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Gitarrenstar Knopfler : „Ich spiele wie ein Klempner“

Sie würden sich also nie für einen Kurs anmelden, bei dem man lernt, seine eigene Uhr zusammenzubauen, wie es das in der Schweiz gibt?

Niemals. Meine Hände fühlen sich einfach hilflos an. Ich bin froh, dass ich problemlos den obersten Hemdknopf schließen kann, doch mit den Kragenknöpfen fängt es schon an, schwierig zu werden. Ebenso mit Reißverschlüssen (nestelt am Reißverschluss seiner Wolljacke herum). Eigentlich ein simples Ding (nestelt und nestelt). Doch es klappt nicht. In der Armee könnten sie jedenfalls Leute wie mich nicht gebrauchen.

Dafür sind Sie ein großartiger Musiker. Sie gelten als Gitarrenheld.

Nein, absolut nicht. Liederschreiben und Liederspielen entfernt einen von seinem spielerischen Können. Würde man nur Instrumentalmusik spielen, dann würde auch das spielerische Vermögen wachsen. Ich spiele dagegen wie ein Klempner. Gewiss habe ich einen besonderen Anschlag. Das kann man nicht kaufen. Und ich habe auch einen Zugang zur Gitarre. Doch in theoretischen Fragen wäre ich keine Hilfe. Ein Bekannter von mir spielt als Gitarrist in einer Bigband, und er gab mir schon konstruktive Tipps, was ich alles wissen sollte. Und das ist eine lange Liste.

Üben Sie noch viel?

Ich übe, ja. Spiele in anderen Tunings, arbeite mit dem Slide. Aber für mich ist es ja viel einfacher als etwa für einen klassischen Musiker. Ich stehe da, muss mich an all die Texte erinnern und die Abläufe der Songs. Das ist wie ein Abfragetest. Und dann sollte ich auf jene Momente achten, in denen sich ein Solo anbietet, doch wenn man den verpasst, wird eben nicht improvisiert. Das ist schon luxuriös. Allerdings ist es meine Identität, ein Songwriter zu sein, nicht ein Gitarrist. Mein Wunsch ist es, gute Songs zu schreiben und gute Alben aufzunehmen. Zu versuchen, ein guter Musiker zu sein, ist ein ganz anderer Berg, den es zu bewältigen gilt. Man kann versuchen, als Musiker okay zu sein, aber gut zu sein verlangt viele, viele Stunden Arbeit. Als ich vor vielen Jahren für einige Zeit in New York lebte und mich musikalisch erweitern wollte, Sessions für andere Künstler spielte und anfing, Filmmusiken zu schreiben, nahm ich mir diese Zeit, allerdings ohne Lehrer. Den hätte ich damals nehmen sollen. Aber ich will noch einmal betonen, dass ich mich als Songwriter sehe und nicht als virtuosen Musiker.

Haben Sie daher dieses Jahr die Feierlichkeiten zur Aufnahme der Dire Straits in die Rock’n’Roll Hall of Fame geschwänzt, weil Sie ja eigentlich in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen werden möchten?

Ja, das wäre mein Ding. Das gefiele mir. Die Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall of Fame ist eine tolle Auszeichnung, sehr liebenswürdig, doch ich war zum Zeitpunkt der Feier sehr beschäftigt. Ich arbeitete noch am aktuellen Album und außerdem am Musical „Local Hero“, für das ich alles schreibe und das im Januar Premiere in Schottland haben wird. Ich steckte also mitten in der Arbeit, als Paul mit der Nachricht von der Zeremonie kam und er nicht gerade glücklich wirkte, weil die Veranstalter allerhand wollten.

Denen schwebte der Dire-Straits- Reunion-Auftritt vor?

Genau, und danach müsse man hierhin und dorthin, und eine große Pressekonferenz habe man auch zu bestreiten. Das klang schon einigermaßen arrogant. Und da dachte ich mir, dass mir niemand sagen muss, was ich zu tun habe.

Zur Person

Als Sänger und Gitarrist der britischen Band Dire Straits ist der am 12. August 1949 in Glasgow geborene Mark Knopfler weltberühmt geworden. Die Gruppe hat rund 120 Millionen Platten verkauft und ist mit Hits wie „Sultans of Swing“ und „Money for Nothing“ noch immer Dauergast im Radio. Des Tourens müde, legte Knopfler 1995 die Dire Straits auf Eis und konzentrierte sich auf seine Solokarriere. Er ist ein gefragter Filmkomponist und Produzent, veröffentlicht aber auch regelmäßig Alben mit neuen Songs, geprägt von seinem markanten Gitarrenstil. Der vierfache Vater betreibt seit dem Jahr 2005 die angesehenen British Grove Studios im Londoner Stadtteil Chiswick. Auf Tour ist Knopfler von Mai bis Juli 2019 in deutschen Arenen.

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