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Marteria im Interview : „Einen Pinguin aus dem Becken holen ist nicht schlimm“

  • Aktualisiert am

„Was sauber und unsauber ist, kann man nur sagen, wenn man viel gesehen hat“: Marteria, bürgerlich Marten Laciny, in Berlin Bild: Pein, Andreas

Rapper Marteria spricht über den „Faust“, Modeln in New York, Drogen, Wir-Gefühle, Vorschriften – und Freundinnen, die ständig singen.

          4 Min.

          Besitzt du eigentlich Musik, die man nie mit dir in Verbindung bringen würde?

          Ja, Heino und Bibi Blocksberg. Bibi höre ich mit meinem Sohn. Ich kann das jedem empfehlen, das ist perfekt zum Einschlafen: Nach fünf Minuten ist man weg.

          Was denkt sich ein Literat oder Germanist, wenn seine Kinder deine Musik hören?

          Der sagt: „Hört das weiter.“ Es gibt Germanistikprofessoren, die meine Lieder auseinandergenommen haben, um Doppeldeutigkeit und Metaphern, die sich nicht wiederholen, aufzuzeigen.

          Würdest du sagen, du hast eine Liebesbeziehung zur deutschen Sprache?

          Ich bin ein großer Fan der „Dreigroschenoper“, mag Heinz Strunk sehr und habe als Schauspielstudent den „Faust“ gespielt.

          Spricht dich der „Faust“ an?

          Ja! Es gibt nichts Geileres, als einen Deal mit dem Teufel zu unterschreiben. Das ist ja genau das Gleiche, was Hip-Hop-Musik heutzutage ist (lacht). Die guten Leute aus der Hip-Hop-Kultur, das sind die Nachfolger von Schiller und Goethe.

          Mit achtzehn hast du eine Karriere als Fußballprofi abgebrochen und bist nach New York gezogen. Gibt es Momente, in denen du das bereust?

          Stell dir vor, du bist aus Rostock, Ende siebzehn und dir kommt einer mit dem Angebot, als Model nach New York zu gehen. Wenn du das nicht machst, wirst du es wohl dein ganzes Leben bereuen.

          Du hast Schauspiel studiert. Kannst du das weiterempfehlen?

          Nein, Finger von lassen. Schauspieler sind allgemein ein unangenehmes Volk. In so einer Schauspielklasse ist man gemeinsam mit fünfzehn Leuten, die alle in ihren Schulen Mittelpunktsmenschen waren. Da kommt sehr viel Selbstüberschätzung dazu, und am Ende haben vielleicht zwei, drei einen Job. Die andern tingeln oder schmuggeln Haschisch im Darm von Marokko nach Spanien.

          Gutes Stichwort: Wie viele Zeilen des neuen Albums sind in komplett nüchterner Verfassung entstanden?

          Sehr viele. Fast alle Zeilen habe ich auf Reisen, in Bussen geschrieben. Es gibt diese Lieder, die auf Drogen entstanden sind, aber die sind am nächsten Morgen nicht mehr zu ertragen. Viele Leute bilden sich ja ein, dass sie besser an Songs arbeiten können, wenn sie was trinken, kiffen oder an einem anderen Ort sind. Ich finde: Alles drei zusammen ist perfekt.

          Also doch.

          Eigentlich sollte Cannabis legalisiert werden. Die Leute sollten sich darüber Gedanken machen, dass es harmlos ist, mal ’nen Joint zu rauchen. Anderseits gibt es viele Menschen, für die es der Tod wäre, legal an Cannabis zu kommen.

          Vor ein paar Jahren hast du mit den Toten Hosen gearbeitet. Bist du der erste deutsche Rapper, der Texte für eine Rockband schrieb?

          Ich weiß es nicht. Mir fiel das jedenfalls nicht schwer. Ich bin aber kein Songwriter, der für irgendjemanden schreibt. Es muss immer eine freundschaftliche Verbindung geben.

          Ein Rapper ist mit einem Deutschrocker befreundet?

          Campino, der Sänger der Toten Hosen, stand auf einem Festival plötzlich da und sagte, dass er meine Platte total geil findet. Wir sind dann ein paarmal zum Fußball gefahren, haben uns in einem kleinen Haus bei Münster eingeschlossen und in fünf, sechs Tagen total viel geschrieben.

          Die Toten Hosen gelten längst als bürgerlich und gelten nicht mehr wirklich als hip. Hattest du keine Bedenken, die Sache könnte dir schaden?

          Die sind dreißig Jahre zusammen, in einem Team vom Lichtmann bis zum Security, und das unfassbar loyal. Da ist es mir so was von egal, wer hip ist und wer nicht. Weil ich versuche, meinen Leuten genau dasselbe zu vermitteln: dass man zueinander steht.

          Um ein Wir-Gefühl geht es auch in „Lila Wolken“. Der Song scheint die Samstagabend-Stimmung junger Leute auf den Punkt zu bringen. Eine Generationshymne?

          Auf jeden Fall eine Hymne, weil sie den Himmel gekauft hat. Das klingt sehr hochgegriffen, ist aber tatsächlich so. Wenn sie lila Wolken sehen, denken fünfzig Prozent der Leute an dieses Lied.

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