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Musik-Produzent Ronson : „Für meine Neurosen war ich stets dankbar“

Mitch Winehouse glaubt, für seine Tochter sei der Erfolg ihrer traurigen Songs vergiftet gewesen, da sie so ständig an die schlimme Zeit erinnert worden sei. Haben Sie schon genug Distanz zu Ihrer Vergangenheit, um sich unbeschwert „Late Night Feelings“ anhören zu können? Können Sie das Album genießen?

Manchmal ja, manchmal nein. Als ich in London an dem Song „Don’t Leave Me Alone“ arbeitete, hörte ich immer wieder eine bestimmte Stelle, um die Drums perfekt zu kriegen. Ich ging gerade durch die verrückteste Form einer Auf-und-Ab-Beziehung und hörte Yebba immer wieder singen: „Only you can hurt me, because you’re the only one I want“. So etwas kann einen aus der Bahn werfen.

Ihr Plattenlabel „Zelig“ haben Sie nach einem Film von Woody Allen benannt...

Nicht nur nach dem Film. Mein Großvater benutzte das auch als Spitznamen für alle meine Onkel.

In Allens Film ist Zelig eine chamäleoneske Type, die sich stets ihrer Umgebung anpasst und keine eigene Handschrift hat. Ihr Label so zu nennen, scheint einer der typischen selbstironischen Mark-Ronson-Späße zu sein.

Ich habe definitiv an den Film gedacht, schließlich arbeite ich ständig mit neuen Leuten in den verschiedensten Genres, bin mit acht Jahren von England in die Vereinigten Staaten gezogen. Es kommt aber auch aus einem Überlebensinstinkt – ich brauche es, gemocht zu werden. Damit kämpfe ich im Moment und sage mir: Vielleicht sollte ich es nicht so verdammt hart versuchen.

Sie haben häufiger Ihre Angst erwähnt, sich allen Erfolgen zum Trotze binnen Tagen in einem Trailerpark wiederzufinden. Wie weit entfernt sehen Sie sich heute vom Dasein im Wohnwagen?

Ich bin immer dankbar gewesen für meine neurotischen Eigenheiten, die mich angetrieben haben, für meinen Perfektionismus, der mich nächtelang an kleinen Details feilen ließ wie damals, als wir uns mit „Uptown Funk“ abgeplagt haben. Ich bin sicher, dass sich das in der Musik ausgezahlt hat. Gleichzeitig versuche ich, nicht verrückt zu werden. In unserer heutigen Kultur gelten Selbstironie und Demut als entzückend, aber ein wenig bin ich damit durch. Ich mache Musik seit einer ganzen Weile und bin offensichtlich ziemlich gut darin, hoffentlich werde ich also noch etwas länger im Geschäft bleiben.

Als begehrter DJ in New York sind Sie mal von Donald Trump für eine Party engagiert worden. Der Mann ist berüchtigt für seinen schlechten Geschmack, wie kam er nur auf Sie?

Es war Mitte oder Ende der Neunziger. Trump sah schon damals aus wie ein James-Bond-Bösewicht, doch er war noch recht harmlos. Er hing ab mit Puffy und den anderen Typen, bei denen ich als DJ auftrat, und er wollte cool sein. Ich erinnere mich nur vage daran, wie er mit seiner damaligen, vermutlich 25 Jahre jungen Freundin hereinkam, als ich gerade Rap spielte, und sofort wieder den Raum verließ.

Was müsste er Ihnen heute anbieten, damit Sie den Auftritt wiederholen?

Seinen Rücktritt vom Amt. Das wäre die Bedingung.

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