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Marlene Dietrich : Ein Mythos ruft an

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

In ihren letzten Jahren verschanzte sich Marlene Dietrich in ihrer Wohnung in Paris. Nur mit ein paar Freunden telefonierte sie – und mit unserem Autor. Ihre Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter hat er aufgehoben.

          15 Min.

          Eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter im Jahr 1984: „Ja, dies ist Frau Marlene Dietrich. Ich habe seit Wochen angerufen, und Herr Bermbach antwortet mir nicht.“ Einige Tage später: „Bitte seien Sie doch so gut und rufen Frau Dietrich an. Es ist jetzt Montag Viertel vor Fünf. Hier noch mal meine Nummer: 47239742.“

          Ich komme gerade von Dreharbeiten aus New York, muss nächste Woche nach Israel, wo wir einen Film über die jüdische Dichterin Mascha Kaléko drehen. Ein Bekannter, der mit Marlene Dietrich seit Jahren Telefonkontakt hat, ohne sie je getroffen zu haben, hatte mir schon vor einiger Zeit berichtet, dass sie einen Journalisten sucht, mit dem sie ein Interview für die „Bunte“ machen kann, weil sie dringend Geld brauche.

          Wieder eine Nachricht: „Man weiß ja nicht: Sind Sie nur ausgegangen oder sind Sie nicht im Lande? Sie sollten mich anrufen, bitte!“ Ich wähle ihre Nummer und erkenne gleich ihre rauchige Stimme mit dem Berliner Akzent. Keine langen Vorreden, sie geht gleich in medias res. Fragt auch gar nicht erst, wer ich sei und was ich im Leben so mache. Anscheinend hat sie da schon ihre Erkundigungen eingezogen. Vertraut dem Freund – und mir – blind.

          Aber worüber will sie denn überhaupt mit mir reden? Erst vor kurzem kam ihre Autobiographie heraus, in der sie – sehr lakonisch und nicht gerade originell – das Wichtigste aus ihrem Leben mehr oder weniger amüsant erzählt. Und über ihre Karriere ist in den letzten 50 Jahren bei Gott alles geschrieben worden. Nein, sie will ganz allgemein reden, über das Leben und den Tod, über die Liebe und den Hass, über Deutschland und die Politik, also über Gott und die Welt, nur nicht über Marlene Dietrich. Soll das mal einer glauben.

          „Ich habe vernünftige Ideen und manches zu sagen, glauben Sie mir, mein Freund.“ Nach einer Viertelstunde hatte ich das Gefühl, diese Frau persönlich zu kennen. Sie duzte mich hin und wieder, sie fragte, ob ich auch Berliner sei, war erstaunt, dass ich länger in Paris lebte als sie. Ich schlug ihr vor, eine Fragenliste aufzustellen, die wir dann besprechen könnten.

          Und wann sie bereit wäre, mich zu empfangen? „Na, überhaupt nicht, natürlich nicht. Das machen wir alles per Telefon. Dazu muss man sich doch nicht sehen!“ Ich bezweifelte das. Aber da wurde sie abrupt und sagte: „Überlegen Sie es sich, Herr Bermbach, und rufen Sie mich morgen früh zurück.“

          Natürlich wusste ich, dass sie bettlägerig war. Mein Freund Jacques Kam, der ihr (und Brigitte Bardots) Anwalt war, hatte mir vor einiger Zeit sein Leid geklagt, weil er seine Klientin nie sehen dürfe. Sie sei äußerst kompliziert und wankelmütig. Jeder Umgang mir ihr sei schwierig. Als ich ihn anrief, warnte er mich vor dem „Abenteuer einer Zusammenarbeit „, wie er es nannte. Er habe seine Erfahrungen mit ihr gemacht. Immer wenn etwas besprochen war, habe sie in letzter Minute ihre Meinung geändert.

          Ich nahm das alles nicht so ernst, rief einen Freund bei der „Bunten“ an und fragte, ob er an einem Interview mit Marlene interessiert sei. Seine wörtliche Antwort: „Wir wollen kein altes Fleisch!“ Ich informierte Marlene am Tag darauf, aber mit anderen Worten, und schlug ihr vor, andere Blätter zu kontaktieren. „Unternehmen Sie, was Sie für richtig halten. Aber schnell, ich brauche dringend Moneten, sagen wir 40.000 Mark.“

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