https://www.faz.net/-gum-9ntqm

Musik-Produzent Ronson : „Für meine Neurosen war ich stets dankbar“

Das hat einfach mit meinen begrenzten Mitteln zu tun. Ich hatte einen Auftritt von Miley im Fernsehen gesehen und mich über die Show gewundert, die ihr Gitarrist da veranstaltete: Alles, was wir wollen, ist doch Miley. Andererseits habe ich sicher Glück: Ich darf erfolgreich sein, ohne dass mir vierzig Leute hinterherrennen. Wenn ich auf das Album „Back to Black“ angesprochen werde, das ich mit Amy Winehouse gemacht habe, empfinde ich zwar nicht direkt Schuld, doch schon gemischte Gefühle: Ich verdanke diesen unglaublichen Erfolg, im Grunde den Start meiner Karriere einer Sache, bei der es sehr stark um jemandes Schmerz ging. Ich liebe Amy, und sie liebte es, was ich auf diesem Album gemacht habe, doch es bleibt dabei: Es ist ihre Geschichte, ein Teil ihres Lebens. Und wenn auch ihre schlimmsten Probleme, als ich sie traf, überwunden waren und sie einen gesunden Blick auf ihre Beziehung hatte, war es immer noch eine Riesensache – und sie allein hatte die Erfahrungen durchleiden müssen, die zu „Back to Black“ führten. Ich musste nur dafür sorgen, dass die Arrangements stimmten, dass die Band gut klang und die Streicher.

Mit „Late Night Feelings“ verarbeiten Sie nun Ihre eigene Geschichte: Ihre zerbrochene Ehe.

Auf meinen Alben habe ich bislang meine Emotionen zwar nicht versteckt, aber auch nicht den Antrieb verspürt, sie auszudrücken oder davon zu erzählen, was ich durchgemacht habe. Auf diesem Album habe ich das zum ersten Mal getan. Ich fühle mich nicht unbehaglich oder entblößt – jeder weiß nun mal, was mir passiert ist. Viele der Künstler, mit denen ich gearbeitet habe, etwa Lady Gaga, stecken ihre Emotionen und ihre Verletzlichkeit in ihre Songs, und das habe ich nun auch getan.

Ist es leichter, seinen Schmerz zu zeigen, wenn es nicht die eigene Stimme ist, die ihn besingt?

Ich weiß nicht. Ich habe einfach nie versucht, ein Sänger zu sein. Würde ich singen, wäre es schmerzhaft in vielerlei Hinsicht – für die Hörer, für mich selbst... – ich habe immer so gearbeitet. Als ich mit Lykke Li das Lied „Late Night Feelings“ geschrieben habe, war da eine solche Energie. Dieser Song entstand, noch bevor ich wusste, dass ich ein Break-up-Album machen würde, aber die Melancholie war schon da. Und wir haben nicht versucht, nach den traurigsten Zeilen zu suchen, die wir finden konnten. Daher glaube ich, das selbst dieser Song, der vermutlich mehr zum Album beigetragen hat als alle anderen, immer noch stark auf einer geteilten Erfahrung beruht. Es sind nicht allein meine Worte.

Die Stimmen, die auf diesem Album ertönen, sind allesamt weiblich. Arbeitet es sich an so persönlichen Songs besser mit Frauen, vielleicht, weil diese in der Regel einfühlsamer sind?

Dass auf dem Album nur Frauen singen, ist keine Absicht gewesen. Als ich gerade nach L.A. gezogen war, habe ich diese Songschreiberin namens Ilsey entdeckt, die mit Lykke Li gearbeitet hatte. Dann habe ich Yebba getroffen. Meine Mutter ist für mich immer eine wundervolle, sehr interessante, extrem komplizierte Figur gewesen – und heute werde ich angezogen von diesen überlebensgroßen, sehr starken, ebenfalls sehr komplizierten weiblichen Künstlern. Es scheint in meiner Natur zu liegen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Angefasst und ausprobiert : Das kann das Motorola Razr

Wer das neue Motorola Razr in die Hand bekommt, reißt erst einmal die Klappe auf und sucht wie bei anderen faltbaren Smartphones die Falte in der Mitte. Wir haben aber auch noch anderes ausprobiert.

Buttigieg in Iowa vorn : Suche nach der Mitte

Pete Buttigieg liegt in den Umfragen zur demokratischen Vorwahl in Iowa erstmals vorn. Ist er der Hoffnungsträger für die Zentristen oder nur der Aufreger des Monats? In jedem Fall verfügt er über ein gut gefülltes Konto.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.