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Rutte lobt Rotterdam : Das arme Düsseldorf!

Am schönsten ist‘s in Den Haag: Ministerpräsident Mark Rutte am Prinsjesdag im Parlamentsviertel Bild: AP

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte kommentiert die deutsche Infrastruktur – und findet Rotterdam besser.

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          Deutsche sind defätistisch geworden, wenn es um ihre Infrastruktur geht. Die Bahn: unpünktlich. Schienen, Straßen, Brücken: marode. Die Landkarte der Netzabdeckung im Mobilfunk: löchrig wie ein Maasdamer-Käse. Besucher aus den Niederlanden merken das seit Jahren, wenn sie ins angeblich so reiche Deutschland kommen. Auch ihrem Ministerpräsidenten ist die Misere nicht entgangen. Deutschland hinke stark hinterher, konstatierte Mark Rutte jetzt in einem Gespräch mit niederländischen Journalisten. Und fügte, wohl mit halb witzelndem Unterton, hinzu: Düsseldorf sehe ärmer aus als Rotterdam, und, sinngemäß: Das sei auch gut so.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag nämlich war „Prinsjesdag“, der Tag, an dem die Regierung den neuen Haushalt und ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen für die nächsten Jahre präsentiert. Zur Diskussion steht unter anderem ein milliardenschwerer staatlicher Investitionsfonds – passend zur neuen Politik der Regierung, mit höheren Ausgaben dem Bürger mehr zu bieten und außerdem einem Abflauen der Hochkonjunktur entgegenzuwirken.

          „Ich will, dass Düsseldorf ärmer aussieht als Rotterdam“

          Zum Gespräch am Prinsjesdag empfing Rutte die Journalisten im „torentje“, dem Türmchen im Haager Parlamentskomplex, in dem der Regierungschef sein Büro unterhält. Der Investitionsfonds werde mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ kommen, so zitiert ihn „de Volkskrant“. Der Staat sei bedeutsam für Innovationen. In diesem Zusammenhang spricht Rutte den Zustand im Nachbarland an: „Deutschland läuft enorm hinterher auf dem Gebiet von IT, Glasfasern und solche Dingen. Aber wenn wir nichts tun, werden andere Länder uns überholen. Ich will, dass Düsseldorf ärmer aussieht als Rotterdam. Das ist jetzt so. Wenn sie dort auch reicher werden, ist das prima, aber wir wollen schon diesen Vorsprung wahren.“ Ein Regierungssprecher bestätigt auf Anfrage die Aussagen, betont zugleich, Rutte habe das mit Düsseldorf und Rotterdam augenzwinkernd gesagt.

          Nun ist Rotterdam ein schwieriges Thema für Deutsche. Betongrau traurig sieht der Stadtkern aus, weil die Nazis die alte Innenstadt im Mai 1940 bombardierten und bis zur Unkenntlichkeit verwüsteten. Davon abgesehen hat die zweitgrößte niederländische Stadt aber früher wegen verwahrloster Viertel von sich reden gemacht. Rotterdam boomt, hat nach jüngsten Zahlen der Statistikbehörde CBS unter niederländischen Städten aber den zweithöchsten Anteil an Haushalten mit dauerhaft niedrigem Einkommen. Immerhin: Den Spitzenplatz ist man nun los. Und Kenner unter den Touristen sehen die Stadt inzwischen als hippe Alternative zum überlaufenen Amsterdam.

          Und Düsseldorf? Muss jetzt nicht beleidigt sein. Niederländische Politiker sollen ihre plastische Sprache behalten. Jubilieren kann Köln. Nicht nur aus dem üblichen Grund, als ewiger Rivale der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt – Köln ist auch Partnerstadt von Rotterdam.

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