Songwriterin und Schauspielerin. Bild: UPI/laif

Mary J. Blige im Interview : „Ich habe mir den Schmerz von der Seele geschrieben“

  • -Aktualisiert am

Millionen verkaufte Tonträger, zahlreiche Nummer-eins-Hits und jetzt ein Dokumentarfilm: Die R&B-Sängerin Mary J. Blige spricht im Interview über Traumata, Erfolg und ihre Karriere als Musikerin und Schauspielerin.

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          Frau Blige, Anfang des Jahres sind Sie 50 Jahre alt geworden. War das der Anlass für Sie, einen Teil Ihres Lebens- und Karrierewegs auch in Form eines Dokumentarfilms festzuhalten?

          Nein, und die Idee für den Film war auch nicht meine. Aber als ich gefragt wurde, ob ich mich 2019 anlässlich meiner Royalty Tour, mit der ich das 25-Jahr-Jubiläum meines Albums „My Life“ feierte, von einer Kamera begleiten lassen würde, war ich nicht abgeneigt. Ich habe mehr als mein halbes Leben lang meine Geschichten und Gefühle mittels meiner Songs mit den Fans geteilt. Und nun gefiel mir der Gedanke, ihnen etwas noch Greifbareres zu geben.

          Sie sagen in „Mary J. Blige’s My Life“, dass Erfolg nichts bedeute, solange man sich nicht auch in seinem Herzen erfolgreich fühle. Wann war das bei Ihnen erstmals der Fall?

          Das ist noch nicht so lange her. Ungefähr 2016 war es, dass ich endlich anfing, das Gefühl zu haben, den Erfolg wirklich verdient zu haben und genießen zu können. Mich selbst und das, wofür ich so hart gearbeitet habe, tatsächlich zu lieben, war mir vorher nie gelungen. Immer wieder habe ich versucht herauszufinden, was Glück eigentlich bedeutet. Die Befriedigung von Eitelkeiten? Materielle Dinge? Das Betäuben von Schmerz? Aber im Grunde hat es mein gesamtes bisheriges Leben gedauert, zu lernen und zu verinnerlichen, was ich wert bin. Und dass ich wirklich erfolgreich eben auch erst bin, wenn ich genießen kann, was ich erreicht habe.

          Millionen verkaufter Tonträger und zahlreiche Nummer-eins-Hits, Fans auf der ganzen Welt und Schränke voller Designer-Outfits helfen nicht dabei?

          Mich haben diese Dinge eher noch einsamer gemacht, weil niemand wirklich verstehen oder nachvollziehen konnte, was ich durchmache. Niemand konnte meine Unsicherheiten oder meinen Schmerz wirklich nachvollziehen. Stattdessen gab es Unverständnis, warum jemand in meiner Position nicht der glücklichste Mensch überhaupt ist. Doch was bringt es, gesagt zu bekommen, dass man wunderschön ist, wenn man die eigene Schönheit nicht sieht? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe meine Fans immer geliebt. Sie haben mich immer unterstützt. Aber erst in dem Moment, in dem ich mich selbst feiern konnte, hat sich wirklich etwas verändert.

          Und was brachte den Wendepunkt?

          Einerseits kulminierte 2016 einfach eine lange Entwicklung des Dazulernens. Aber vor allem ging in diesem Jahr endlich meine furchtbare Ehe zu Ende. Die Scheidung war eine Befreiung, doch sie stürzte mich auch in ein Loch. Und das war so tief, dass mir klar wurde, dass ich da ohne Selbstliebe nicht herauskomme.

          Ihr Leben ist geprägt von schwierigen Zeiten und traumatischen Erfahrungen, die von Armut über Missbrauch bis hin zu Drogen reichen. Waren Ihre Songs für Sie ein Weg, das zu verarbeiten?

          Ganz genau. Ich habe versucht, mir den Schmerz von der Seele zu schreiben, alle meine Gedanken und Gefühle in Songs zu verwandeln. Das hat den Umgang damit für mich nicht immer leichter gemacht, aber es war das Einzige, was ich konnte. Dass sich davon dann auch andere Menschen angesprochen fühlten, war tatsächlich nur ein Nebeneffekt, der nicht unbedingt eingeplant war. Bis heute bin ich immer erstaunt, wenn mir Fans davon berichten, wie ich ihnen mit meiner Musik geholfen und sie womöglich sogar gerettet habe.

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