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Von Fatima nach Panama : Pilgerin Nummer zwei

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Großer Andrang: Ankunft der Marienstatue aus Fátima in Panama Bild: EPA

Zum Weltjugendtag ist auch die Marienstatue aus Fátima nach Panama gereist. Wer zu ihr betet, soll einen Ablass bekommen.

          Internationaler Flughafen Tocumen, Panama-Stadt, Flugsteig 23. Blitzlichtgewitter, Beifall, Jubelrufe. Aus Portugal ist in der Nacht zum Dienstag Nossa Senhora de Fátima eingetroffen. Und zwar gewissermaßen persönlich, nicht in Gestalt einer der 13 offiziellen Kopien, die es von der Statue gibt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das etwa 1,10 Meter große Original aus Zedernholz hat 1920 der portugiesische Künstler José Ferreira Thedim geschnitzt. Angeleitet wurde er bei seiner Arbeit direkt von dem damals zwölf Jahre alten Hirtenmädchen Lúcia dos Santos. Ihr sowie ihren beiden jüngeren Cousins Francisco Marto und Jacinta Marto war von Mai bis Oktober 1917, immer am 13. des Monats, auf der kargen Hochebene Cova de Iria nahe Fátima die Jungfrau Maria erschienen. Immer ganz in strahlendem Weiß, so erzählten es die Kinder, und so hat Thedim auch seine eher kleine Statue der Nossa Senhora de Fátima gestaltet.

          Attentatskugel in der Krone

          Längst ist der Entstehungsort der Madonna, Fátima nördlich von Lissabon, zu einer der bedeutendsten Stätten der Marienwallfahrt geworden. Zur Hundertjahrfeier der Marienerscheinungen der drei Hirtenkinder kamen mehr als neun Millionen Pilger nach Fátima. Auch Franziskus gehörte am 13. Mai 2017 zu ihnen. Bei der Gelegenheit sprach der Papst Francisco und Jacinta Marto heilig. Eine ganz besondere Beziehung zur Jungfrau von Fátima hatte Johannes Paul II. Er besuchte den Wallfahrtsort während seines Pontifikats gleich dreimal. Am 13. Mai 1982 setzte Johannes Paul II. eine der Kugeln, die der Attentäter Mehmet Ali Agca genau ein Jahr zuvor – also am 64. Jahrestag der ersten Marienerscheinung – auf dem Petersplatz auf ihn abgefeuert hatte, in die Krone der Marienstatue ein. Dort ist die Kugel, die der Papst hat vergolden lassen, noch heute.

          Johannes Paul II. war überzeugt, dass er sein Überleben bei dem Attentat der Muttergottes selbst zu verdanken hatte. Und er war überzeugt, dass der Mordanschlag auf ihn im berüchtigten Dritten Geheimnis, welches Maria den Kindern von Fátima offenbarte, prophezeit worden war. Ein letztes Mal war Johannes Paul II. am 13. Mai 2000 in Fátima, wo er auch mit der greisen Lúcia dos Santos zusammentraf, der 1917 die Maria erschienen sein soll.

          Pilgerin Nummer zwei: Sonst sind nur die 13 Kopien der Marienstatue unterwegs. Nach Panama schickte man das Original.

          Bei seinem Besuch in Panama-Stadt von Mittwoch bis Sonntag aus Anlass des Weltjugendtages hat nun auch Papst Franziskus Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit der Madonna von Fátima. Und zwar gewissermaßen persönlich, in Gestalt der Originalstatue. Das ist für den Papst und die 150.000 Pilger, die in der mittelamerikanischen Metropole erwartet werden, etwas Besonderes. Denn die Wächter über das Heiligtum von Fátima wollten nach insgesamt 64 Auslandsreisen, welche Nossa Senhora de Fátima über die Jahrzehnte absolviert hat, der Originalstatuette eigentlich keine weiteren Ausflüge mehr zumuten. Letztmals war Thedims Schnitzwerk im Jahr 2000 aus der Vitrine in Fátima entfernt worden. Auf Reisen waren seither nur die 13 Kopien der Statue.

          Als jedoch die Bitte der Erzdiözese Panama-Stadt den portugiesischen Wallfahrtsort erreichte, die Nuestra Señora de Fátima, wie sie in Panama genannt wird, im Original zum Weltjugendtag reisen zu lassen, machten die Hüter des Heiligtums eine Ausnahme. Zum ersten Mal seit 19 Jahren nahmen sie die Statue aus der Vitrine in Fátima und schickten sie ins ferne Panama. Und sie trugen Nossa Senhora de Fátima sogleich in die Liste der Pilger zum Weltjugendtag ein: als Nummer zwei, gleich nach dem Papst, der bei Weltjugendtagen traditionell auf dem ersten Platz der Pilgerliste steht. Dafür traf die Pilgerin aus Fátima knapp zwei Tage vor dem Pilger aus Rom in Panama ein.

          Nach der Ankunft am Flughafen von Panama-Stadt wurde Unsere Liebe Frau von Fátima zunächst in die Kirche Nuestra Señora de Lourdes im Stadtteil Carrasquilla gebracht, wo eine Willkommens- und Inthronisierungsmesse zelebriert wurde. Nächste Station für die Statue war der von den Organisatoren des Weltjugendtags eingerichtete „Parque del Perdón“. Dort gibt es 250 Open-Air-Beichtstühle, wo die jungen Pilger aus aller Welt um Vergebung bitten können. Mehr noch, sie können mit einem Gebet vor der Statue der Madonna von Fátima im „Park der Vergebung“ sogar einen vollständigen Ablass erwerben. Wie das Erzbistum Panama am Sonntag mitteilte, hat der Gnadengerichtshof der Apostolischen Pönitentiarie in Rom diese Möglichkeit für alle Teilnehmer des Weltjugendtreffens gewährt. Voraussetzung für den Ablass, also den Nachlass zeitlicher Sündenstrafen, ist die Erfüllung der in der katholischen Kirche üblichen Bedingungen: der Empfang des Bußsakraments, die Teilnahme an einer Eucharistiefeier mit Kommunionempfang und schließlich ein Gebet nach der Intention des Papstes.

          Wie eine Pilgerfahrt: Auch für das Beten vor der Marienstatue gibt es einen Ablass.

          Vom „Park der Vergebung“ wird die Marienstatue am Samstag zum Hauptort der Veranstaltungen des Weltjugendtags an der Cinta Costera an der Pazifikküste getragen. Dort wird sie in einer Kerzenprozession zu einem Schrein verbracht. Am frühen Sonntagmorgen schließlich wird die Statuette zum Metro-Park im Osten von Panama-Stadt gebracht. Dort werden seit Tagen die Großbildleinwände und die Lautsprechertürme getestet, damit Papst Franziskus reibungslos die Abschlussmesse mit Hunderttausenden Gläubigen feiern kann. Der Heimflug für Nossa Senhora de Fátima ist noch für den Sonntagabend geplant.

          Traditionell verkündet der Papst beim Abschlussgottesdienst den Veranstaltungsort des nächsten Weltjugendtages. Die portugiesischen Medien überschlagen sich seit Tagen mit Spekulationen, die Wahl für 2022 könne auf Portugal, ja Fátima fallen. Warum sonst sollte Präsident Marcelo Rebelo de Sousa eigens zum Weltjugendtag nach Panama reisen? Europäische Veranstaltungsorte der Weltjugendtage, die alle zwei bis drei Jahre stattfinden, waren bisher Rom, Santiago de Compostela in Spanien, Tschenstochau in Polen, Paris, Köln, Madrid und zuletzt Krakau. Portugal, ja womöglich Fátima wäre also an der Reihe.

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